Kurtaxe / Bildungsreisen

Liebe Gäste, seit Mai 2017 ist nach vielen Jahren durch die Gemeinde Zinnowitz eine neue Kurtaxensatzung in Kraft gesetzt worden.

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Preise

Der Preis für eine Übernachtung in St. Otto setzt sich aus drei Teilen zusammen: aus dem Zimmerpreis, aus den Tagessätzen (Servicepaket), aus eventuellen Zusatzleistungen.

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 St. Otto, Februar 2026

 „Mit dem Wind“...

… und dem Schicksal gehadert. Seit Wochen Glätte, Eis und Schnee, dazu noch der ein oder andere Winterinfekt und genau einmal auf dem Rad gesessen. Kein Wunder, dass ich mich seit Tagen in einer richtigen Miesepeterstimmung befinde.

Die Tatsache, dass unser beliebter und unglaublich aktiver Pfarrvikar Maciej Domanski St. Otto zum Ende des Monats verlässt, um eine große Pfarrei in seiner polnischen Heimat zu übernehmen, eignet sich auch nicht gerade als Stimmungsaufheller. Und dann befindet sich noch unser Pfarrer im Ruhestand, Reinhold Janiszewski, der immer zuverlässig die Werktaggottesdienste feiert, auf dem Absprung ins Seniorenheim in Stralsund. Da kann man doch nur schlechte Laune bekommen! Ersatz für die beiden? Wovon träumen Sie denn?

Ich weiß ja, dass wir hier im Haus St. Otto in den vergangenen Jahren mit Priestern vor Ort gut versorgt waren. Nur an den Sonntagen durften wir die merkwürdige Share-a-Priest-Situation, die in den neu entstandenen Großpfarreien gängige Praxis ist, erleben. Als Gottesdienstbesucher weiß man da nie, wer am Sonntag die Messe hält. Meist trifft der Zelebrant erst kurz vor knapp ein und ist Minuten, nachdem der letzte Ton des Schlusslieds verklungen ist, schon wieder auf dem Weg zum nächsten Einsatzort. Entsprechend lautet ein oft gehörter Satz unseres Propstes, wenn er mit wehenden Rockschößen durch die Tür der Sakristei enteilt: „Ich bin hier nur der Pfarrer!“

Vielleicht liegt es daran, dass ich gestern meinen Rollentrainer aufgebaut habe, um wenigstens zu Hause den ein oder anderen Kilometer auf dem Rad zurückzulegen. Zumindest ist mir plötzlich eine – wie ich finde – unschlagbare Idee zur Behebung des immer dramatischeren Priestermangels in Deutschland gekommen: Ich gründe in St. Otto die erste Zeitarbeitsagentur für Priester!

Wie das funktionieren soll? Ganz einfach: In Polen, Afrika und Asien gibt es, im Gegensatz zu Deutschland, noch jede Menge katholische Geistliche. Sogar junge! Die würden – also zumindest einige – bei entsprechender Entlohnung sicher gern als Arbeitsmigranten bei uns aushelfen. Wohnen könnten die Leihpriester als Priester-WG in unserer Pfarreiwohnung. Eigene Küche und Gemeinschaftsraum inklusive. Kicker, Tischtennisplatten, Strand vor der Tür und Glasfaseranschluss im Haus – auch für Unterhaltung in der Freizeit ist gesorgt.

Ja, und ich vermiete die Jungs dann für Eucharistiefeiern und zum Spenden der Sakramente anlassbezogen an unser Erzbistum: Heilige Messe 500 €, Taufe 250 €, Trauung 1000 € usw. Den Erlös teilen wir, und allen ist geholfen.

Sie meinen, die Sprachbarriere würde ein Hindernis darstellen? Da muss ich entschieden widersprechen. Zum einen kann die Predigt von einem ausgebildeten Laien, Pastoral- oder Gemeindereferenten übernommen werden. Zum anderen gibt es ja auch noch die ein oder andere gut entwickelte Übersetzungssoftware. Da geht einiges. KI sei Dank. Glauben Sie mir! Und schließlich ist die Liturgie der Katholischen Kirche international relativ einheitlich. Zumindest, was die wesentlichen Bestandteile betrifft. Die kleinen nationalen Besonderheiten werden den Leihpriestern in einem Crashkurs vermittelt. Und wer weiß: Vielleicht lässt sich das System ja ausbauen. So ein Miet-Monsignore oder Bischof wäre aber natürlich kostspieliger fürs Bistum …

Während das System an meinem Rollentrainer die Cooldown-Phase einleitet, kühlt sich auch mein heißgelaufenes Gedankenkarussell merklich ab. Vielleicht doch keine so gute Idee, mein systemischer Ansatz mit den Mietpriestern? Zumindest, wenn man sich die Aufgaben des Priesters ansieht, die man direkt oder indirekt aus der Bibel herauslesen kann.

Mir fällt da zum Beispiel sofort der gute Hirte ein, der als Synonym für Gott, aber auch für seine Stellvertreter auf Erden steht. Dieser Hirte kommt nicht nur bei seiner Herde vorbeigeschneit, um frisches Futter in die Krippe zu werfen. Im Gegenteil: Er kennt seine Schafe. Jedes einzelne. Er merkt, wenn es einem der Tiere schlechtgeht, und er sucht nach jedem Schaf, das sich verläuft. Der Hirte lebt bei und mit seinen Schafen. Er sorgt für seine kleine Gemeinschaft, ist für sie da und übernimmt Verantwortung.

Besser als Jesus mit seinen Gleichnissen – die Hirtensymbolik kommt übrigens auch schon im Alten Testament vor – könnte ich eine priesterliche Stellenbeschreibung gar nicht formulieren. Die katholische Kirche in Deutschland – und nicht nur die – geht da seit Jahren einen ganz anderen Weg. Sie muss sich allerdings fragen lassen, ob ihre Antworten auf den fortschreitenden Priestermangel die richtigen sind. Denkt man den aktuell praktizierten Ansatz nämlich konsequent weiter, dann stehen in unseren Kirchen in naher Zukunft vielleicht Hostienspender, die nach Eingabe und Überprüfung der persönlichen Daten eine geweihte Hostie auswerfen. Communio? Ein Hirt und eine Herde? Das war dann gestern. Ein gruseliger, geradezu apokalyptischer Gedanke.

Aber vielleicht gibt es gerade in der anstehenden Fastenzeit den ein oder anderen kontemplativen Moment, in dem genau Sie eine Erleuchtung haben, eine geniale Idee, wie wir das ganze Schlamassel in den Griff bekommen. Dann her damit! Ich für meinen Teil werde den Ansatz mit der Leihpriester-WG noch einmal gründlich überdenken. Vielleicht lässt sich da ja doch etwas optimieren.

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor       

St. Otto, Dezember 2025/Januar 2026

 „Mit dem Wind“...

… wieder einmal den Skulpturenpark in Katzow besucht. Der liegt nur wenige Kilometer von Wolgast entfernt. Das 24/7 zugängliche Ausstellungsgelände ist meine allerliebste „Outdoor-Kunstgalerie“. Regelmäßig schaue ich dort vorbei.

Zahlreiche skurrilen Exponate aus Metall und Holz, hergestellt von verschiedenen Künstlern aus aller Welt, bevölkern die 12 Hektar große Wiese. Die wenigsten lassen auf den ersten Blick erkennen, was sich der Künstler bei der Konzeption gedacht haben könnte. Viele der Figuren, die teilweise mehr als 10 Meter in den Himmel ragen, sind eher abstrakt gehalten und bieten reichlich Raum für Deutungsversuche der Galeriebesucher. Diese können, abhängig vom jeweiligen Betrachter, der Jahreszeit oder dem Blickwinkel, ganz unterschiedlich ausfallen. Das wird besonders dann deutlich, wenn man den Skulpturenpark als Gruppe besucht. Die Diskussionen vor den einzelnen Exponaten erreichen mühelos das Niveau der Interpretationsversuche beim alljährlichen Bleigießen an Silvester.

Es lohnt sich aber durchaus auch, ganz allein zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten auf der Wiese bei Katzow vorbeizuschauen. Denn immer wieder lassen sich neue Details entdecken, die man beim letzten Besuch nicht wahrgenommen hat. Ein richtiges Schlaraffenland für die Fantasie.

Diesmal, Anfang Dezember, zog mich – warum auch immer - ein riesiger Metallturm ganz hinten auf dem Gelände in seinen Bann. Der war mir bei meinen bisherigen Besuchen gar nicht aufgefallen. Der Künstler hat für diese Skulptur eine scheinbar unendliche Zahl von Metallplatten übereinandergestapelt, deren Größe mit zunehmender Höhe abnimmt. Ähnlich einer Turmschnecke windet sich das Gebilde in Richtung Himmel und entfaltet aus der Nähe eine ganz besondere Faszination.

Zunächst dachte ich an eine Karriereleiter. Ein steiler Weg, der immer schmaler wird. Ganz oben haben dann nur noch wenige Platz, und die Luft dort oben ja bekanntlich ganz schön dünn.

Dann allerdings platzte ein ganz anderer Gedanke dazwischen: Die Skulptur könnte doch auch sinnbildlich für das Jahr stehen. Schritt für Schritt erklimmen wir die einzelnen Platten. Jeden Tag eine neue. Und am Ende des Jahres, im Dezember, sind wir dann ganz oben angekommen und können auf das zurückblicken, was hinter uns liegt: Ein Jahr voller Erlebnisse, Begegnungen und Erfahrungen. 

Und das neue Jahr? Wenn wir den Blick wenden, den Kopf in den Nacken legen und von der Spitze des Kunstwerks nach oben schauen, dann sehen wir nichts als den Himmel. Nachts vielleicht ein paar Sterne und die Sonne am Tag.

Was das neue Jahr wirklich bringen mag, lässt sich vielleicht tatsächlich aus den Sternen ablesen. Aber uns fehlt dazu leider ein kompetenter Übersetzer, sofern wir nicht eine wundertätige Glaskugel oder ein Orakel unser Eigen nennen können, beziehungsweise die Kunst des Kaffeesatzlesens beherrschen. Wir wissen nicht, was die Zukunft für uns bereithält, während das ausklingende Jahr stabil und glänzend wie poliertes Metall unabänderlich hinter uns liegt. Wie gern würden wir das ein oder andere noch geraderücken, verbessern oder einfach vergessen. Aber das geht nicht.

Woher dann aber – bei dieser betrüblichen Ausgangslage und ohne Glaskugel – die dringend benötigte Zuversicht für das neue Jahr nehmen? Den Lebensmut? Das Vertrauen darauf, dass sich auch im kommenden Jahr feste Stufen vor uns auftun, auf denen wir mutig voranschreiten können? Stufen, die Halt bieten und Sicherheit. Vielleicht doch ein Horoskop bemühen oder eine Wahrsagerin zu Rate ziehen.

Einen Moment der Ratlosigkeit hat es gedauert. Aber dann wurde mir schlagartig klar, was diese Skulptur wirklich symbolisierte: STAIRWAY TO HEAVEN! Die Treppe in den Himmel. Nicht der Blick nach unten, zurück auf das, was war, steht im Zentrum der Darstellung, sondern die unendliche Weite des Himmels, der nicht zuletzt aufgrund dieser Unendlichkeit für uns Christen Gott symbolisiert.

Verlieren Sie sich also am Ende dieses Jahres nicht in einem der zahlreichen offiziellen oder auch ihrem persönlichen Jahresrückblick. Was hinter uns liegt ist vorbei, gehört endgültig zu unserer Vergangenheit. Lassen Sie all den metallschweren Ballast hinter sich, und verschaffen Sie sich stattdessen eine freie Sicht nach oben. Das, was Sie dann sehen, ist nicht etwa NICHTS, sondern der Freiraum, den Ihnen die Zukunft bietet. Füllen Sie ihn im neuen Jahr! Mit Gottes Hilfe wird da eine Menge Gutes dabei herauskommen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine frohe Weihnachtszeit, einen guten Jahreswechsel und weiterhin einen freien Blick auf das Wesentliche!

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor     

 St. Otto, November 2025

 „Mit dem Wind“...

… in den Sonnenaufgang geradelt. Dank der Zeitumstellung Ende Oktober, ist das in den ersten beiden Novemberwochen wieder möglich. Also natürlich nur, wenn die Sonne tatsächlich auch zu sehen ist und nicht dicke Regenwolken die Wetterregie übernommen haben. Aber an diesem Morgen waren die Felder mit einer dünnen Schicht Raureif überzogen, der Atem quoll in dicken Wolken unter meinem wärmenden Mundschutz hervor und der Horizont erstrahlte in einem herrlichen Rot. Kein Auto, das die Ruhe störte, und bis auf ein paar Rehe, die versuchten, unter der Reifschicht das ein oder andere Gräschen aufzustöbern, kein Lebewesen weit und breit.

Ich hielt an, um für einen Augenblick diesen Moment der Ruhe, der fast greifbaren Stille, auf mich wirken zu lassen. Das Smartphone zücken und ein Foto machen? Ich verwarf den Gedanken sofort wieder. Stattdessen sog ich die Stimmung gierig auf. Wie ein Staubsauger die Flusen unter einem Sofa. Und als mein Beutel voll war – um im Bild zu bleiben – schwang ich mich erneut in den Sattel.

Beim Weiterradeln horchte ich dann aber in mich hinein. Da wollte doch etwas raus. Ein Gedanke drängte an die Bewusstseinsoberfläche. Ein Gedanke? Nein: eine Erinnerung! Vor vielen Jahren, als ich noch in Hennigsdorf wohnte und meine Arbeitsstelle in der Berliner Innenstadt lag, gab es einen ähnlichen Moment. Nicht etwa im Wald oder an den Havelauen auf dem Radweg in Richtung Spandau, sondern mitten in einem Berliner Industriegebiet.

Ich erinnere mich noch genau an den beeindruckenden Anblick der mächtigen Schwerindustrie in Berlin-Ruhleben. Insider kennen sicher die Ecke zwischen Kraftwerk, Müllverbrennungsanlage und IKEA. In der aufgehenden Sonne eines kalten Novembermorgens spiegelte sich das Rot in den riesigen Metallkomplexen, quollen monströse Rauchwolken in den Himmel, war die Luft erfüllt vom Industrielärm, der zusammen mit dem monotonen Brummen des morgendlichen Berufsverkehrs ein einzigartiges Konzert gab. Warum ich angehalten habe? Ganz einfach: Über einen unbeschrankten Bahnübergang schob sich im Schneckentempo ein Güterzug und zwang den Verkehr – und damit auch mich – für einen Moment innezuhalten.

Zwei Momente, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Und beide einzigartig. Hier die kontemplative Stille der fast unberührten Natur und dort die bizarre Schönheit von Technik und Verkehr im intensiven Zusammenspiel. Wenn Sie mich jetzt fragen würden, welches der schönere Moment war – ich müsste Ihnen die Antwort schuldig bleiben. Und während ich hier an meinem Schreibtisch darüber nachdenke stelle ich fest, dass es in meinem Leben unzählige solcher besonderen und doch völlig unterschiedlichen – ja mitunter sogar gegensätzlichen – Momente gab.

Vielleicht liegt die Kunst darin, im Hier und Jetzt zu leben. Sich nicht ständig an Orte zu wünschen, an denen alles doch so viel schöner, harmonischer, ja paradiesischer scheint. Stattdessen sollten wir mit wachem Blick, einem offenen Herzen sowie der Bereitschaft, das Schöne, die Einzigartigkeit all dessen, was uns umgibt, wahrzunehmen, durchs Leben gehen. Voraussetzungen für so etwas wie „Alltagsglück“, die wohl fast jeder von uns mitbringt.

Und wenn das Selbstmitleid über das eigene Schicksal mal wieder die Oberhand gewinnt? Dann hilft vielleicht ein Blick auf das Leben der Menschen in den Kriegs- und Krisengebieten unserer Erde. Diese Menschen haben alles Recht der Welt, sich wegzuwünschen oder von einer besseren, sicheren, schöneren Zukunft zu träumen. Aber wir? Wir sollten das betrachten, was wir haben. Es ist so viel. Wir müssen nur lernen, es wahr- und anzunehmen.

Und wenn dann doch mal ein richtig mieser Tag um die Ecke kommt? Kann ja sein. Das Leben besteht nicht nur aus eitel Sonnenschein. Dann müssen wir uns nur kurz in Erinnerung rufen, dass am Ende das Paradies wartet. Da ist dann wirklich alles gut. Und mit diesem Wissen halten wir doch so ein bisschen irdisches Jammertal aus. Also: Weniger jammern und mehr genießen! Auch, wenn das im November – zumindest was die Witterung betrifft – nicht immer leichtfällt.

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor