Kurtaxe / Bildungsreisen

Liebe Gäste, seit Mai 2017 ist nach vielen Jahren durch die Gemeinde Zinnowitz eine neue Kurtaxensatzung in Kraft gesetzt worden.

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Preise

Der Preis für eine Übernachtung in St. Otto setzt sich aus drei Teilen zusammen: aus dem Zimmerpreis, aus den Tagessätzen (Servicepaket), aus eventuellen Zusatzleistungen.

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familie

Bienenksten 2

            St. Otto, Oktober 2022

 „Mit dem Wind“...

… ist er schon wieder vorbei, der Sommer mit seinen langen, hellen Tagen voll von Sonnenschein, luftiger Kleidung und ausgelassener Urlaubsstimmung. Das Herbstgrau steht mit Regenjacke und Kapuze, Schal und wetterfesten Schuhen schon mit einem Gummistiefel in der Türe. Obwohl: Graue Miesepeter-Kleidung ist in der dunklen Jahreszeit eher nicht zu empfehlen. Die schlägt zusätzlich aufs Gemüt. Hell und bunt sollte die Herbstgarderobe daherkommen oder zumindest über den ein oder anderen leuchtenden Reflektor verfügen.

Ja und ans Rad gehört natürlich eine ordentliche Beleuchtung. Sehen und gesehen werden heißt die Devise, und dabei geht es in diesem Fall absolut nicht um persönliche Eitelkeiten, sondern ausschließlich ums Überleben.

Nun habe ich eigentlich gar nichts gegen den Herbst. Bunte Blätter und goldene Herbstsonne, weniger Autoverkehr, kürzere Tage und längere Abende, an denen man es sich mit Lesen, Klönen oder einem zünftigen Kartoffelfeuer wunderbar gemütlich machen kann. Was gibt es Schöneres, nach einer anstrengenden und oft hektischen Sommersaison?

Aber eine Sache stört mich doch am Herbst, am Winter und überhaupt an der dunklen Jahreszeit: Die Menschen werden unsichtbar! Also nicht, dass sich alle ab Oktober urplötzlich in Luft auflösen würden. Die sind schon noch da. Aber eben versteckt. In dicken Jacken, unter Mützen und Kapuzen, in Autos, Bahnen und Bussen. Und genau deshalb werden meine Mitmenschen so seltsam gesichtslos. Während mir im Sommer, auf meinem Weg zur Arbeit, gefühlt die halbe Insel – Schülerinnen und Schüler, die arbeitende Bevölkerung oder auch die „Lärchen“ unter unseren Urlaubern – radelnd und freundlich grüßend entgegenkommt, bin ich im Winterhalbjahr fast immer allein unterwegs. Und auch die Autofahrer, die im Sommer freundlich hinter ihren Windschutzscheiben lächeln oder winken – im herbstlichen Dunkel bleibt davon nichts als das Blendlicht der Scheinwerfer.

Gesichter, Lächeln, Gute-Laune-Morgenbooster? Fehlanzeige! Ja nicht einmal mehr die Rehe oder Vögel sind zu sehen. Denn glitzernde Reflektoren oder eine bunte Lichterkette für Fell und Federn haben sich in der Tierwelt bisher nicht durchgesetzt, sieht man mal vom blinkenden Halsband ab, dass sich Waldi oder Fiffi aber mit Sicherheit nicht selbst übergestreift hat.

Was bleibt mir also anderes übrig, als einsam durch das trübe Morgendunkel zu radeln? Motiviert und angetrieben einzig und allein von der Aussicht auf einen heißen, schwarzen Kaffee im Büro.

Es gibt allerdings noch eine andere Möglichkeit. So Vieles, was wir nicht sehen, ist doch trotzdem vorhanden. Unser Herz zum Beispiel. Das schlägt, wir fühlen es zwar manchmal, aber bei der Arbeit zuschauen können wir ihm bestenfalls mithilfe eines Ultraschallgeräts. Oder die Liebe eines Menschen. Klar, kann man versuchen, sie durch Gesten, Geschenke oder Worte auszudrücken und so ein klein wenig „sichtbarer“ zu machen. Aber das sind nur äußere Zeichen für ein Gefühl, das uns oft auch ganz ohne solch greifbare Verstärker über Jahre, ja im besten Fall Jahrzehnte oder auch ein ganzes Leben lang trägt.

Und schließlich Gott. Den haben wohl die wenigsten von uns schon mal persönlich getroffen. Das brauchen wir auch gar nicht. Wir glauben, nein, als Christen wissen wir, dass es ihn gibt. Das reicht, um uns sicher, geborgen und angenommen zu fühlen, mit ihm zu sprechen, ihn anzurufen und seine Stimme zu hören. Blickkontakt zu Gott? Überflüssig! Ist doch auch völlig egal, wie der aussieht. Hauptsache, er ist da. Und das ist gesetzt!

Die Menschen in den Autos, denen ich im Morgendunkel begegne, lächeln im Herbst und Winter vielleicht genauso freundlich, wie im Sommer. Nein, ganz bestimmt tun sie das! Auch wenn sicher an der ein oder anderen Stelle hinterm Steuer auch der Kopf geschüttelt wird, über diesen „Verrückten“, der da bei Wind und Wetter durch die Dunkelheit strampelt.

Wir sind so ungeheuer abhängig von äußeren Zeichen, von Symbolen, vom Sehen. Was wir nicht sehen, das ist nicht da, das gibt es einfach nicht. Im unsichtbaren Dunkel lauern ausschließlich Gefahren. Das haben wir so gelernt. Dabei wissen wir es eigentlich besser. Nur fehlt es uns oft an Mut, Glauben und nicht selten an einer positiven Lebenseinstellung.

Ich zumindest werde in den kommenden Monaten freundlich in die Autoscheinwerfer lächeln und mir ganz einfach vorstellen, wie aus der Fahrerkabine zurückgelächelt, gewunken und gegrüßt wird. Das motiviert! Auch im stärksten Südweststurm, im Hagelschauer, im Platzregen. Und dann wartet da im Büro ja auch noch der warme Kaffee …

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rekto
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Afrika3 Kopie

St. Otto, September 2022

 „Mit dem Wind“...

… mal eben schnell nach Afrika. Oder lieber doch nicht? Ganz schön weit weg von Usedom. Also mit dem Fahrrad meine ich. Aber auch mit dem Auto. Wenn ich an die Benzinpreise denke. Und das Flugzeug nehmen? Spätestens seit „flygskam“ als geflügelter Begriff die Runde macht, ist der Flieger eigentlich ein „No-Go“, was Umweltschutz und Nachhaltigkeit betrifft.

Was aber tun, wenn man von Fernweh und Urlaubssehnsucht heimgesucht wird? Ganz einfach: Man radelt an einem sommerlichen Abend von Trassenheide nach Mölschow, der untergehenden Sonne entgegen. Träumt von Elefanten und Giraffen, Affenbrotbäumen und weiten Steppen, schaut tiefenentspannt nach rechts und links und – befindet sich urplötzlich mitten im tiefsten Afrika! Rechts neben dem Radweg weiden, versteckt im hohen, trockenen Gras, beigefarbene Rinder. Die Kälber sind nur zu erahnen und die Herde strahlt eine schläfrige Ruhe aus. Aber was ist das, dort hinten im Gras?! Bewegt sich da nicht etwas zwischen den mannshohen Halmen? Lauert dort vielleicht ein Gepard oder gar ein Löwe, um sich ein saftiges Steak zum Abendbrot zu besorgen? „Lauft, ihr Kälbchen!“, möchte ich rufen, aber sehe im nächsten Augenblick den mächtigen Bullen der Herde durch das sich teilende Gras stapfen.

Uff! Noch mal gutgegangen! Mein Puls beruhigt sich langsam und jetzt entdecke ich auch den Zaun, der die Weide der Rinder begrenzt. Ist halt doch nur Usedom und nicht Afrika …

Aber der magische Moment hält noch eine Weile an. Ich schaue den Rindern zu, wie sie durchs hohe Gras streifen, verdränge alle Gedanken an Waldbrandstufe oder Klimawandel und genieße diese afrikanischen Minuten, mitten im Usedomer Sommer.

Zu Hause und doch ganz weit weg. Das klappt nicht immer. Eigentlich eher selten. Denn dazu braucht es Luft und Raum, den die Routinen des Alltags mit gnadenloser Konsequenz einengen. Vielleicht verreisen wir deshalb so gern, brechen aus und verlassen unsere sichere Weide, um Neues zu erleben und Ablenkung zu erfahren. Und dann? Nach einem kurzen Urlaub geht es zurück in unser persönliches Gefängnis aus Beruf, sozialen Verpflichtungen, belastenden Aufgaben und unerfüllten Erwartungen. Der Gefängniswärter ist streng und bestraft Verstöße gegen diese Ordnung mit schlechtem Gewissen, Schlafentzug und Selbstvorwürfen. Und der nächste Freigang liegt erschreckend weit in der Zukunft: Erst im Juli des kommenden Jahres steht der Jahresurlaub an. Bis dahin …

… bis dahin heißt es nicht „Tage zählen, Trübsal blasen und Kalenderblätter abreißen“, sondern immer mal wieder einen kleinen Ausbruch wagen: ins Theater, den Stadtpark, den nahen Wald, die Eisdiele um die Ecke, das Hallenbad mit Sauna, die Hunderunde oder auch die Radtour am Wochenende. Sie werden feststellen: Mit jedem Ausbruch wird die Mauer niedriger, werden die Gitterstäbe durchlässiger und selbst der strenge Gefängniswärter zeigt im Laufe der Zeit völlig unerwartete Züge von Milde und Gelassenheit.

Afrika liegt um die Ecke, der Nordpol hinter der nächsten Straßenkreuzung und die Karibik auf dem direkten Weg zur U-Bahn! Nehmen Sie sich die Zeit, auch im Alltag das Schöne, das Unerwartete zu entdecken! Lassen Sie die vielen wunderbaren Momente, Stunden, Tage und Wochen des Alltags nicht ungenutzt verstreichen, mit sinnlosem Warten auf scheinbar bessere. Schicken Sie ihren persönlichen Gefängniswärter in den Ruhestand, tragen Sie mutig die Jeans im Leopardenlook, pflanzen Sie einen Affenbrotbaum in den Blumentopf auf dem heimischen Fenstersims und träumen Sie unter der Dusche von fantastischen Korallenriffen. Das schont die Umwelt (wenn Sie es mit dem Duschen nicht übertreiben) und macht gute Laune! Und die bringen Sie dann im nächsten Sommer wieder mit, auf die schönste Urlaubsinsel der Ostsee!

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rekto
r

 

Leuchtturm Maltzien Rgen2

St. Otto, August 2022

 „Mit dem Wind“...

… kommt manchmal alles anders, als man das so geplant hat. Das trifft ausnahmsweise auch auf diese Kolumne zu, in der die kleine Lebensweisheit sonst regelmäßig am Ende zu finden ist. „Der Mensch denkt, doch Gott lenkt“ – oder wie es, viel poetischer, im „Buch der Sprichwörter 16,9“ heißt: „Des Menschen Herz plant seinen Weg, doch der Herr lenkt seinen Schritt.“

Wenn das mal so einfach wäre! Das Steuer aus der Hand geben, spürbar die Kontrolle verlieren, die Planung scheinbar dem Zufall überlassen – was für Schreckensszenarien in unserem durchorganisierten Alltag, in dem schon der verspätete Bus bei manch einem für steigenden Blutdruck sorgt. Dabei sehnen sich das Herz und der ständig geforderte Geist doch danach, einfach mal „Fünfe gerade sein“ oder auch für eine Weile „die Seele baumeln“ zu lassen. Für Christen kein Problem? Pustekuchen! Nur zu gern greifen wir Gott ins Steuer, weil wir doch ganz genaue Vorstellungen haben, in welchen Bahnen unser Leben verlaufen soll. Und stört ihn das? Ich glaube kaum. Der liebe Gott ist doch längst autonom unterwegs und Instrumente wie Lenkung, Navi oder Kompass hatte er noch nie nötig, wenn es darum ging, uns sicher und zielgerichtet durchs Leben zu manövrieren. Nun gut, sein Ziel ist vielleicht nicht immer das von uns priorisierte, aber mit Sicherheit das allerbeste für uns. Soviel steht fest!

Aber jetzt zur Geschichte, die vor dieser Erkenntnis steht. Und die ist vielleicht etwas länger als sonst. Also eigentlich der Weg bis dahin, zur Erkenntnis – und nach Rügen. Denn dort geht es los. Und alle, die mit dem Radfahren nichts am Hut haben, die hören an dieser Stelle auf zu lesen, legen die Füße in der Hängematte hoch oder sich entspannt in die Sandburg und lassen Dreie, Viere oder auch gern Fünfe gerade sein.

Vätternrunde mit 315km zu lang, Bastad 198 abgesagt und deshalb spontan RügenRund als diesjährigen Radmarathon gebucht. 87km sind zwar im Grunde keine wirkliche Herausforderung, und selbst mit ordentlich Wind und diversen Hügeln müsste die Strecke in maximal 4 Stunden zu schaffen sein. Pessimistisch kalkuliert und eine halbstündige Mittagspause eingepreist. So also der Plan, als ich mich am 11. Juni auf nach Selin zum Start machte.

Dort erwartete mich, neben erstaunlich wenig Wind und angenehmen Temperaturen, ein mehr als überschaubares Häuflein von 24 Radlerinnen und Radlern. Also die warteten nicht auf mich, sondern hatten sich um einen kleinen Stand geschart, an dem es vor dem Start Kaffee und Kuchen für die Teilnehmenden gab. Ein Blick auf das Teilnehmerfeld löste leichte Irritation bei mir aus. Der Altersschnitt lag bei geschätzten 70 Jahren. Ein weiterer Blick fiel auf die Rennräder – und ich war froh, das Modell mit Scheibenbremsen und modernster Technik zu Hause gelassen zu haben. Immerhin hatten die mitgebrachten Drahtesel dieser Rentnergruppe Rennlenker und keine Motorisierung. Aber wollten sich die Senioren tatsächlich gleich zügig auf eine so lange Strecke begeben? Wo stand bitteschön der Krankenwagen, der hier als Begleitfahrzeug sicher unerlässlich war?

Mit solchen und ähnlichen Überlegungen schob ich mir noch schnell zwei Stücke des köstlichen Kuchens („Heute zur Premiere for free!“) in den Mund, rechnete mir dabei gute Chancen auf einen Podiumsplatz aus und stellte mich in den Startkorridor. Das Startsignal gab Olaf Ludwig, Olympiasieger von 1988 und mehrfacher Etappensieger bei der Tour de France. Und es hatte mich schon etwas irritiert, dass er einen großen Teil der Teilnehmenden kannte und persönlich begrüßte. Waren das vielleicht alles Wölfe im Schafspelz? Misstrauisch sah ich mich um. „Bis zum Kreisverkehr fährt die Polizei voraus. Tempo 30, damit wir nicht zu schnell anfahren“, rief Ludwig noch, und bevor ich diese Information richtig verdaut hatte, setzte sich der Tross zügig in Bewegung. Munter quatschend nahmen die Alten Tempo auf und ich hatte Mühe, auf meinem modernen Edelrenner nicht den Anschluss zu verlieren. Aber egal. Wenn die mich mitzogen, dann war vielleicht auch eine Zeit von unter drei Stunden möglich…

Nach 7km überließ uns das Begleitmotorrad der gut ausgeschilderten Strecke und nur wenige 100 Meter weiter rief einer der Senioren: „Links abbiegen!“ Wie? Die Ausschilderung zeigte geradeaus! Und die Spitzengruppe folgte dieser Strecke auch. Aber die 8 Radler vor mir bogen mit Schwung nach links auf eine Nebenstraße ab und der Herdentrieb - oder was weiß ich - verleitete mich, Ihnen zu folgen. Mit dieser Entscheidung, das wurde mir sofort klar, hatte ich mich als Ortsunkundiger den sieben Herren und einer Dame auf Gedeih und Verderben ausgeliefert. Meine Hoffnung, dass es sich nur um eine kleine Abkürzung handelte, schwand von Minute zu Minute. Auch deshalb, weil die Spitze unserer kleinen Radlergruppe permanent miteinander diskutierte, welcher Feldweg, welche Fußgängerzone oder welcher Radweg als nächstes genommen werden sollte. Die waren nicht nur schnell, die kannten sich auch noch bestens aus! Zumindest die Oldies. Die zwei Jungspunde hinter mir waren wohl wie ich nur zufällig bei der Truppe gelandet.

Die Strecke schlängelte sich durch blühende Felder und verkehrsarme Bereiche. In Sassnitz holperten wir auf dem Fußgängerweg zum Hafen hinunter, krochen auf üblem Kopfsteinpflaster an der anderen Seite wieder hinauf, erhaschten einen kurzen Blick auf die Radler, die dem offiziellen Kurs gefolgt waren, und quatschten – wenn nicht gerade der Weg diskutiert wurde – über Gott und die Welt. Einfach schön! Nur abhängen lassen durfte ich mich auf keinen Fall! Bestimmt waren wir auch auf einer Abkürzung unterwegs, denn die Truppe kannte tatsächlich jede Gießkanne am Wegesrand.

Aber wo war das Depot mit dem versprochenen Mittagessen? Ich hatte Hunger und die 44km, die auf dem Tacho standen, entsprachen genau meinem Magenknurren und der angegebenen Entfernung bis zur Verpflegungsstation. „Wir sind gleich da! Noch 5km“, hörte ich da den Chefscout von vorn rufen. Wie?! Noch 5km!!! Statt Abkürzung eine Verlängerung? Im Geiste rechnete ich die Zeit durch, dachte an einen schnellen Mittagsimbiss und stellte fest, dass damit die ursprünglich geplanten 4 Stunden immer noch im Bereich des Möglichen lagen. Die Mittagspause hielt sich auch tatsächlich im Rahmen. Zwar mussten noch ein Pedal repariert, die Toilettenschlange erfolgreich absolviert und der Körper mit reichlich Kohlehydraten versorgt werden, aber trotzdem saßen wir zügig wieder im Sattel. Das lag vielleicht auch an der dunkelgrauen Färbung der Bewölkung über uns. Und als wir schließlich Bergen erreicht hatten, brach ein ordentliches Unwetter über uns herein. Nun gut, das ist man bei solch langen Strecken gewohnt und hat sich deshalb entweder rechtzeitig mit einer ordentlichen Regenjacke versehen oder trotzt dem Wetter, indem man den Platzregen nach Möglichkeit ignoriert. Nicht so mein „Team“. „Unterstellen!“, hörte ich von vorn – und schwupp standen alle im Eingang eines öffentlichen Gebäudes. Dabei waren wir doch schon alle nass! Meine schöne Zeit!! Die 4 Stunden!!! Aber meine Fahrgemeinschaft kannte kein Pardon: „Wir sind Schönwetterfahrer“, hieß es nur lapidar.

Erst als es wirklich wieder trocken war, ging die Tour weiter. Ungefähr 2km. Dann war der nächste Regenstopp unter einem großen Baum angesagt. Spätestens hier hatte ich die 4 Stunden längst begraben. Da störte es dann auch nicht mehr, dass wir im weiteren Verlauf der Fahrt noch den ein oder anderen Umweg zu „besonderen touristischen Sehenswürdigkeiten“ einlegten.

Aber vielleicht wenigstens die 4:15 Stunden …? Vier Kilometer vor dem Ziel keimte wieder ein zartes Hoffnungspflänzchen. Aber nur für wenige Augenblicke. „Pinkelstopp!“. Die einzige Dame in der Gruppe gab das Kommando und mir die Erklärung dazu: „Im Ziel gibt es keine Toiletten.“ Na prima! Bis sich alle in die Büsche verteilt hatten, verstrichen wertvolle Minuten. Und dann, kaum saßen wir wieder im Sattel, rief Heinrich, mit Ü80 der Älteste in der Gruppe: „Ich hab nen Platten!“ Auch das noch! Ich überlegte kurz, einfach weiterzufahren, verwarf diesen zutiefst unsolidarischen Gedanken aber gleich wieder. Stattdessen beteiligte ich mich rege an der Diskussion, ob Flicken oder einfaches Aufpumpen 2km vor dem Ziel die bessere Lösung sei.

Heinrich entschied sich – zum Glück – fürs Pumpen und dann, endlich, lag das Ziel vor uns. Ein Sprint? Wertvolle Plätze gutmachen, wenn schon die Zeit unsäglich schlecht ausfällt? Blödsinn! Ich ließ den alten Herren, mit denen ich mich über Stunden wunderbar unterhalten hatte und die mich zuverlässig durch verwinkelte Ecken Rügens nach fast 100km ans Ziel gebracht hatten gern den Vortritt. Schließlich sprang ein hervorragender 18. Platz in der geradezu unglaublichen Zeit von 4:39 Stunden bei dieser Rundfahrt heraus. Festgehalten im Zielfoto von einem weiteren ehemaligen Olympiasieger, der so alt aussah, dass er diesen Sieg wohl bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit errungen hatte.

„Der Mensch denkt, doch Gott lenkt“. Vielleicht nicht immer auf dem kürzesten Weg und auch nicht so schnell, wie wir das gerne hätten – in jedem Fall aber auf dem für uns besten Weg!

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rekto
r

 

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