Kurtaxe / Bildungsreisen

Liebe Gäste, seit Mai 2017 ist nach vielen Jahren durch die Gemeinde Zinnowitz eine neue Kurtaxensatzung in Kraft gesetzt worden.

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Preise

Der Preis für eine Übernachtung in St. Otto setzt sich aus drei Teilen zusammen: aus dem Zimmerpreis, aus den Tagessätzen (Servicepaket), aus eventuellen Zusatzleistungen.

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Bienenksten 2

                                                                                              St. Otto, Dezember 2021

 „Mit dem Wind“...

… auf das Wesentliche besinnen! Das wird zu Weihnachten immer wieder angemahnt und ich dachte, das ist der richtige Zeitpunkt, sich einmal intensiver mit den sogenannten „Ansitzeinrichtungen“ zu beschäftigen. Keine Ahnung, was das ist? Aber „Hochsitz“ oder „Jägersitz“ haben Sie sicher schon mal gehört. Mit großer Wahrscheinlichkeit haben Sie auch schon häufiger – meist widerrechtlich – eine dieser hölzernen Aussichtsplattformen erklommen, um die Gegend aus der Vogelperspektive in Augenschein zu nehmen. Vielleicht ging es auch nur um eine Mutprobe, denn häufig sind die Leitern zur Plattform morsch, fehlen Stufen, oder der Hochsitz schwankt und knirscht wenig vertrauenserweckend beim Aufstieg. Wahrscheinlich sind Hochsitze auch die einzigen Bauwerke, die im öffentlichen Raum stehen und ohne Baugenehmigung oder regelmäßige Sicherheitsprüfung, ohne TÜV und Wartungsintervalle auskommen.

Es gibt aber auch wahre Luxusressorts unter den Hochsitzen, ausgestattet mit Dach, Sitzbank und zahlreichen Ablagemöglichkeiten. In Schweden habe ich einmal eine Plattform mit bequemem Bürostuhl und Getränkehalter – vielleicht für das Fläschchen Jägermeister? – gesehen. In der Regel sind die Hochsitze, denen wir in Wald und Flur begegnen, aber doch spartanische, schnörkellose Bauwerke, die mordlustigen und schießwütigen Jägern ermöglichen, ihrer niederen Gesinnung noch effizienter nachzugehen, als dies beim Streifen durchs Dickicht eines dunklen Tannenwaldes möglich wäre. Typen also, die mit ihren gut betuchten und natürlich sturzbesoffenen Jagdkumpanen aus luftiger Höhe auf unschuldige Rehe und Wildschweine ballern, Hasen nur deshalb verschonen, weil die zu klein sind und nach erfolgtem Weidwerk ihre Trophäen in Form von Zwölfendern zu Hause an die Wand nageln. Einseitige Betrachtungsweise? Aber sicher! Klischee? Immer gern! Und deshalb wechseln wir hier mal die Perspektive. Warum? Weil wir es können!

Stellen wir uns doch einfach einmal die unglaubliche Ruhe an einem frühen Samstagmorgen auf einer Waldlichtung vor. Der Jäger sitzt mit einer Thermoskanne Kaffee und dick eingemummelt gegen die aufsteigende Dezemberkälte auf seinem Hochsitz. In einiger Entfernung weidet das Rotwild. Der Schnee, der Wald und Feld bedeckt, glitzert im letzten Licht einer sternklaren Nacht, bevor sich – viel, viel später – die ersten Strahlen einer unausgeschlafenen Wintermorgensonne zeigen. Es ist still. Unser Jäger hat, wie an so vielen anderen Tagen, die Flinte längst an die Rückwand des Hochsitzes gelehnt. Er sitzt nur da, staunt und genießt jeden Augenblick dieser frühen Morgenstunde. Die anstrengende Arbeitswoche? Schnee von gestern! Gedanken über den anstehenden Weihnachtsstress? Ganz weit weg!

Diese Zeit der Ruhe und Kontemplation in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden auf dem Hochsitz war es, warum er damals überhaupt seinen Jagdschein gemacht hat. Wie hätte er denn sonst der Familie oder Freunden erklären sollen, warum er zu nachtschlafender Zeit viele Stunden auf einem klapprigen Hochsitz verbring? Die hätten ihn doch alle für verrückt erklärt!

Als die erste Morgenröte sich gemächlich am Horizont breitmacht, packt unser Jäger seinen Rucksack schultert das Gewehr und macht sich durchgefroren aber glücklich auf den Heimweg. Seine Familie kennt das schon, wenn er, die Tüte mit frischen Bäckerbrötchen im Rucksack anstatt einem erlegten Rehbock auf der Ladefläche des Pickups, lächelnd und mit sich und der ganzen Welt im Reinen nach Hause kommt. Was für ein schöner Start ins Adventswochenende!

Schaffen wir das auch? Gelingt es uns, die Flinte in die Ecke zu stellen, die Vorweihnachtszeit nicht als Stress, sondern als das wahrzunehmen, was sie eigentlich ist – eine Zeit der Erwartung, der Vorfreude, des Innhaltens? Gar nicht so einfach, denn in unserem Alltag fehlt uns viel zu häufig ein einsamer Hochsitz in den frühen Morgenstunden, ein ruhiger Angelplatz am See, eine geöffnete und einladende Kirche und nicht zuletzt die Zeit, die Muße, der Abstand fürs Wesentliche.

Das Kind in der Krippe ist so klein und unscheinbar und doch so unendlich wichtig für unser Sein! Schärfen wir also unseren Blick und nehmen wir uns die Zeit; dann erkennen wir, wie wesentlich Gott für uns und unser Leben ist.

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

Herz PP

            St. Otto, November 2021

 „Mit dem Wind“...

… wird es heute mal ganz persönlich. Der 9. November ist nicht nur für die deutsche Geschichte ein wichtiger Tag; ich habe mir dieses Datum vor vier Jahren ganz bewusst für meine unumgängliche Herz-OP ausgesucht. Tja, mein Herz! An diesem Tag, der früh am Morgen im Operationssaal der Herzchirurgie begann, hatte mein Herz fast einen Urlaubstag. Während der Stunden, die die Operation dauerte, war ich an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen und mein wichtigster Muskel hatte Feierabend. Dementsprechend unwillig stelle er sich auch an, als er zum Ende der Operation wieder übernehmen sollte. Wer lässt sich schon gern nach Feierabend vom Sofa und zurück an die Arbeit holen? Prinzipiell hatte ich deshalb auch durchaus Verständnis dafür, dass mein Herz einige nachdrückliche Ermahnungen und etwas Anschubhilfe durch die Ärzte benötigte, um wieder selbstständig zu schlagen. Froh bin ich aber schon, dass es sich schließlich einsichtig gezeigt hat.

Und dann? Irgendwie muss mein Herz sein Alter im Zuge der Operation völlig vergessen haben. Es schlug danach so schnell wie bei einem Säugling kurz nach der Geburt, machte Sprünge und Hopser vor lauter „Wieder-lebens-freude“ und brauchte Monate, nein Jahre, um sich darauf zu besinnen, dass es ja schon 50 Jahre auf dem Buckel hat und damit nun wahrlich kein junger Hüpfer mehr ist.

Am Herz hing allerdings noch mein restlicher Körper, inklusive Gehirn. Schläuche und diverse Zugänge gab es da natürlich auch, und mein Allgemeinzustand war doch arg lädiert, meinte zumindest meine Frau. So ein Restart, der am PC ganz einfach mit dem „Affengriff“ oder anderen kleinen Kniffen durchgeführt werden kann, hat es tatsächlich in sich. Ich habe in den Monaten nach der OP öfter über die Redewendung „sich wie neugeboren fühlen“ nachgedacht. Das sagt man so einfach daher, dabei wissen wir gar nicht, wie das eigentlich war – geboren zu werden. Das Gehirn ist bei der Geburt längst noch nicht ausreichend entwickelt, um sich später an diese erinnern zu können, und ich bin absolut sicher, dass die Natur das sehr weise so eingerichtet hat. Wenn sich „geboren werden“ ungefähr so anfühlt wie meine Wiedergeburt nach der Herzoperation, dann will man sich da wirklich nicht daran erinnern!

Schmerzen hatte ich keine. Die wurden durch Unmengen von schmerzstillenden Substanzen, die meinem Körper über verschiedene Leitungen zugeführt wurden eliminiert. Allerdings war mein Gehirn komplett überfordert. Als nicht benötigte Schaltzentrale hatte es während der OP ebenfalls den Betrieb eingestellt und versuchte jetzt, alle Synapsen wieder richtig zu verdrahten. Mit zunächst durchaus mäßigem Erfolg. Wirre Alpträume überfielen mich sofort, wenn ich die Augen schloss, Erinnerungsblitze zuckten durch das Unterbewusstsein, wurden kombiniert mit surrealen Bildern und das alles in der rasenden Geschwindigkeit einer Achterbahnfahrt mit integriertem Mehrfachlooping. Augen zu und los ging der wilde Ritt durch Raum und Zeit! Die Augen zu öffnen war allerdings auch nicht immer eine gute Idee. Am dritten Tag nach der OP übte sich nämlich in einem solchen Moment die fürsorgliche Krankenschwester im Kopfstand und brachte mir in dieser Haltung einen Tee, ohne ihn zu verschütten. Ein andermal wurde die Verbindung zwischen Sehnerv und Gehirn nicht nur gestört, sondern komplett unterbrochen. Plötzlich blind zu sein war auch eine Erfahrung, die man sich nicht wünscht.

Inzwischen ist aber alles wieder im Lot. Auch die Krankenschwester! Und fest steht für mich: Wenn so eine kleine Wiedergeburt schon solch traumatische Erlebnisse vermittelt, dann bin ich unglaublich froh, mich – wie alle anderen Menschen – nicht an meine richtige Geburt erinnern zu können.

Jetzt aber doch noch einen Schritt weitergedacht – und da wären wir dann mitten im November, mit den Festen Allerheiligen, Allerseelen oder auch dem Totensonntag: Wenn Gott uns so gut vor dem traumatischen Erlebnis der eigenen Geburt abschirmt, wenn wir völlig unbelastet von diesen Minuten oder auch Stunden ins Leben starten können, vielleicht dürfen wir dann auch darauf vertrauen, dass er die Sache mit dem Ende, dem Tod, ebenso perfekt arrangiert hat? Fragen können wir ja niemanden, aber ich habe mir inzwischen fest vorgenommen: Augen zu und durch! Wie bei der Geburt. Und fest darauf vertrauen, dass Gott in seiner Liebe und Weisheit das richtige Sedativum zur Hand hat, um mir den Übergang zu erleichtern.

Übrigens: Wenn ich inzwischen mein Herz klopfen höre, dann gerate ich nicht mehr in Panik. Stattdessen freue ich mich, dass es sich bemerkbar macht, sage ihm freundlich „Hallo“ und danke ihm jeden Tag, dass es so zuverlässig und treu seinen Dienst verrichtet. Und vielleicht belanglose Floskeln wie die „herzlichen Grüße“ oder jemanden „von Herzen liebhaben“ haben für mich heute eine viel tiefere Bedeutung als noch vor wenigen Jahren. Wir alle haben ein Herz, das uns treu dient – von der Geburt bis zum Tod. Wir sind nie „herzlos“, solange wir leben. Daran sollten wir täglich denken und unser Verhalten, unser Handeln danach ausrichten.

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

 Schatten Rad 1 Kopie

                                               St. Otto, Oktober 2021

 „Mit dem Wind“...

… ist er ganz plötzlich wieder da, der „Schattenmonat“ Oktober! Schatten? Oktober? Ist denn die Frage, ob man im Café lieber im Schatten oder in der Sonne sitzen möchte nicht eher im Juli oder August angebracht? Zumindest sind das die Monate, in denen meine Frau und ich selten einer Meinung sind, wenn es um den besten Sitzplatz geht. Sie Schatten und ich Sonne. Daran hat sich in den letzten 29 Jahren nichts geändert. Wie gut, wenn beides vorhanden ist. Wobei ich mich regelmäßig benachteiligt fühle. Für Schatten kann man leicht durch einen gut platzierten Schirm, einen Sonnenhut oder auch eine Pergola sorgen. Aber wer sorgt für Sonne, wenn am Himmel wieder einmal dicke Wolken ihr Unwesen treiben? Die Welt ist so ungerecht – und immer auf Seiten meiner Frau!

Aber zurück zum Oktober und den langen Schatten, die von der tiefstehenden Sonne an einem wolkenarmen Tag wie aus dem Nichts auf den Boden gezaubert werden. An einem schönen Frühherbstnachmittag ist es meist soweit: Freundlich grüßend fährt auf einer Feierabendfahrradrunde mein Schatten neben mir. Überholt in der nächsten Kurve oder bleibt bescheiden zurück, wenn die Straße sich in die entgegengesetzte Richtung windet. Ein treuer Begleiter, kein Gegner, der mir davonradelt. Fest verbunden mit mir und meinem Rad folgt er mir durch Dick und Dünn, bergauf und bergab – bis zur nächsten Wolke. Dann ist er ganz plötzlich verschwunden, nur um Sekunden später in einer Wolkenlücke wieder vor, hinter oder neben mir aufzutauchen. Aus einer einsamen Ausfahrt wird so eine gemeinsame Tour durch die Herbstsonne. Wenn ich dem Schatten zuwinke, dann winkt er freundlich zurück, wenn ich an einer Steigung aus dem Sattel muss, dann schließt er sich ungefragt an. Eigentlich schön, denn so ein Schatten stört auch nicht die wunderbare Stimmung einer solchen Spätherbstrunde durch lautes Herumquatschen oder neugierige Fragen. Und die Entscheidung, in welche Richtung es gehen soll überlässt er gerne mir.

Einen Nachteil aber hat dieser Schatten, der da im Herbst so urplötzlich neben mir auftaucht. Er zeigt mir jedes Mal, dass ich wie ein nasser Sack auf meinem Rad sitze. Und was meine Frau mit all ihren Ermahnungen und gut gemeinten Hinweisen auf meine schlechte Haltung nie schafft, das gelingt diesem Schattenbild sofort: Ich drücke den Rücken durch, strecke mich, nehme Haltung an. Sieht gut aus der Mann! Fast wie ein Profi bei der Tour de France! Ein Bild von einem Rennradler! Aber spätestens nach einer halben Minute hoffe ich inständig, dass mich eine freundliche kleine Wolke erlöst und ich, unzensiert von meinem gnadenlosen Schatten, wieder in eine komfortable „Sackposition“ zusammensinken kann.

Mit der Entspannung ist es vorbei und der weitere Verlauf der Tour vorherbestimmt. Bei jeder Wolkenlücke heißt die Devise: Bauch einziehen, aufrichten, Schultern zurück! Der scheinbar so unselbstständige Schatten hat das Kommando übernommen und lässt sich, ein weiteres zunehmend lästiges Phänomen, auch nicht einfach abschütteln. Letztendlich hilft da nur der Schwenk in einen schattigen Waldweg, um die von der ungewohnten, orthopädisch korrekten Haltung schwer gebeutelten Muskeln und Sehnen nachhaltig zu entlasten. Denn hier verliert der Schatten urplötzlich die Kontrolle und muss hilflos mit ansehen, wie sein Erziehungsprogramm mal wieder gescheitert ist.

Haltung zeigen, Haltung bewahren. Das kleine Schattenspiel auf dem Rad zeigt deutlich, wie schwer uns das oft fällt. Wie gern lassen wir uns zurücksinken in unsere Komfortzone, obwohl wir wissen, dass das der falsche Weg ist. Wir lassen Probleme ungelöst liegen, in der Hoffnung, dass sich das alles schon irgendwie regelt. Wir beziehen nicht Stellung, aus Angst vor Unbequemlichkeiten, Gegenwind oder Ärger. Stattdessen bewundern wir viel lieber Menschen, denen die Haltung anscheinend in die Wiege gelegt wurde, die offensichtlich gar nicht anders können und uns das leidige und anstrengende Haltungsproblem durch ihr Engagement ersparen.

Zugegeben: Der unbarmherzige Schatten, der mir gestochen scharf meine Haltungsschwäche zeigt, der ist nicht unbedingt mein Freund. Aber stolz bin ich schon, wenn ich mal einen oder zwei Kilometer meine Haltung auf dem Rad bewahre. Sieht auch wirklich besser aus, tut den Knochen auf Dauer gut und steigert – auch das weiß ich ja – die Leistungsfähigkeit.

Haltung lohnt sich! Immer! Und es ist nie zu spät, eine gute, eine liebevolle, eine „menschenwürdige“ Haltung zu entwickeln.

Ich wünsche mir an vielen Stellen und in den unterschiedlichsten Bereichen unserer Gesellschaft mehr Mut, Energie und den klaren Willen, Haltung zu zeigen. Als Christen sollte uns das nicht schwerfallen, mit dem Blick auf Jesus, der selbst am Kreuz Haltung bewahrt und zu seinen Überzeugungen gestanden hat. Soweit müssen wir es sicher nicht kommen lassen. Aber ein wenig mehr unbequeme Zivilcourage, das könnten, das sollten – nein das müssen – wir uns leisten!

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

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