Kurtaxe / Bildungsreisen

Liebe Gäste, seit Mai 2017 ist nach vielen Jahren durch die Gemeinde Zinnowitz eine neue Kurtaxensatzung in Kraft gesetzt worden.

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Preise

Der Preis für eine Übernachtung in St. Otto setzt sich aus drei Teilen zusammen: aus dem Zimmerpreis, aus den Tagessätzen (Servicepaket), aus eventuellen Zusatzleistungen.

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St. Otto, Mai 2026

 „Mit dem Wind“...

… bin ich auf meinem täglichen Weg zur Arbeit an einem der zahlreichen Rapsfelder im Inselnorden vorbeigekommen. Jedes Jahr halte ich schon Anfang März Ausschau nach den ersten Trieben, die noch wenig attraktiv, wie Grünkohl oder Brokkoli daherkommen. Mit den ersten kräftigeren Sonnenstrahlen im April schießen die grünen „Bodendecker“ dann aber explosionsartig in die Höhe, zünden den Wachstums-Turbo, wie Jugendliche in der Pubertät, und dann dauert es nicht mehr lange, bis sich die ersten gelben Blüten zeigen.

In diesem Jahr musste ich mich allerdings in Geduld üben. Der April auf der Insel war kühl und windig. Da haben sich die meisten Rapspflanzen wohl im Abwarten und Heißen-Tee-Trinken geübt. Also die meisten. Vereinzelte Pflänzchen konnten es aber offensichtlich nicht abwarten, bis die Sonnenstrahlen intensiver werden und die Temperaturen im dauerhaft zweistelligen Bereich angekommen sind. Diese „Frühblüher“ reckten furchtlos schon Mitte des Monats ihre strahlend gelben Blüten in die noch frische Brise. Sehr zur Freude der ersten Insekten übrigens, von denen diese Vorhut der Frühlingsblütenvielfalt begeistert umschwärmt wurde.

Während ich so durch die Felder radelte und nach den nächsten gelben Tupfern Ausschau hielt, wurde mir mal wieder klar: Der liebe Gott hat die Natur einfach meisterhaft eingerichtet! Und Individualität wurde dabei von ihm ganz großgeschrieben. Der Landwirt hat seinen Raps nämlich mit Sicherheit nicht etwa häppchenweise ausgesät, nur damit bereits die ersten Bienen auf Nahrungssuche schon mal einen Vorgeschmack auf das frühlingshafte Schlemmerbuffet bekommen.

Ganz im Gegenteil. Der zuständige Agronom hätte am liebsten, dass nach Möglichkeit alle Rapspflanzen schön gleichmäßig wachsen, blühen und gedeihen. Schließlich will er ja nicht in Etappen ernten. Da sprechen schon arbeitsökonomische Gründe dagegen.

Und was machen die Raps-Pflanzen? Na, die meisten sind wohlerzogen, gehorsam und orientieren sich am Wunsch des Bauern. Aber da gibt es eben diese „Frühblüher“, die nicht abwarten können, bis der Rest endlich hinterherkommt und mitten im Feld einfach mal ein gelbes Blüten-Zeichen setzten. Und dann wären da noch die Schlafmützen, Faulpelze oder Spätstarter, die erst blühen, wenn der Rest des Feldes schon abgeblüht und fast erntereif ist. Dazu noch die Aus-der-Reihe-Tänzer, die einfach im nächsten Jahr als Wildwuchs noch einmal blühen, obwohl der Landwirt das Feld mit Sommerweizen bestellt hat. Was für eine Unordnung, möchte man schimpfen. Und das auf einem ordentlich bestellten Feld!

Aber gerade dieser Wildwuchs, diese Freiheit und Individualität macht unsere Natur aus. Und das individuelle Wachstum der Pflanzen, das außerhalb der ertragsorientierten Landwirtschaft natürlich noch viel dominanter vertreten ist, hat ja tatsächlich auch einen Sinn: Verlängerte Vegetationsphasen sind gut für die Insekten, stellen eine sichere Nahrungsquelle für zahlreiche Lebewesen und damit schlussendlich auch für uns dar.

Die Frühblüher, Nachzügler, Falschwachser oder Chaoten unter den Pflanzen haben alle ihre Aufgabe im komplexen System der Schöpfung. Die sind nicht etwa Schrott, Ausschuss oder Unkraut, nur, weil sie sich nicht an unsere Regeln halten. Dass uns manchmal das Verständnis dafür fehlt, wie alles zusammenhängt? Geschenkt! Wir sind schließlich nicht der göttliche Gärtner, der dieses komplexe System geschaffen hat, es hegt und pflegt.

Aber vielleicht sollten wir an der ein oder anderen Stelle darauf vertrauen, dass Gottes ganz eigener Ansatz bezüglich Wachstum und Individualität nicht nur für die Flora und Fauna um uns herum, sondern genauso auch für uns gilt.

Die Menschheit als eine gleichgeschaltete Herde von Robotern? Eine grässliche Vorstellung, auch wenn der ein oder andere Machthaber oder Potentat sicher begeistert wäre. Und zugegeben: Ich kenne auch Lehrer, die dem Gedanken einer folgsamen Herde durchaus etwas abgewinnen könnten.

Der göttliche Ansatz aber ist ein gänzlich anderer. Der verzichtet nämlich darauf, naseweise Frühblüher einzukürzen, und hat unendlich viel Geduld mit verschlafenen Nachzüglern, weil er weiß, dass gerade diese Vielfalt uns allen guttut.

Wachsen und gedeihen lassen. Ein schöner Vorsatz, nicht nur fürs Frühjahr.

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor     

St. Otto, April 2026

 „Mit dem Wind“...

… durch den Frühling geradelt und eine ungelöste, hochkomplexe Frage gewälzt. Da kommen Sie jetzt nicht drum herum. Geteiltes Leid ist ja bekanntlich halbes Leid. Also schnell noch ein Glas Orangensaft oder ein kräftigendes Müsli konsumiert und dann geht’s schon los.

Gestern lag die neue Ausgabe meines Radsportmagazins im Briefkasten. Im Leitartikel ging es mal wieder um das sogenannte Intervalltraining. Sie fragen sich, was das ist? Ganz einfach: Stellen Sie sich vor, Sie wollen einen Bekannten besuchen, der im elften Stock eines Hochhauses wohnt, und der Fahrstuhl ist kaputt. Also nehmen Sie notgedrungen die Treppe. Nach vier Stockwerken ist aber erst mal eine Verschnaufpause angesagt. Puh! Verdammt anstrengend, das Treppensteigen! Die nächste Pause ist im siebten Stockwerk fällig und eine weitere im zehnten. Wenn Sie dann - trotz der Pausen - außer Atem endlich in der elften Etage angekommen sind, haben Sie ganz ungeplant ein klassisches Intervalltraining absolviert. Anstrengung und Pause. Puls auf 170 und dann – auf den Treppenabsätzen – wieder runter auf 100 Schläge.

Auf dem Rad wäre das der Wechsel zwischen Sprints über mehrere Minuten – am besten noch mit Gegenwind und einer ordentlichen Steigung – und Erholungspausen, in denen man es einfach rollen lässt. Das Ganze wird wiederholt, bis die Luft raus ist und die Pause nicht mehr ausreicht, die Sauerstoffschuld des Körpers auszugleichen.

So weit, so gut. Aber was ist denn jetzt das Intervall? Der Sprint mit Puls, oder die unerlässliche Verschnaufpause danach? Meine Frau, die Musikerin ist, versteht mein Problem nicht. „Ein Intervall ist der Abstand zwischen zwei Tönen“, erklärt sie mir.

Aha. Meint sie damit vielleicht den Abstand zwischen zwei hyperventilierenden Hechlern nach einem sportlichen Sprint? Wohl eher nicht.

Versuche ich, die Erklärung meiner Frau in meine Intervall-Realität zu übertragen, dann stehe ich vor einem Problem. Wenn nämlich die Töne die kurzen Sprints wären, dann müsste das Intervall die Pause dazwischen sein. Nimmt man stattdessen die Erholungsphasen als Töne (also das laute Keuchen nach der Anstrengung), dann wäre das Intervall der vorangegangene Sprint. Was stimmt denn nun?

Während ich meine gemütliche Fahrt zwischen frisch bestellten Feldern fortsetze, stolpert eine meiner Hirnwindungen über den merkwürdigen Begriff des „Intervallfastens“. Auch so ein Ding. Sind die Intervalle beim gleichnamigen Fastenprogramm die Zeiten zwischen den Mahlzeiten? Dann würde ein entsprechendes Training beinhalte, dass diese Fastenperioden immer weiter ausgedehnt werden? Was für eine Horrorvorstellung! Oder bedeutet ein Intervalltraining beim Fasten die Nahrungsaufnahme bei den Mahlzeiten nach und nach zu steigern. Da wäre ich sofort dabei!

Schwierig, schwierig, die Sache mit diesen Intervallen. Verzweifelt suche ich nach einem weiteren Beispiel aus der Praxis und lande dabei unversehens im Kloster. Der klösterliche Tagesablauf ist genaugenommen durch eine Art „Intervallbeten“ geregelt. Vigil, Laudes, Prim, Terz, Sext, Non, Vesper, Komplet – je nach Kongregation ist der Tagesablauf durch mehr oder weniger häufige Bet- und Andachtszeiten also klar strukturiert. Ob die Ordensangehörigen allerdings die Zeit zwischen den Gebeten zum Verschnaufen benötigen, oder aber die Gebete die Entspannungsphasen im Verlauf des Tages darstellen? Ich weiß es nicht.

Das wird ja immer komplizierter! Gefühlt entfernt sich die Lösung der Intervallfrage gerade mit jedem geradelten Kilometer. Angenervt trete ich weiter in die Pedale. Irgendwie geht mir der ganze Intervallkram sowieso schon immer gehörig auf den Zeiger. Ich war und bin der Lust und Laune Radfahrer, Läufer, Esser oder auch Beter. Deshalb habe ich in meinem Leben wahrscheinlich auch nie einen Marathon gewonnen, die Tour de France nur am Bildschirm verfolgt und den Eintritt in eine Ordensgemeinschaft anderen überlassen.

Verpasste Chancen? Nicht für mich. Ich würde es vielmehr als Gewinn an Lebensfreude bezeichnen. Als Gegengewicht zu all den Ordnungen, Regelungen und Verpflichtungen, die unseren Alltag prägen. Intervalltraining? Das können die anderen machen. Ich für meinen Teil radle genau so schnell, wie ich möchte. Und ob mein Morgengebet pünktlich um 9 oder erst um kurz vor 10 im Himmel eintrifft? Geschenkt! Ich glaube nicht, dass der liebe Gott eine Stechuhr im Einsatz hat.

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor       

St. Otto, März 2025

 „Mit dem Wind“...

… möchte ich aus gegebenem Anlass mal den alten Goethe zitiert: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche …“ Endlich! War das ein Winter an der Ostsee! Zwei Monate mehr oder weniger durchgängig Temperaturen im Minusbereich. Viele Tage und Nächte herrschte sogar strenger Frost. Dazu ein steter, ohnehin schon eisiger Wind aus Nordost. Ich habe gefroren. Dauerhaft. Dabei stand das Rad seit Weihnachten im Hausflur, und Bewegung an der sehr frischen Luft beschränkte sich auf überlebensnotwendige Besuche im nahegelegenen Supermarkt.

Die Urlauber, die in Scharen auf der zugefrorene Ostsee flanieren wollten, hat die Kälte allerdings nicht abgeschreckt. Im Gegenteil: Der Jahresbeginn 2026 war auf Usedom der bestgebuchte seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahre – ja was weiß ich, welche Daten die Touristiker als Vergleichswert herangezogen haben! Auf alle Fälle ist man sehr zufrieden gewesen mit dem unerwarteten Gästeansturm. Und dem warmen Geldregen. Auch, wenn der sicher für die zu erwartende, exorbitante Heizkostennachzahlung draufgehen wird.

Und jetzt? Ganz ehrlich: Nach zwei Monaten Glätte und Eis vermisse ich das morgendliche Freikratzen der vereisten Autoscheiben, das Schlittern über ungestreute Gehwegabschnitte oder auch die Fahrten mit der UBB zur Arbeit, weil auf der Straße einfach gar nichts mehr ging. Irgendwie ist sie in den letzten Wochen tatsächlich zur Routine geworden, diese Entschleunigung bei jeder Art der Fortbewegung. Und auch den Blick nach oben, um mögliche Gefahren in Form dicker Eiszapfen oder Ästen, die unter ihrer Eislast zu brechen drohen, rechtzeitig zu erkennen, habe ich – trotz inzwischen frühlingshafter Temperaturen – noch nicht wieder völlig abgelegt.

Man gewöhnt sich an alles. So unrecht hat die alte Volksweisheit nicht. Während der erste Schneetag des Winters noch für Chaos auf den Straßen und hektische Katastrophenmeldungen oder – je nach Quelle – Weltuntergangsprognosen in den Medien sorgt, wird selbst ein ungewöhnlicher Eiswinter an der Ostsee nach einigen Wochen Alltag.

Aber jetzt plötzlich auf den Frühling einstellen? Die paar warmen Tage könnten ja ein hinterhältiges Täuschungsmanöver des launischen Wettergottes sein, um dem Winter die Chance für einen – nicht mehr erwarteten – Überraschungsangriff durch die Hintertür einzuräumen. Also lieber Vorsicht walten lassen, und Handschuhe, Wollsocken, Pudelmütze und die dicke Winterjacke weitertragen. Den Schweiß kann man ja gegebenenfalls abwischen.

So sind wir Menschen. Umstellung fällt uns schwer. Und das gilt auch für die flexibelsten Zeitgenossen unter uns. Wir brauchen unsere Routinen. Der eine mehr, der andere weniger. Sie geben uns Sicherheit und damit Handlungs- und Entscheidungsfreiheit. Wenn wir 50% unseres Lebens routiniert im Griff haben, dann bleiben immer noch die unkalkulierbaren restlichen 50%. Auf die können wir dann aber 100% unserer Kraft verwenden. Daher kommt auch unser – oft unbewusstes – Streben nach Routinen, Gewohnheiten und Berechenbarkeit. Je größer der „geregelte“ Teil unseres Lebens ist, desto entspannter können wir dem entgegensehen, was uns unerwartet dazwischenkommt.

Soweit die Theorie. In der Praxis sieht das ganz anders aus. Da haben wir uns gerade so richtig gemütlich in unserem routinierten Leben eingerichtet und dann kommt da irgendein ungeplanter Schicksalsschlag daher und stört die schöne Ruhe. Kein Problem, sollte man meinen. Dafür stehen doch die zusammengesparten 100% an Power zur Verfügung, die nur auf genau so einen Einsatz gewartet haben.  

Leider sieht die Realität aber meist ganz anders aus. Je mehr wir unser Leben nämlich gut geregelt haben, desto unflexibler reagieren wir auf Ereignisse, die diese Ruhe unerwartet stören. So geben Gewohnheiten und Routinen zwar Sicherheit, machen aber auch unendlich träge. Einsatzbereitschaft? Power? Flexibilität? Verschwunden! Alles unter einer dicken Paste klebriger Selbstzufriedenheit begraben.

Und genau an der Stelle kommt jetzt unser Wetter ins Spiel. Das schüttelt so ein bisschen Lösungsmittel nämlich locker aus der nächsten Wolke. Ein plötzlicher Regenschauer, ein unerwarteter Wintereinbruch, Sonnenschein, obwohl doch Nebel vorhergesagt war oder ein Temperatursturz. Ganz zu schweigen, von plötzlich auftretenden Tornados oder anderen Wetterextremen – unser Wetter bleibt, allen Modellen und Prognosen zum Trotz, unberechenbar. Darüber mag man lamentieren, meckern oder jammern – ändern wird sich daran nichts.

Wenn sie mich fragen, ist das Wetter mit all seinen Kapriolen Gottes überaus effektiver Trägheits-Aufrüttler für uns. Er sorgt als „Wettergott“ dafür, dass wir immer wieder gefordert werden, flexibel zu reagieren. In der Sportwissenschaft würde man sagen: Gott setzt ganz gezielte Trainingsanreize.

Apropos Sport! Endlich wieder Wetter zum Radfahren und Joggen. Und bald darf auch wieder gerudert und gesegelt werden. Die Schlittschuhe dagegen werden erst mal eingemottet. Bis – ja bis der Wettergott der Meinung ist, wir brauchen mal wieder einen kleinen, unerwarteten Aufrüttler. Ich hoffe nur, er wartet damit bis zum Dezember. Weihnachten wäre nicht schlecht.

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor