Das Haus St. Otto im winterlichen Schnee in der Abenddämmerung, im Vordergrund beleuchtete Tannenzweige

Chronik

Last Updated: 7 Oktober, 2026By Tags: , ,

Konvent der Marienschwestern

Abschrift aus der handschriftlichen Chronik der Marienschwestern 1947 – 1999

Chronik nach Zeitabschnitten: 1947–1961 | 1962–1968 | 1969–1974 | 1975–1979 | 1980–1985


Am 21. Januar 1947

übertrug das Mutterhaus mit dem Sitz in Berlin- Lankwitz unter der Leitung von ehrwürdiger Frau Generaloberin Mutter M. Roswitha Mix, das Amt der Hausoberin im St. Ottoheim Zinnowitz an ehrwürdige Schwester M. Fabiola Schubert.

Als Jugendleiterin fiel ihr somit nach den schweren Jahren der Umwälzung nach dem Kriege die besondere Aufgabe zu: das durch Kriegseinwirkungen in ein Desinfektionskrankenhaus umgewandelte St. Ottoheim wieder dem ursprünglichen Zweck eines Kindererholungsheimes zurückzuführen. Die sich damals noch im Heim befindlichen restlichen Kranken wurden anderen Häusern zugeteilt oder entlassen. Im März fand diese Aktion bereits ihren Abschluss und uns füllten das Haus die verschiedenen Handwerker, um alles zum Einzug der Kinder fertig zu stellen.

Mitte April trafen schon dann auch die ersten mecklenburgischen Kinder über das Gesundheitsamt Schwerin ein , zu denen sich alsbald die Berliner Erholungskinder über den Caritasverband Berlin dazu gesellten.

Das Amt eines Hausgeistlichen versah der heimatvertriebene schlesische Hochw. Herr Pfarrer
Schindler. Er war eifrig bemüht durch regelmäßigen Religionsunterricht guten Samen in die Kinderherzen zu streuen und so wenigstens in etwa die grauenvollen Erlebnisse der Kriegs- und Nachkriegszeit zu mildern. Zugleich versah er das Amt eines ordentlichen Beichtvaters bei den Schwestern.

Infolge der vielen durchgemachten Strapazen bei der Evakuierung aus der schlesischen Heimat und den anstrengenden Neuerungsarbeiten erkrankte Schwester Oberin M. Fabiola Mitte April schwer, raffte sich aber doch wieder zur Freude des ganzen Konventes und be-sonders der Jubelbraut
Schwester M. Adalberta Czech, welche am 29. April das goldene Ordensjubiläum in Zinnowitz , Waldstrasse 11 feiern durfte . Selbige hatte lange Jahre auf der Insel Usedom und überhaupt ins pommersche Land gewirkt und es war ihr eine dankbare Freude bei der kirchlichen Feier als Zelebranten den Hocherw. Herrn Ortspfarrer Vinzenz Plonka und einen assistierenden Priester Hochw. Herrn Prälat Adamus, Heringsdorf zu wissen. Beide Herren hatten unter dem Hitler-Regime im Zuchthaus um des Glaubenswillen gelitten.

Schwer waren 1947 für alle Insassen des Hauses die große Winterkälte, der anhaltende Kohlenmangel und vor allem die täglichen Stromsperrungen.

Im Mai erfreute sich das ganze Heim des so seltenen und nach dem Kriege erstmaligen Besuches der Hocherwührdigen Frau Generaloberin M. Roswitha in Begleitung der Assistentin Schw. M. Medarda. Erstere feierte daselbst am 27.05. ihr Namensfest im Kreise der Schwestern und Kinder.

Aber nicht nur für Kinder, sondern auch für viele Erwachsene, zumal für die Priester aus der Berliner Großstadt wurde Zinnowitz ein Begriff der Erholung.
Im August weilte Herr Pfr. Dr. Pelz und Herr Pfarrer Müller aus Berlin. Herr Kaplan Rothkegel aus Berlin Herz Jesu, sowie Herr Kaplan Wessels aus Demin mit 30 Ministranten hier und erfreuten sich an Wald und Strand. Herr Caritasdirektor Meissner und Herr Pfarrer Behrend, Berlin sowie Herr Pfarrer Biela aus Anklam.

Der 19. September 1947 war der Todestag eines Berliner Erholungskindes, der 9 jährigen Jutta Lesch, die infolge eines Gehirntumors binnen zwei Tagen aus der Schar der Gefährtinnen in die Ewigkeit abberufen wurde.

Am 26. Oktober durfte Schwester M. Bilhildis auf 25 Jahre Ordensleben zurück blicken und in dankbarer Freude in der Hauskapelle das silberne Ordensjubiläum feiern.

In den Weihnachtstagen, zumal in der Christnacht fanden sich durch Leid und Hunger und Kälte getrieben, äußerst viele evangelische wie katholische Christen zu den Gottesdiensten ein und am Jahresschluss konnte Hocherw. Herr Pfr. Schindler eine Kommunikantenzahl von 18107.


1948

Am 04. Januar erfreute sich Schwester M. Longina ihres 70. Geburtstages. Trotz ihres Alters froh, einfach und gesund und arbeitsam, versorgte immer noch eigenhändig Hühner, Gänse und Schweine auf der landwirtschaftlichen Abteilung des Ottoheimes.

Am 06. Januar, am Dreikönigsfest, nahm Hochw. Herr Pfr. Schindler im Beisein der Kinder, die am 02.01. wieder angereist waren und in Gegenwart der Schwestern die Hauseinsegnung der Räume vor.
Im Januar und Februar wurde die 14 jährige Schülerin Eva Neujahr aus Liebe auf Usedom durch täglichen Unterricht von Herrn Pfarrer Schindler auf die erste hl. Beicht und die hl. Kommunion vorbereitet und empfing diese am 08. Februar in der Hauskapelle. Desgleich wurde ein Knabe, Karl Schlesinger, Vater jüd., Mutter kath., nach vorangegangene Unterricht getauft und empfing am 14. März die erste hl. Kommunion.

Ende April verunglückte auf dem Bahnhof in Greifswald Schwester M. Martha und zog sich eine Gehirnerschütterung zu, die sie längere Zeit ans Bett fesselt.

Im Monat Mai fiel das hochheilige Pfingstfest, an welchem 30 Kinder aus der Gemeinde Zinnowitz aus der Hand des Ortspfarrers V. Plonka das Himmelsbrot zum ersten Male in ihre vorbereiteten Herzen aufnahmen.
Hausärztin Frau Dr. med. Paula Graf gab im Mai ihre Tätigkeit im Ottoheim auf und an ihre Stelle trat ab 01.06. Frau Dr. med. Knott.

Auch eine Studentin aus Leipzig mit Namen Renate Jahn, eine Psychologie- und Philosophie-
Studentin nahm sich in den Sommermonaten der Kinderschar an und verlebte frohe Stunden auch am verregneten Kinderfest am 08. August

Am 19. August erfreute sich Schwester M. Herwiga in der langjährigen Tätigkeit bei den Kindern ihres silbernen Ordensjubiläums. Am Abend vereinigten frohe Lieder und ein Weihespiel der angestellten jungen Mädchen die Hausgemeinschaft im großen Saal des Mädchenheimes.

Im September machte der neu ernannte erste Weihbischof von Berlin, Excellenz Hochw. Herr
Paul Tkotsch dem Ottoheim einen Besuch in Begleitung von Hochw. Herr Prälat Hilbig.
Am 29. September zelebrierte Excellenz eine Pontifikalmesse mit Ansprache an die Kinder und begab sich in den Nachmittagsstunden weiter nach Greifswald.

Bis in den Oktober hinein wurde der Aufenthalt an der See und im Wald von den Kindern und
Geistlichen aufgesucht. Die Kinderzahl mit sechswöchigen Kurgängen erreicht im Jahr 1948 die stattliche Zahl von 1600 Kindern.
Zu den Saison – Nachzüglern gehörten besonders Hochw. H. Pfr. Müller, Berlin – Friedrichshain, Hochw. H. Pfr.Hennig, Berlin – Ostbahnhof sowie Hochw. H. Pfr. Ratschke,
Königs – Wusterhausen.
Oktober und November hielten hier Hochw. H. Pater Bley SJ zwei Exerzitienkurse für die Schwestern des Hauses, die benachbarten Filialen und mehrere zugereiste Schwestern aus Berlin.
Am 23. November wiederum durfte Schwester M. Raphaela Feike, als Oberin Zinnowitz Waldhaus ihr diamantenes Ordensjubiläum begehen. Der Hochw. H. Ortspfarrer V. Plonka zelebrierte aus diesem Anlass ein Levitenamt mit Assistens von Hochw. H. Prälat Adamus und Herrn Pfr. Schindler in der Kapelle des Ottoheimes. Die Festpredigt hielt Hochw. H. Erzpriester Radek, Stralsund. Es war ein dankbar froher Feiertag für das ganze Haus.


1949 

Im Januar des neuen Jahres erkrankte unsere liebe Mitschwester M. Paulina Rhode schwer und musste von da ab täglich mit den hlg. Sakramenten versehen werden. Sie erhielt einen Schlaganfall an dessen Folgen sie langsam ihrem himmlischen Bräutigam im Leiden entgegen ging bis ein friedlicher Tod sie am 17. Juni erlöste.

Der Januar brachte auch für  Schwester M. Kunigunde Wojtokowiak die Ernennung zur Oberin von Bergen auf Rügen. Daselbst unterhielten die Schwestern neben ambulanter Krankenpflege und Kirchenbetreuung auch eine Kommunikantenanstalt, die sich besonders durch die Not nach dem Kriege zu einem armseligen Kinderheim entwickelte.

Am 26. Februar fand durch den Ortspfarrer Hochw. H. V. Plonka in der Kapelle des Ottoheimes die feierliche Trauung des Brautpaares Ernst Ludwig (kath.) und Frl. Margot Höthe (evg.) statt. Beide waren ansässig in Zinnowitz, durch die Kriegsverhältnisse.

Am 03. April wurde auch das 50 jährige Priesterjubiläum Seiner Heiligkeit Papst Pius XII. feierlich begangen. Durch Aussetzung des Allerheiligsten und Betstunde aller Heiminsassen stieg den ganzen Tag über inniger Dank zu Gott-Vater empor für diesen großen Kirchführer in so schwerer Zeit. Die Ordensgenossenschaft hatte außerdem 10 Hl. Messen in der Meinung des Hl. Vaters lesen lassen.

Am 24. April feierte Schwester M. Itha Geburek  ihr 25 jähriges Ordensjubiläum im Ottoheim
In stiller und demütiger Arbeit auf der zum Heim gehörenden Landwirtschaft hatte sie all die Jahre zugebracht und erfreute sich um eines Festhochamtes am Morgen und eines Festspieles „Mein Jesus bist Du da?“ am Abend in der Gemeinschaft zahlreicher Kinder und Mitschwestern

Am 18. Mai, während der Maiandacht ging ein so starkes Gewitter und heftiger Platzregen Nieder, so das niemand die Kapelle verlassen konnte.
Am 23. Mai fand die vor dem Himmelfahrtstage übliche Bittprozession zur Wirtschaft hin statt und am Pfingstsonntag empfingen 12 Kinder der Gemeinde, im St. Ottoheim, statt in der Pfarrkirche Waldstr.11, der Feierlichkeit halber, die erste hl. Kommunion.

Mit Saisonbeginn und besonders zur Sommerferienzeit war das Heim ein gern aufgesuchter Erholungsplatz für die Großstadtgeistlichen. Außer Hochw. Herr Pfr.  Müller und Herr Pfr.Hennig Berlin, verbrachte auch Seine Excellenz Hochw. Herr Weihbischof Tkotsch im August drei Wochen Ferien im St. Ottoheim.

Am 11. Juli starb nach langer Krankheit(Tbc) unser Haushälter, Herr Buss und wurde unter zahlreicher Anteilnahme der Ottoheim – Insassen beerdigt.

Am 29. September fand wiederum eine Trauung in der Hauskapelle statt. Das Brautpaar, beiderseits kath. , Frl. Elisabeth Grunert und Herr Johannes Steiner, beide heimatvertriebene Schlesier. ( jetzt wohnhaft in Heidmühle in Oldenburg) Anschließend feierten auch die Eltern Steiner das Fest der Silberhochzeit. Herr Joh. Steiner sowie seine Tochter Helene hatten die erste Zeit nach der Umwälzung Arbeit und Brot im Heim gefunden. Aus gegenseitiger Dank- barkeit und Heimatverbundenheit  spendete Frau Oberin Fabiola Schubert den Brautleuten das Frühstück.

Im Oktober / November gab Hochw. Pater Manthey CSSR Berlin zwei Exerzitienkurse für Schwestern und anschließend einen Einkehrtag für die im Hause tätigen jungen Mädchen. Am 27. Oktober konnte Hochw. H. Prälat Adamus, einst Swinemünde, nach der Rückkehr aus der Haft in Heringsdorf seinen 60. Geburtstag in der Gesellschaft von Hochw. H. Prälat Noleneika, H. Pfr. Plonka sowie H. Pfr. Schindler begehen.


1950  

Bald zu Beginn des neuen Jahres, am 18. Januar fand in der St. Ottoheim Kapelle die Feierliche Trauung von Frl. Juliane Hegedüsch (kath.) und Herrn Günther Wodrich (ev.) Aus Zinnowitz statt.

Der Monat März brachte der Schwestern – Niederlassung in Zinnowitz, Waldstr. 11 einen Schweren Schlag durch den unerwarteten Tod der Schwester Oberin Raphaela Feike.Am 08. März erlag sie einem Schlaganfall und wurde in der Morgenfrühe Tod in ihrem Bett aufgefunden., so dass Hochw. H. Pfr. Plonka ihr nur noch bedingungsweise die hlg. Sterbe-sakramente spenden konnte.
Sie war 1916 beim Einzug der Schwestern ins St. Ottoheim, seinerzeit die erste Oberin des noch kleinen Konventes daselbst.

Von einem weiteren Todesfall wurde am 27. März die Schwesternschar von Zinnowitz heimgesucht, als Schwester M. Longina Sauer auf der zum St. Ottoheim gehörenden Landwirtschaft in den Vormittagsstunden ebenfalls einen unerwarteten Schlaganfall erlitt und am Abend des selben Tages, nach Spendung der hl. Ölung durch Hochw. H. Pfr. Schindler, ruhig und ergeben verschied. Still, bescheiden und demütig dienend war ihr arbeitsreiches Tagewerk auf der Landwirtschaft und ebenso still und unauffällig war ihr Heimgang zu Gott.

Im März fand ein Erholungskind namens Hella Henstenberg aus Berlin nach vorangegangenem Unterricht den Weg zur kath. Kirche. Sie wurde nach Ablegung des Glaubensbekenntnisses im Beisein von Schw. Oberin M. Fabiola und Schw. M. Gisela bedingungsweise getauft und empfing nach ihrer ersten hl. Beicht am 25. März in der Hauskapelle die erste hl. Kommunion.

Inzwischen war die Hochsaison herangekommen, alle Zimmer bis zum letzten Platz gefüllt, gab es doch immer noch die Schäden der Nachkriegszeit auszugleichen. Zauberkünstler „Alfini“ der sich auf Reisen durch die Küstenbäder befand, gab am  13. Juni Kindern und Schwestern eine sehr pompöse und hochinteressante Vorstellung im großen Saal des Mädchenheimes.

Eine weitere Freude konnte das St. Ottoheim am 16. Juli , wiederum einem Marienfest, verzeichnen, als das Erholungskind Ernst Grobott, geb. 21.06.1938 aus Gützkow getauft wurde.

Im Juni und Juli weilte auch Hocherw. Muttter M. Clothilde Mende, jetzt als „liebe Mutter“ für einige Wochen in Zinnowitz und feierte daselbst am 25. Juli ihren 80. Geburtstag, der für das ganze Heim ein wahrer Freudentag wurde. Unter den erschienenden Gästen befanden sich  die amtierende Generaloberin Hocherw. Mutter M. Roswitha, Schw. Vikarin M. Cäciliana, Schw. Assistentin M. Medarda, Schw. Oberin M. Bonosia und mehrere Andere aus Berlin. trotz ihren hohen Alters erfreute sich ehrw. Mutter Clothilde  großer Beliebtheit, besaß sie doch reichlich die den Kindern eignende Tugenden: wie Bescheidenheit, Demut, Geradheit und ein stets frohes, in Gott tief verankertes Herz voll Güte.

Am 15. August konnten zwei Schwestern und zwar : Schwester M. Daria und Schwester M.
Innocentia auf 25 Jahre treuen Ordenlebens zurück blicken und das silberne Jubiläum feiern.
Ein feierliches Dank – Hochamt und kleine Darbietungen der Kinder verschönten das Familienfest.
Im September wurde Hochw. H. Pfr. Schindler vom Ordinariat in Berlin auf Ersuchen des Mutterhauses nach Schöneiche bei Berlin versetzt. In ihm verabschiedet sich ein tief- innerlicher stets betender Priester für immer, denn nach kurzem Wirken im St. Konrad – Kinderheim ging der ost- und heimatvertriebene Priester in die ewige Heimat zu Gott. An seine Stelle trat der ebenfalls aus Schlesien kommende und infolge der Strapazen kränkelnde Hochw. H. Pfrarrer Bernhard Hellmann der sich in der Atmosphäre von Berlin – Lankwitz wieder für die Übernahme einer priesterlichen Tätigkeit erholt und gestärkt hatte. Zum 01.10. hielt er hier seinen Einzug.

Der 08.12. 1950 war für die ganze Christenheit ein besonders denkwürdiger Feiertag: brachte
er uns doch die feierliche Verkündigung des Dogmas von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel. Der Freude darüber auf eigene Weise Ausdruck gebend ging der ganze Konvent bei herrlich strahlendem Sonnenschein durch den schweigenden Wald beten und singend zum Strand und gab im Magnifikat der Freude lauten Ausdruck. Abends vereinigten wir uns mit der Christenheit des Erdkreises und dem Hl. Vater, Papst Pius XII. am Rundfunk, den Rosenkranz betend.

Und noch ein Opfer sollte am Jahresschluss gebracht werden, Gott forderte am 30.12. das Lebensopfer  der seit einem Jahr schwer Herzkranken Schwester M. Itha Geburk.

Große Sorgen und Gewitterwolken hatten sich von März bis September immer wieder von staatlicher Seite zusammengeballt und das Fortbestehen des Heimes schlechthin bedroht. Besichtigungen durch die Herren Caritasdirektor Meissner, Berlin und Raising Schwerin, Beratungen und Verhandlungen mit Hochw. H.Kurator Dr. Wuttke, Hochw. H. Caritasdirektor Füssel und Schwester Vikarin M. Cäciliana wollten kein Ende nehmen und brachten viel Unruhe. Bereits war mit dem H. Staatssekretär Peschke, Berlin, über ein Austauschheim für Schwestern und Kinder verhandelt und dasselbe besichtigt worden, ja sogar der Termin für den Umzug auf den Oktober verlegt worden, als unerwartet und wunderbar Rettung von oben kam und Gottes Güte das vertrauensvolle Gebet der Seinen erhörte. Das zu klein gewordene Krankenhaus suchte ein nahe gelegenes und zweckmäßiges Ausweich- und Infektionskrankenhaus, und glaubte dies in St. Ottoheim gefunden zu haben. Gott fügte es, das dann doch das Lieselotte – Hermann – Heim der Firma Siemens, Berlin mit seinen vielen kleineren Räumen gewählt wurde und das St. Ottoheim den Marienschwestern und damit der Kirche als Kinderheim erhalten blieb.


1951

Die erste sechswöchige Kur dieses Jahres für erholungsbedürftige Kinder begann am 04. Januar mit einer Belegungsstärke von 50 Kindern durch den CV – Berlin und 55 Kindern durch den CV – Greifswald.

Die Aufregungen und Überanstrengungen der Nachkriegszeit machte sich nun immer mehr bei den einzelnen Schwestern bemerkbar. Schwester M. Dolores musste wegen Herz- und Nervenstörungen bis Mai ins Krankenhaus nach Berlin- Lankwitz; Schw.M. Aleydes musste wegen schwerem Rheuma ins Krankenhaus nach Berlin- Friedrichshagen. Auch Schwester M. Zacharia musste für längere Zeit ärztliche Hilfe für ihr Herzleiden beanspruchen um den Anforderungen der Saison standhalten zu können.

In diesen körperlichen Leiden und Bedrängnissen erhielten die Schwestern immer wieder Mut,  Ansporn und Freude durch die Monatsvorträge eines Hochw. H. Pater Drost SJ aus Rostock, der sich intensiv um jede Seele mühte und den Schwestern von 1951 bis 1955 als außerordentlicher Beichtvater und Exerzitienmeister helfend zur Seite stand.

Juni, Juli und August fanden sich außerdem früher genannte Berliner Geistliche auch solche aus der Breslauer Rest- Diözese ein, wie Hochw. Rat Hauser, Erzpriester Buchali und Erz-Priester Langer. Auch Hochw. Kanonikus Dr. Pelz erfreute Zinnowitz mit seiner Anwesenheit
Ebenso wie der Reichstagsabgeordneter Hochw. H. Prälat Ulitzka.

Am 01.11. dem Fest Allerheiligen, ereilte und erschreckte die Nachricht vom bevorstehenden
Tode des Ortspfarrers Hochw. H. Vinzens Plonka gegen Abend die Schwesternschar. Er hatte um 17.00 Uhr in Koserow Gottesdienst gehalten und erlitt auf dem Bahnhof Zinnowitz bei der Rückkehr auf dem Bahnsteig einen Schlaganfall. Im Krankenhaus Koserow spendete ihm H. Kaplan Hellmann die Sterbesakramente. Bald darauf verlor er das Bewusstsein, brachte noch einige Leidenstage zu und entschlief am 07.11., morgens 4.00 Uhr.
die Leiche wurde am selben Abend in Ottoheim überführt und in einem leer stehenden Zimmer des Fichtenheimes aufgebart. Am 12.11. fand die Beerdigung auf dem Zinnowitzer Friedhof statt. Unter großer Beteiligung von Priestern, Ordensleuten und Gläubigen denen er in seinem Wirken Helfer und Führer war. Eine besondere Ehre wurde ihm zuteil durch die Anwesenheit des Hocherw. H. Bischof Weskamm aus Berlin. Der ganze Himmel schien Anteil zunehmen, denn es goss in Strömen und die hohe Geistlichkeit sah sich genötigt im Heim erst die Gewänder für die Rückfahrt zu trocknen.


1952

Bereits im vergangenen Jahre wurde das St. Ottoheim durch Besichtigungen : Referat Jugend-
Erziehung und Jugendhilfe verschiedentlich überrascht.
Am 04. Januar nahmen Schwester Oberin M. Fabiola und Schwester M. Gisela an einer Tagung in Schwerin teil, hatten wir doch von dort einen Durchgang von 30 – 40 Tbc – gefährdeten Kindern. Es ging darum Heime zu finden bzw. in Sanatorien zu wandeln, um noch mehr der Tuberkulose entgegen zu arbeiten. Unser Heim blieb: Kinderheim mit ärztlicher Zielsetzung.

Am 01. Februar zog das Mutterhaus die noch in Zinnowitz, Waldstrasse 11 im Haus der Gemeinde arbeitenden drei alten Schwestern, Schw. M. Monika Winkler, Schw. M. Adalberta
Czech und Schw. M. Philomena May zurück und gab ihnen ein Ruheplätzchen im St. Ottoheim. Hier feierte Schw. M. Philomena am 08. Mai ihr goldenes Ordensjubiläum.

Bald darauf erkrankte aufs Neue schwer in der Küche arbeitende Schwester M. Aleydes und musste ärztliche Behandlung im Krankenhaus Koserow und Greifswald in Anspruch nehmen. Ihrem schweren Gelenkrheumatismus und der fortgeschrittenen Arthrose jedoch konnte wenig geholfen werden und so wurde sie nach zwei Monaten als „ nicht geheilt“ entlassen.
Noch mehr Sorge machte uns der Zustand der in der Waschküche beschäftigten Schwester M.
Liberia. Eine 14 tägige Strophantinkur brachte ihrem Herzen nur wenig Besserung und so musste sie zur weiteren Behandlung nach Berlin – Friedrichshagen, wo sie zweimal eine Gehirnembolie durchmachte und nach längerem Aufenthalt als arbeitsunfähig zurück entlassen wurde.
Seit ihrem ersten Besuch in Zinnowitz beschäftigt sich Hocherw. Mutter Roswitha mit der Renovation der Kapelle. Im September endlich gelangte der Plan zur Ausführung. Das Mittelfenster im Presbyterium wurde zugemauert, und so eine Wand geschaffen für die Dar-stellung des „Göttlichen Kinderfreundes“ durch den Grafiker Herrn Ell , Schöneiche. Die Firma Leiss, Berlin- Friedrichshagen erhielt den Auftrag zur Schaffung eines neuen Altares.  Den Stein lieferte eine  sächsische Firma aus Löbau; er ist finnischer Labrador, ein Muschel-Kalkstein der Ostseeküste in grau – schwarz Tönung. Die Altarplatte allein wiegt 15 Zentner und er gesamte Altar 2,5 Tonnen. Als Monogramm trägt die Front das Tatzenkreuz, das Symbol des Deutschen Katholikentages der im selben Jahre in der Reichshauptstadt Berlin stattfand. Den Altarstein hat noch Hochw. H. Car. Graf von Preising geweiht und er enthält die Reliquien des hl. Gaudentius und Prospera. Der neue Panzertabernakel ist bereits bei der Kirchengoldschmiedfirma Adolf, früher Breslau, jetzt Burg bei Magdeburg bestellt. Am Fest Maria Opferung, am 21. November konnte das erste hl. Messopfer auf dem neuen Altar gefeiert werden.

Große Freude brachte uns der Adventsbrief aus dem Mutterhaus mit der Nachricht das unsere
Kongregation den Augustiner Eremiten angeschlossen sei und wir somit Anteil an allen Ablässen dieses altehrwürdigen Ordens haben. Bereits am ersten Adventsonntag wurde der Kommunität durch Hochw. H. Kpl. Hellmann die Generalabsolution erstmalig erteilt.

Im gleichen Jahre erschienen im Verlag Herder Freiburg, neue Gesang- und Gebetbücher der Diözese Berlin; wegen Papiermangel und Druckerlaubnis vorerst nur spärlich. Unserem Verlangen nach diesem kostbaren Besitz, kam der CV – Berlin durch den seinerseits stellvertretenden Caritasdirektor Herrn Bernhard Machnik entgegen indem er uns 150 Stück als Weihnachtsgeschenk überließ.

Am 21.12. fuhren die Kinder voll Freude restlos nach Hause und auch die Angestellten verließen das Heim für einen kurzen Urlaubsaufenthalt daheim.

Am 23.12. rollte unversehens noch ein Caritasauto, ein LKW mit einer Lebensmittelspende an. Es war schon Nachmittag und der unkundige Fahrer wollte den Wagen vor der Einfahrt zum Heim schon für die sofortige Rückfahrt drehen, fuhr dabei in dem Sand die Maschine derart fest, dass eine Weiterfahrt erst nach vierstündiger Arbeit mit Winde und Pferden möglich war. Hierbei erwies sich besonders hilfsbereit Herr Gustav Wolf Zinnowitz. Stets war er den Schwestern gewogen und für alle Freundlichkeit und Hilfe sei ihm an dieser Stelle aufrichtiger Dank gesagt.


1953

Das Jahr brachte einschneidende Neuerungen. Die sechsjährige Amtszeit der ehrwürdigen Schwester Oberin M. Fabiloa ging zu Ende.

Am 02. Februar Kam Hochw. H. Weihbischof Tkotsch  Berlin , für 14 Tage zur Erholung. Freudig wurde Excellenz vor der Kapelle vom Hausgeistlichen H. Kpl. Hellmann, den Schwestern und allen Kindern mit Lied und Gedicht begrüßt. Es war herrlich klares Wetter in diesen kalten und schneereichen Tagen. Excellenz hatte auch den Visitationsauftrag für die an der Küste gelegenen und zur Diözese Berlin gehörenden Häuser. So fand denn vom 10. –13.02. die vorgesehene  kirchliche Visitation der Räume und Schwestern statt.

Während der Fastenzeit war weiter an der Ausstattung der Kapelle gearbeitet worden und von Hausmeister Herrn Karl Beinl zwei neue Seitenaltäre von Holz verfertigt worden.
Am Gründonnerstag, am 02.04. brachte der Bildhauer von Berlin- Lichtenberg Herr Georg Tyllak eine aus Eichenholz geschnitzte St. Otto Figur ( etwa 1,20 –1,50 m )Eine ähnliche Marienfigur für den Muttergottesaltar befand sich von ihm in Arbeit.

Ostern hatten wir diesmal zur allseitigen Freude keine Kinder. Die Kur hatte in der Karwoche
geendet und der neue Transport reiste erst am 08.04. an. Erstmalig war in diesem Jahr die hl. Osterliturgie auf Mitternacht verlegt und die Feuerweihe fand in dieser dunklen sternklaren Nacht vor dem Treppenaufgang der Kapelle statt, um mit seinem Siegeszug Gotteshaus und Menschenherzen zu erhellen und mit der Freude der Auferstehung zu erfüllen.

Am 19.04. konnte Schwester M. Monika Winkler ihr diamantenes Ordensjubiläum begehen, was ein Festtag für die ganze Hausgemeinschaft wurde. Hochw. H. Prälat Adamus mit der die
Jubelbraut vor Ausbruch der Krieges bereits in Swinemünde jahrelang zusammen gearbeitet hatte, hielt die Festpredigt und das Levitenamt unter Assistens von Pfr. Thieda , Wolgast, Herrn Kuratus Henzel, Zinnowitz und H. Kpl. Hellmann. Die Jubilarin hatte von den 60 Ordensjahren 31 Jahre in Pommern zugebracht, in Wolgast – Swinemünde – Zinnowitz.
Am 12. Mai wurde Schwester Oberin Fabiola ins Mutterhaus berufen, um nach einer Herzbehandlung daselbst und nach einer stärkenden Kur in Bad Liebenstein / Thüringen ein neues Amt in Schöneiche zu übernehmen.

Ihre Nachfolgerin wurde am 22. Mai Schwester M. Giesela Brieske. Von Schwester Vikarin Cäciliana eingeführt übernahm sie schweren Herzens das Amt der Oberin. Es war eine Zeit der Krise im Staatsleben, und diese machte vor den Mauern der Ordenshäuser keinen Halt. Es war die Zeit der Enteignungs – Aktion !

Bereits im März 1953 hatte das Gesundheitsamt Schwerin unter dem 16.03. uns schriftlich mitgeteilt, das von einer weiteren Belegung unseres Hauses mit Tbc gefährdeten Kindern zum 01.04. Abstand genommen wird. Die Rechnungen ab 08.01. , also für zwei volle Kuren sind bis heute nicht beglichen worden.
Diese Krise erreichte im Juni seinen Höchepunkt. Es ging grundlegend um den Fortbestand dieses katholischen Heimes, waren doch anderer Orts Schwesternhäuser bereits aus nicht sagenden Begründungen geschlossen worden: z.B. Stralsund und Bad Saarow und Müritz. Fast täglich waren Leute der Kreispolizei im Haus.
während im Büro Telefongespräche mit Kreis und Bezirk , mit CV Berlin und derartigen Stellen sich überstürzten und Verhandlungen sich in die Länge zogen, bestürmten Kinder und Schwestern den Heiland im Tabernakel. Und ER siegte! Am gleichen Tag als uns der Räumungsbefehl zuging, sausten Autobusse mit 100 Kindern von Berlin nach Zinnowitz. In Wolgast musste die Überfahrt zur Insel nochmals heiß durchkämpft werden, was endlich auch Herrn B. Machnik, CV Berlin, für immer gelang.

Wie alles mit Opfern bezahlt werden muss, so ist wohl dieser Sieg über die bereits im Walde versteckt lagernde und auf den angreifenden Befehl wartende Polizei damals mit dem stillen Opfer von Schwester M. Liberia errungen worden . Am 03. 07. dem Patronatsfest des Ottoheimes schloss sie die Augen für immer durch einen friedlichen Tod. Wohlversehen mit den Sakramenten und umgeben von den betenden Mitschwestern.

Am 20. Oktober, auf der Durchfahrt einer Firmreise besuchte Excellenz Bischof Weskamm das St. Ottoheim erstmalig. In seiner Leutseligkeit unterhielt er sich mit allen Hausbewohnern und verteilte eine große Tüte Bonbon an die Kinder, die ihm in ungeschminkter Art viel Freude machten.

Im November reinigten die hl. Exerzitien von Hochw. Pater Drost SJ gehalten, die Schwesternherzen und bereiteten sie vor für das hl. Christfest.


1954

Dieses Jahr war von Rom z u einem  „Marianischen Jahr „ erklärt worden. Von Rom erging an jedes Mutterhaus und überdies an jede Filiale  die Aufgabe : durch irgend ein frommes Werk das Jahr zur Ehre Mariens auszuzeichnen.

Als wir noch um den Christbaum zusammensaßen, wurde der Plan eines Grottenbaues erwogen und begeistert einmütig  beschlossen.
Am 08. Januar, gleichzeitig dem 70. Geburtstag von Schwester M. Damasa, wurde feierlich der Grundstein gelegt, in Anwesenheit aller Schwestern, Kinder und Hausangestellten. Eine Ansprache des Hausgeistlichen Hochw. Kpl. Hellmann forderte alle auf zur eifrigem und vertrauensvollem Gebet in den schweren Anliegen der Kirche und des bedrohten Weltfriedens. Drei Hammerschläge durch den ebenfalls anwesenden Hochw. H. Prälat Adamus, Heringsdorf, anerkannten und besiegelten die Urkunde und deckten den Grundstein darüber. Verpflichtend war, je nach der Größe der „Sammelsteine“ den Rosenkranz bzw. das Ave Maria zu beten. Freudig wurde diese Pflicht aufgenommen und so begann ein eifriges Steine suchen von Kindern, Schwestern und allen Hausinsassen, bis am  15. Juni die vom Hausmeister Herrn Karl Beinl  und den älteren fleißigen Helfern Herrn Heinrich Kamitz fertig gestellt werden konnte. Nach dem Hochamt bewegte sich ein langer Zug zur Grotte. Sechs weiß gekleideten Mädchen auf einer festlich geschmückten Trage die Statur der Unbefleckten Empfangenen Gottesmutter tragend hin zur Grotte, wo Hochw. Kpl. Hellmann die Weihe vornahm und eine Ansprache hielt . Nach dem beten der Lauretanischen Litanai und nach dem Lied : Maria breit den Mantel aus, war die schlichte und doch erhebende Feier beendet.

Am 03. Juni durfte Schwester Maria Rudolfa Kremser auf  50 Jahre Ordensleben zurück schauen. Weil sie bereits kränkelte, wurde von einer weiten Fahrt bis nach Berlin abgesehen. Um so festlicher gestaltete sich die Feier in der Kapelle des Ottoheimes und im Konvent. Sogar die Kinder erfreuten die für sie auf der Landwirtschaft abgearbeitete Schwester durch Spiele, Lieder und Gedichte und durch viel dargereichte Blumen.

Im Juni veranstaltete Schwester Oberin Gisela ein großes Kinderfest mit verschiedenen Belustigungen, mit festlich geschmückter Kaffeetafel im Freien, Eisbude, Würfelbude und Tombola. Abends war für die Kleinen ein Fackelzug und für die Großen Johannisfeuer am Strand.

Im Juli erkrankte plötzlich und schwer unsere gute Schwester Zosima und musste nach Wolgast ins Krankenhaus gebracht werden, wo sie sofort am Blinddarm operiert werden musste.

Im August stolperte Schwester M. Elvira auf dem Heimweg vom Strand über eine Wurzel zog sich einen komplizierten Knöchelbruch zu und musste ins Krankenhaus nach Berlin – Friedrichshagen mit dem Auto gebracht werden.

Im Oktober erfreute sich Schwester M. Hilda des Silberjubiläums, das nach einer schönen Feier im Mutterhaus Berlin – Lankwitz noch seine Nachfeier im Zinnowitzer Schwesternkreis fand.

Am 01. November wurde in Bergen die kleine Filiale aufgelöst und die beiden Schwestern,
Schwester M. Reinfrieda und Schwester M. Natalia wurden dem Ottoheim zugeteilt.

Im Dezember konnte die Kongregation auf das 100 jährige Bestehen zurückblicken und in großer Dankbarkeit das Titularfest am 08.12. begehen. Angesichts der damals schwer erkrankten Generaloberin Mutter M. Roswitha und mit Rücksicht auf die in Polen armselig lebenden und in vieler Hinsicht bedrängten Schwestern ( Internierung in Otorowo ) wurde von aller weltlicher Feier abgesehen und nur still, bescheiden und tief innerlich im Schwesternkreis jeder Filiale gefeiert.
Hatten wir doch in den Exerzitientagen durch Hochw. Pater Drost SJ  mit dem Motto: „Zeige dich als unsere Mutter“, die beste Vorbereitung. Beim festlichen Hochamt zeigte die Predigt das vielseitige, oft unbedachte und doch segensbringende Wirken der Schwestern in den ver-flossenen 100 Jahren. Im geschmückten Refektorium erfreuten sich beim Frühstück alle eines Rundbriefes aus dem Mutterhaus.

In verflossenen Jahr hat das Heim eine neue Brotmaschine mit elektrischem Antrieb als Geschenk der ehrw. Mutter Roswitha erhalten. Darüber herrschte besonders bei Schwester Dolores große Freude, denn sie war in der Brotstube tätig.

Dieses Heilsjahr fand seinen feierlichen Abschluss durch eine Sühne- und Dankanbetungsstunde vor dem Allerheiligsten ,dem Chorgebet der Matutin und dem Te Deum .


1955

Heute am Dreikönigsfest nahm Hochw. Herr Kpl. Hellmann die Weihe der Zimmer des gesamten Hauses einschließlich der landwirtschaftlichen Räume vor und wurde dabei von singenden Kindern und Schwestern begleitet.
Für dieses Jahr war die Renovation der Kinderräume vorgesehen und so begegnete man im Haupthaus auf Schritt und Tritt den Farbtöpfen  und Handwerkern, insbesondere Herrn Malermeister Reuter, Zinnowitz. Die Küche und die Nebenräume erhielten einen neuen weißen Anstrich und die Wände des großen Vorratsraumes wurden gekachelt. Die gesamten Fenster des Ottoheimes erhielten neuen Außenanstrich.

Das Haus selbst war gefüllt mit lauter Vorschulpflichtigen Kindern, teils Kindergärten mit Helfern aus der gesamten DDR. Ger Laetare Sonntag, an dem nach schlesischer Sitte von den Kindern mit geschmückten Zweigen der Frühling eingesungen wurde, brachte Hochw. Herrn Kpl. Hellman vom Ordinariat den Ehrentitel eines Pfarrers.

Im Monat Mai konnten Schwester M. Mirella und Schwester M. Heliana  das 25 jährige Ordensjubiläum feiern. Obgleich der eigentliche Tag im Mutterhaus begangen wurde, wollte der Zinnowitzer Konvent auf eine Nachfeier nicht verzichten, die sich bei diesen verdienten Schwestern auch sehr schön gestaltete, besonders das festliche Amt in der Kapelle und das Weihespiel „Virgo Christi“ am Nachmittag, das von den Angestellten des Hauses vorgetragen wurde.

Kurz vor dem Fronleichnamsfest, am 08.06. rief Gottes unerforschlicher Ratschluss unsere liebe Schwester M. Kunigunde Hiller ganz wohl vorbereitet und mit den hl. Sakramenten versehen zu sich in die Ewigkeit. Jahrelang hatte sie mit großer Geduld und fas ununterbrochenem Gebet ein Beinleiden ertragen. Eine große Herzschwäche war die Todesursache, an einem äußerst heißem Junitag.

Im Juli erhielt die Küche ein weiteres Geschenk aus dem Berliner Mutterhaus durch den neuenelektrischen Kühlmotor.
Ein groß aufgezogenes Kinderfest erfreute Groß und Klein an dem jeder zu seinem Rechte kam. Ein Lagerfeuer am Strand mit Ansprache des zur Erholung weilenden Hochw. H. Pfarrer
Walter Muttke und Lieder singen mit Schifferklavier und Lautenspiel der vier Theologen aus Erfurt lockten sogar Badegäste und Strandbummler in katholische Atmosphäre.

Im August erkrankte plötzlich und schwer unsere gute alte Schwester M. Adalberta. Arzt und Krankenschwester fürchteten für ihr Leben und sie selbst verlangte nach Spendung der hl. Ölung, die ihr verhältnismäßig rasch auch die volle Genesung brachte.

Am 01.Oktober wurde in unserem Haus die Aspirantur für den kirchlichen Dienst eingeführt. Nachdem die Räume im sogenannten Wirtschaftsgebäude durch Handwerker und Facharbeiter wochenlang hergerichtet waren, konnte Schw. M. Alma Neumann eine vom Staat zugebilligte Scharr von 15 jungen Mädchen für eine zweijährige hauswirtschaftliche Ausbildung übernehmen.
Mitte Oktober hatten wir die Freude für einige Tage erneut Excellenz Weihbischof Tkotsch, der sich auf Firmreisen durch Pommern befand, begrüßen zu dürfen. Für mehrer Aspirantinnen war es eine erste Begegnung mit einem Kirchenfürst.

Inzwischen war Hochw. H. Pater Drost von seinen Ordensobern nach Weimar berufen worden und so hielt uns Anfang November die fälligen Jahresexerzitien Hochw. Herr Pater Arthur Riedel SJ, Rostock, mit dem Leitwort: Ecce Ancilla Dommini .

Viel Spaß erlebten wir am Nikolaustag, denn dieser große hl. Wohltäter wurde von Pater Riedels Mitbruder, Hochw. H. Pater Scholz vertreten, der es äußerst gut verstand, Kindern wie Aspirantinnen zu belehren und zu erfreuen.

Gegen Jahresende traf auch der lang vorher bestellte Lattenzaun aus einer Firma in Potsdam ein und 300 Meter konnte n im alten Jahr noch von Herrn Karl Beinl und Herrn H. Kamitz aufgestellt werden, um das große Grundstück einigermaßen abzugrenzen.


1956

Gleich zu Beginn des Jahres erfreuten uns mit seinem Kommen Hochw. H. Erzpriester A. Brinkmann und Schwester zu einem 14 tägigem Winterurlaub.
Bald danach am 11. Januar trafen auch die Kleinkinder sämtlicher Caritas Verbände der DDR ein.

Im Februar ereilte uns unerwartet die Nachricht vom Tode des hocherw. H. Prälaten Adamus aus Heringsdorf. Lange Jahre hindurch war er außergewöhnlicher Beichtvater der Schwestern gewesen. Eine Lungenentzündung hatte seinem ohnehin durch vier Lebensjahre im KZ Dachau geschwächten Körper ein rasches Ende gesetzt .

Im Frühjahr war mit einer vollständigen Änderung und Renovierung des Fichtenheimes, als dem ehemaligen „Kaffeehäuschen“ für Urlauber begonnen worden und das Restaurant ähnliche Gebäude in drei kleine Zimmer, 1 Schlafsaal, 1 Speisesaal, sowie Waschraum und dergleichen umgewandelt, und entsprechende Wände mit Kacheln und Fliesen ausgelegt. Im Juni konnten die Kinder einziehen.

In der diesjährigen Osternacht hatten wir, und besonders die anwesenden größeren Kurkinder die Freude, der Taufe eines kleinen Kindes aus der Gemeinde beizuwohnen. Die diesjährige Fronleichnamsfeier auf dem St. Ottoheim Gelände war bei strahlendem Sonnenschein von zahlreichen Kindern, Gemeindemitgliedern und Kurgästen, mehr denn je besucht.

Am 03.07., dem Fest des hl. Otto von Bamberg wurde das übliche Kinderfest gefeiert. Schwestern und Aspirantinnen sangen vom Chor eine lateinische Messe: „Maria Regina“ und ein neunjähriger musikbegabter Knabe des Berliner Hedwigschores als Solist drei lateinische Anrufungen zu Ehren des hl. Bischofs Otto.

Ende August, noch im Betreib der Hochsaison, erhielt Schwester Mirella eine Versetzung nach Zeitz. Schwester Oberin M. Lutberga musste nach Ablauf ihrer dortigen Amtszeit den Büroposten in Zinnowitz übernehmen.

Am 22. November, kurz nach den hl. Exerzitien holte der liebe Gott seine Dienerin Schwester M. Philomena Mai im Alter von 74 Jahren zu sich. Sie war eine der zwei ersten Schwestern die 1916 das St. Ottoheim bezogen. Von ihren 54 Ordenjahren hatte sie in großer Liebe, stillem Dienst und harter Arbeit 40 Jahre in der Diaspora zugebracht. Durch einen Schlaganfall der Sprache und Bewegung beraubt, ging sie ebenso unbemerkt und ruhig, wie stets im Leben, nach zwei Tagen ins bessere Jenseits zu ihrem Himmlischen Bräutigam. Die Geistlichkeit von Wolgast und Zinnowitz hielt das Requiem und bettete sie neben ihre Mitschwestern auf dem Zinnowitzer Friedhof.

Am 3. Adventsonntag erfreuten die Aspirantinnen im weihnachtlich hergerichteten Fichenheim Schwestern und Kinder und Gläubige der Gemeinde durch ein Weihnachtsfestspiel. In den Räumen der Aspirantur konnten anschließend die im laufe des Jahres gearbeiteten Handfertigkeiten der jungen Mädchen, die von Fleiß und Mühe, von Geschick und Schönheit zeugten, besichtigt werden. Für die Kurkinder und für die Aspirantinnen war gleichzeitig eine Eibescherung verbunden, denn nur wenige Tage trennten sie noch von der Heimfahrt zum Christfest im Kreise ihrer Familien.


1957 

Schon im 2. Halbjahr 1956  erging an den Grafiker und Bildhauer Herrn Brückner/Füllrott in Weißenfels /Sa. der Auftrag ein Altarbild in Grafitoarbeit zu entwerfen. Im Januar erhielt Schwester Oberin Gisela die Nachricht zur Besichtigung einiger Vorlagen in seinem Weißenfelser Atelier und fuhr am 15. Januar mit Herrn Machnik aus Schöneiche und Schwester M. Isolde dorthin.

Am 25. März waren alle vorbereitenden Arbeiten soweit erledig, das Herr Brückner und Frau Gemahlin als Helferin, beginnen konnte. Gleizeitig waren Herr Malermeister Reuter, Zinnowitz und Herr Maurermeister Wodrich aus Trassenheide in der Kapelle an der Arbeit. Da Herr Wodrich jedoch nicht entsprechend Mörtel besorgt hatte und allgemein saumselig in der Arbeit war, half uns Herr Fleischermeister Schulz Zinnowitz mit einer bei ihm arbeitenden Heringsdorfer Firma aus.
Gottesdienst war während der Renovierung im großen Saal des Mädchenheimes. Bereits am Palmsonntag war die viele Kleinarbeit soweit fertiggestellt, dass nach der Palmweihe, die laut neuerer kirchlicher Vorschriften an einem anderen geeigneten Ort stattfinden soll, der tägliche Gottesdienst wieder in der Kapelle stattfinden konnte. Manche Änderung hatte sie erfahren: Die innere Chortreppe war verschwunden, das Sängerchor verkleinert, Lichtleitung unter Putz gelegt und neue Beleuchtungskörper erhalten. Nur Fenster und Bänke waren geblieben, aber schon war auch hierfür eine Neubearbeitung in Auftrag gegeben.

Bereits im Februar waren Schwester Benvenuta und Schwester Hilda nach Bad Liebenstein zu einer herzstärkenden Kur gefahren.
Am 01.April fuhren ebenfalls Schwester Reinfrieda und Schwester Gerburga dorthin.

Im April, am Weißensonntag wurden durch Herrn Pfarrer Kartacyinski einige Kinder der Gemeinde zur Erstkommunion geführt.
Am 27. April erlebte das St. Ottoheim den hohen Besuch des großen Bischofs und Kardinals Emminenz Julius Döpfner, der sich auf einer kurzen Visitationsreise durch die pommersche Diaspora befand. Im großen Saal wurde er von Kindern und Schwestern feierlich begrüßt. Er verteilte eine große süße Tüte und machte einen kurzen Spaziergang zum Strand hinunter.

Ende Mai erhielt Schwester Innocentia Versetzung nach Berlin Friedrichshagen, um in Berlin eine bessere Zahn- und Kiefernbehandlung nachgehen zu können. An ihre Stelle trat Schwester M. Lioba.
Eine Woche später, am 01. Juni erhielt auch Hochw. H. Pfr. Hellmann vom Ordinariat Versetzung als Pfarrer von Viereck bei Pasewalk. Vertretungsweise wurde uns der Neupriester Herr Kaplan Hubertus Kühn zugesagt.

Im Mai muss noch erwähnt werden die Feier des Diamantenen Jubiläums unserer Schwester M. Adalberta .Zu diesem seltenen Fest fuhr sie in Begleitung der unzertrennlichen Schwester M. Monika mit einem vom CV Berlin gestellten Auto ins Mutterhaus nach Berlin Lankwitz, wo beide in den alten Tagen noch viel Freude erlebten und an den Exerzitien teilnahmen. Eine Nachfeier fand dieses Fest selbstverständlich noch im Zinnowitz Konvent.

Am 30. August, dem Fest unserer Schutzheiligen, Rosa von Lima, konnten Schwester Oberin Gisela und Schwester Maxentia auf 25 Jahre Ordensleben zurückschauen. Nachdem beide vom Aufenthalt in Berlin  zurückgekehrt waren, erfreuten sich alle im Ottoheim dieses Familienfestes und wir hatten noch die Freude, von Hochw. Herrn Neupriester Kalinowski den Primizsegen zu empfangen. Auch Schwester Provinzialoberin M. Gertrudis war zugegen.

Im September weilten erstmalig 40 Studenten aus Halle mit ihrem Herrn Pfarrer Brockhoff in Zinnowitz, meist zeltend, teilweise im Heim in den bereits freien Räumen. In ihrem bescheidenen und hilfsbereiten, stets gut gelaunten Auftreten sind sie uns seitdem jedes Jahr lieber geworden.

Im Oktober wurde von Hochw. Franziskanerpater Vincentius, Guardian in Berlin Pankow, der neu gemalte Kreuzweg von Brückner, Weißenfels, geweiht. Herr Pater sprach dabei über die Entstehung des Kreuzweges und seine Bedeutung und betete dann denselben mit allen   Beteiligten.

Im November hielt Hochw. Pater A. Riedel SJ den Schwestern und anschließend auch den Hausangestellten Exerzitientage und weihte bei diesem Anlass auch die im Laufe des Sommers eingetroffene neue Statur der Muttergottes von Banneux – Notre – Dame, die Jungfrau der Armen. Oft beten wir seitdem vor dem schön geschmückten Bild in der Dämmerung für die Anliegen des Hauses und der hl. Kirche den Rosenkranz.

Ende November erfreute uns zum 3. Male eine Jubelfeier. Das goldene Jubiläum von Schwester M. Zosima und von Schwester M. Christiane . Hochw. H. Pfr. Dzierzon, Wolgast mit Assistens von Hochw. H. Kpl. Priemer und Kaplan Kühn hielten das feierliche Amt, während  Hochw. Herr Kuratus uns die Festpredigt bot.

In der Neujahrsnacht versammelten wir uns wieder so wie schon einige Jahre vorher zum Beten und Singen in der Hauskapelle, Gott lobend und dankend und aus seiner Hand das kommende Jahr empfangend.


1958

Der erste neue Gast auch in diesem Jahr war wiederum Hochw. H. Erzpriester Brinkmann und seine Schwester aus Berlin, welche die schneeige Weite des endlosen Meeres und das raue Klima lieb gewonnen hatten.

Für die Aspirantinnen, die mit neuer Bereitschaft, vom Heimat urlaub zurückgekehrt waren, begann das Jahr mit einigen Exerzitientagen, gehalten von Hochw. H. Pater A. Riedel SJ.

Im Januar bereits hatte die Waschküche eine neue Waschmaschine über den CV Berlin und die Firma Henkel aus Görlitz erhalten. Die Küche bekam eine neue elektrische Kippbratpfanne.

Am 14. Januar erschien in unserer Mitte ehrw. Schwester M. Celsa aus Berlin mit der unerwarteten Botschaft der Hocherw. Mutter Roswitha: Schwester Oberin M. Gisela hatte die Bürde ihres Amtes oft belastend und drückend empfunden und um Versetzung gebeten, die ihr heute zuteil werden sollte, indem sie den Posten mit ehrw. Schwester Oberin M. Henrica aus Wolgast tauschte. Für beide Konvente war es ein schwerer Tag.

Zur gleichen Zeit zog auch der eigentliche Hausgeitliche, Hochw. H. Kaplan Gerhard Utecht aus Berlin ins Ottoheim und Herr Kaplan Hubertus Kühn erhielt seine Anstellung in Frankfurt /Oder.

Am 01. März zog Herr Günther Mathe als neuer Wirtschafter in zwei vorläufig als Wohnung zur Verfügung gestellten Räume des Fichtenheimes, bis im Juni Herr H. Winter aus der Dienstwohnung als ehemaliger Wirtschafter auszog.

Im April wurden durch die Firma Podlech aus Bansin alle Dächer geteert und auch sonst für den Saisonbetrieb notwendigen Reparaturen, besonders durch Firma Schlechter in Zinnowitz getätigt.

Im Mai konnte ehrw. Schwester M. Monika Winkler das eiserne Jubiläum als Ordensfrau feiern. Dies einzigartige Fest durfte sie zuerst in Begleitung von Schwester Oberin M. Henrica
und Schwester M. Adalberta in Berlin Lankwitz auskosten und anschließend war die Nach- feier in Zinnowitz. Die Aspirantinnen erfreuten an diesem Tag mit dem Spiel: „Der Ruf“ unter Anleitung von Schwester M. Dietlinde, welche die erkrankte Schwester M. Alma vertrat, alle Anwesenden.

Im September durfte Schwester M. Piala, Schwester M. Isolde und Schwester M. Rosaria das
25 jährige Ordensjubiläum begehen.

Schwester M. Gerburga erhielt eine Versetzung nach Babelsberg.

Schwester M. Elvira fuhr zu einer Nervenbehandlung nach Berlin Friedrichshagen. Schwester M. Lioba und Schwester M. Accidia fuhren zur Herzkur nach Bad Liebenstein.
Ganz plötzlich erkrankte auch Schwester M. Zosima und musste ins Wolgaster Krankenhaus. Obgleich die Gallenblase bereits geplatzt war und große Steine entfern wurden, erholte sie sich nach der Operation verhältnismäßig schnell.

Erneut türmten sich Wolken über dem Kinderheim. Jeden Woche erschienen Herren vom Kreis Wolgast, Referat Jugenderziehung und der hiesigen Kinderheime, zur Besichtigung, Beobachtung , Rücksprache und belästigten unangenehm Kinder wie Schwestern.
Unsererseits wurde hierauf  eine Besichtigung des hiesigen staatlichen Kindererholungsheime
„Erich Steinfurt“ in Zinnowitz unternommen durch Frl. Olschewski und Herrn Coplin vom CV Berlin, sowie Schwester M. Heliana und Schwester . Accidia.

Bereits unter Schwester Oberin M. Gisela hatte Herr Karl Beinl in der Fahrschule Wolgast einen Lehrgang mitgemacht und den Führerschein erworben..
Mitte Dezember erhielten wir von Wohltätern über den CV Berlin ein Auto: Wartburg-Kombi. Ein herrliches Weihnachtsgeschenk ! Da Herr Beinl noch nicht fahrsicher war, bot sich freundlicher Weise Hochw. H. Pfr. Dczierson aus Wolgast an, das Auto aus Halle abzuholen. Schwester Oberin M. Henrica, Schwester M. Rotrudis und Herr Beindl  begleiteten ihn.

Gleich nach Weihnachten erfreute sich der hiesige Ortspfarrer Herr Valentin Kartaczinski des 25 jährigen Priesterjubiläums und bat, dasselbe im Ottoheim begehen zu dürfen. Die Geistlichkeit der Umgebung sowie die Gläubigen füllten die Kapelle beim Levitenamt mit Assistens von Herrn Pfr. Dczierzon aus Wolgast, Hochw. Herr Pfr. Marienfeld aus Anklam und der Festprediger war Hochw. H. Erzpriester Lorenz aus Greifswald. Über 60 Leute der Gemeinde wurden mit Frühstück bewirtet.


1959

Wieder zu Beginn des Jahres fand ein dreitägiger Exerzitienkurs für die Aspirantinnen statt. Er wurde von Hochw. H. Kuratus Utecht gehalten. Auch von anderen Orten waren einige junge Mädchen dazugekommen und Schwester M. Berchmana und Schwester M. Rotudis widmeten sich auch ganz diesen Mädchen.

Im Februar fuhr Schwester Oberin M. Henrica zur Kur nach Westdeutschland. Dies bedeutete
viel Freude, denn damit hatte sie die Möglichkeit ihre 80 jährige Mutter und ihre leibliche Schwester im Kloster vom guten Hirten in Münster zu besuchen.

Mit neuer Kraft widmete sich Schwester Oberin M . Henrica nach der Rückkehr der vielseitigen Arbeit hauptsächlich auf dem Gebiete Bau !
Der Küchenschornstein wurde von Firma Sussmann aus Wolgast von Grund auf von außen neu hochgezogen, im Waldheim und Mädchenheim Schornsteine eingebaut bzw. renoviert. Im April und Mai hatten wir sehr starke Durchgänge von Kleinkindern. Kostenträger waren ausschließlich die Caritasverbände.

Zwei Kandidatinnen und zwei Kindergärtnerinnen kamen , um bei der Kinderarbeit zu helfen.
„ Der Tag des Kindes“, der 01. Juni, wurde recht festlich begannen. Mit Umzug, Angeln, Fahrt mit geschmückten Pferdewagen und Eis essen.

Am 28.05. feierte Schwester M. Monika Winkler ihren 90. Geburtstag. Zu diesem Freudenfest
War auch ehrw. Schwester Provinzaloberin M. Gertudis erschienen.

Der Namenstag von Schwester Oberin M. Henrica, am 15. Juli wurde ebenfalls festlich begangen. Auf ihren Wunsch wurde das Kinderfest auf den gleichen Tag gelegt und so wetteiferten die Gruppen in Lied und Spiel miteinander.
Auch Excellenz Weihbischof Dr. Alfred Bengsch weilte jenen Durchgang in unserer Mitte, um sich vier Wochen an der See zu erholen, zur großen Freude aller Kinder . Am Abschiedstage, dem 01. August feierte er mit ihnen ein Pontifikalamt.

Im August traf eine Glocke, drei Zentner schwer aus der Glockengießerei Apolda ein. Sie war für den Turm im Steinhaus bestimmt. Als echte Angelus- Glocke trägt sie ein Mariensymbol und die Innschrift: Ecce ancilla Dommini .

Inzwischen hatten sich die Verhältnisse in Ost- und Westberlin derart zugespitzt, das Rom die Errichtung von neuen Noviziaten in der DDR gestattete. In Ostberlin war die Zahl der Kandidatinnen von zwei auf sieben gestiegen und ein Teil des Mädchenheimes in Zinnowitz wurde für Noviziatszwecke ausersehen.
wieder rückte die Firma Sussmann aus Wolgast mit den Bauleuten an. Ein großer Schlafraum
Wird geteilt und in ein Refektorium und drei Schwestern Zellen verwandelt. Durch Erweiterung der Heizanlage und Umbau der Fenster wurden ein Sprechzimmer und ein Geräumiger Aufenthaltsraum geschaffen, Ebenso ein Krankenzimmer und die Zelle der Novizenmeisterin. Die Dachstuben wurden ausgebaut , Boden dazugenommen und in Kandidaturräume umgewandelt.
Im Oktober wurden in Berlin sieben Kandidatinnen eingekleidet und zogen am 31.10. mit Schwester Meisterin M. Annetta Jenschke ins Noviziat in Zinnowitz ein.
Schwester Meisterin M. Annetta oblag auch die Pflege des Kapellengesanges, denn Schwester
Adelheidis war bereits im September nach Berlin Michaelkirchplatz abberufen worden, um dort den Kindergarten erneut zu übernehmen.

Am 3. Adventssonntag spielten die Aspirantinnen wieder ein Stück: „Die Mutter“, von J.M. Heinen, in dem der Glaubenstod der sieben Makk. Brüder verherrlicht wird, welches von Hochw. H. Pfr. Utecht mit Musikdarbietungen umrahmt wurde für die Hausgemeinschaft und für die Gemeinde von Zinnowitz.


1960

Wieder befand sich bald zum Jahresanfang Hochw. H. Erzpriester Brinkmann als Gast im Ottoheim. Herrn Kuratus Utecht hielt den Aspirantinnen wiederum die Jahresexerzitien.

Im Februar fuhren Schwester M. Benvenuta ,Schwester M. Natalia, Schwester M. Lioba und Schwester M. Rotrudis zur Erholung nach Bad Liebenstein.

Vom CV Berlin wird viel für die Aspirantur getan, um die jungen Menschen recht für den Dienst in der Kirche zu gewinnen. So gab es wiederholt Tagungen und Zusammenkünfte mit den Aspirantinnen in Berlin. Jedes Jahr legten sie vor Vertretern des CV Berlin eine schriftliche , mündliche und praktische Prüfung in den Zweigen der Hauswirtschaft und Soziallehre ab.

Im Juni weilte Hochw. Excellenz Weihbischof Schräder aus Schwerin, Excellenz Weihbischof Dr. A. Bengsch und Hochw. Herr Kanonikus Wessels im Ottoheim zur Erholung und nahmen sich mit Interesse besonders der größeren Kinder an.

Der 18. Juli war ein heißer Tag. Als mittags Hochw. H. Pfr. Marienfeld aus Anklam per Auto zu einem kurzen Besuch einige Kinder seiner Gemeinde hier eintraf, ahnte niemand, dass es sein letzter Weg zum Strand sein sollte, wo er sich dem frohen Spiel mit der Jugend hingab. Auf dem Rückweg starb er durch Herzschlag unweit der Kapelle, auf dem Grundstück des Heimes. Der herbeigerufene Arzt, H. Dr. Mahnke aus Zinnowitz  konnte nur noch den Tod feststellen. Inzwischen hatte Hochw. H. Erzpr. Brinkmann ihm unter Tränen die hl. Sakramente gespendet. In einem leerstehenden Raum des kleinen Wirtschaftshauses wurde er aufgebahrt. Die Nacht hindurch hielten Schwestern und Kinder die Totenwache bis seine Leiche in den folgenden Vormittagsstunden nach Anklam überführt werden konnte.

Noch ein Priester wurde von den Schwestern im Ottoheim kurz darauf tief betrauert. Gottes Ratschluss rief auf der Rückreise seines Urlaubs Hochw. H. Domkapitular Franz Buchali aus Görlitz mit erst 59 Jahren im St. Hedwigs- Krankenhaus in Berlin in die Ewigkeit.
Acht Jahre lang hatte dieser tief bescheidene, tief innerlicher und liebenswürdige Seelsorger mit einigen Freunden der Restdiözese Breslau im St. Ottoheim erholungssuchend verweilt. Er hat die Schwestern dankbar durch so manche Reisebeschreibung und Filmvorführung, wie aus Fatima, Holland und Görlitz erfreut.

Im September durfte die ehrw. Schwester M. Lutberga das Silberjubiläum feiern. In ihrer Annerkennung ihrer stets bescheidenen Zusammenarbeit mit dem CV Berlin, in Büro- und Verwaltungssachen hielt Hochw. Herr Caritasdirektor H. Rothkegel selbst das Levitenamt mit Assistens  von Hochw. H. Pfr. Barthemes aus Leinefelde und Hochw. H. Pfr. Brockhoff aus Halle / Sa. Die Festpredigt hielt Herr Pfr. Utecht.

Auch im verflossenen Jahre hatten wir viel Grund für Gottes Vorsehung und Güte zu danken,
die uns durch verschiedene Stürme innerhalb des Jahres führte und so verbrachten wir die letzten Stunden des Jahres in stiller Anbetung vor dem Allerheiligsten .


1961

Am 16. Januar bevölkerten wieder die Vorschulpflichtigen unser Haus. Es ist trockenes, klares und schneereiches Winterwetter und eine Freude für jedes Kind.

Im März fand acht Tage lang unter der Leitung von Frl. Katharina Klemt und Frl. Schuhmacher von CV Magdeburg eine Schulung religiöser Kleinkind- Erziehung für Mütter und Erzieherinnen statt .Frl. Töpper von CV Greifswald legte großen Wert auf eine derartige Schulung der Diaspora Mütter und sorgte für 26 Teilnehmerinnen.

Im Mai wurde endlich der lang gehegte Plan unserer Hocherw. Mutter Roswitha, Zinnowitz erneut aufzusuchen, Wirklichkeit. Hierbei wollte sie sich selbst überzeugen von den sich ansammelnden Schwierigkeiten um die Existenz als Kinderheim.

Für den Caritasverband einzelner Diözesen war es nicht leicht, den Kostensatz besonders in den Wintermonaten aufzubringen. Eine große Aktion freiwilliger –republikflüchtiger Bürger in den Westen Deutschlands hatte eingesetzt.

Im Juni besichtigte Herr B. Machnik als Stellvertreter des Direktors und Sachbearbeiter beim CV Berlin mit fünf Herren das Heim unter dem Gesichtspunkt einer anderen Zweckbestimmung.

In Zinnowitz selbst zog die IG Wismut groß auf, erklärte den Ort zum Seebad der Werktätigen und beanspruchte die Kur- und Erholungsheime der Gemeinde sowie den Rest der Privatbesitzungen für ihre Zwecke.
Auch das Ottoheim musste diesbezüglich Besichtigungen über sich ergehen lassen. Die viel zu großen Räume und das Prädikat „Kircheigentum“ beließen es bei der bisherigen Existenz.

Inzwischen hatte Excellenz Weihbischof Dr. A. Bengsch Gefallen an den wahrhaft schön gelegenen und ausgedehntem Ottoheim Gelände gefunden und sich mit dem Plan beschäftigt, diese Stätte für speziell religiöse Betreuung von Kindern und Jugendlichen seiner Diözese auszubauen. Er beauftragte Herrn Pfr. Peter Riedel aus Berlin, mit der Durchführung von sogenannten Sonderkursen in denen religiös eifrige Knaben und Mädchen eigen erfasst und zu Gruppenhelfern in den Heimatgemeinden geschult worden sind. Ihm zur Seite standen Theologiestudenten aus dem Priesterseminar in Erfurt. Die ersten beiden Kurse endeten mit der Spendung der hl. Firmung durch den Weihbischof Dr. A. Bengsch an die durch Kriegseinwirkungen noch nicht erfassten Kinder, dies war eine besondere Freude seines eigenen Ferienaufenthaltes hier in Zinnowitz.
Ein weiterer großartiger und seiner Vielseitikeit orgineller Freudentag war der 15. August, der 1. Namenstag als Weihbischof von Berlin, den Dr. A. Bengsch im Ottoheim verlebte. Der eigens dafür verfasste Kanon, vier stimmig, von Gebrüder Janischewski aus Berlin verfasst und von den „Soku“ Jungs weiterhin schallend dargeboten, hat ihn mächtig und freudig gepackt.

Am 17. Oktober hatten die sieben Novizinnen: Schw. M. Eusebia, Schw. M. Tharsilla, Schw. M. Philomena, Schw. M. Euphemia, Schw. M. Irmina, Schw. M. Irmina und Schw. M. Rosa die zweijährige Probezeit beendet und durften die erste Profeß in der Ottoheim Kapelle ablegen.

Im November und Dezember wurde von der Firma W. Schlechter aus Zinnowitz im Fichtenheim eine Zentralheizung gelegt und eine Warmwasser Anlage eingebaut. Ein Zimmer wurde kassiert ( 6 Bettenschlafraum) und ein Baderaum geschaffen.


Chronik nach Zeitabschnitten: 1947–1961 | 1962–1968 | 1969–1974 | 1975–1979 | 1980–1985

ähnliche Beiträge