Kurtaxe / Bildungsreisen

Liebe Gäste, seit Mai 2017 ist nach vielen Jahren durch die Gemeinde Zinnowitz eine neue Kurtaxensatzung in Kraft gesetzt worden.

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Preise

Der Preis für eine Übernachtung in St. Otto setzt sich aus drei Teilen zusammen: aus dem Zimmerpreis, aus den Tagessätzen (Servicepaket), aus eventuellen Zusatzleistungen.

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familie

Bienenksten 2

St. Otto, Januar 2023

 „Mit dem Wind“...

… habe ich heute, wie fast jeden Morgen in den vergangenen Wochen, das letzte Blatt an der alten Eiche, am Ortseingang von Bannemin ins Visier genommen. Das hängt an einem dünnen Ast und trotzt seit Monaten dem alljährlichen Laubabwurf „seines“ Baumes. Die Laubträger rund herum - egal ob Birke, Kastanie oder Buche - kommen schon seit den frühen Novembertagen kahl und blattlos daher. Die alte Eiche aber hat lange um ihre letzten Blätter gekämpft, den Herbstwinden getrotzt und musste schließlich doch einsehen, dass gegen die Sturmgewalten kein Kraut oder Blatt gewachsen ist. Also fast keines. Denn das besagte Exemplar hängt auch heute, am dritten Tag des neuen Jahres, noch eisern und unverzagt in der Krone des Baumes.

Irgendwie erinnert mich die Beharrlichkeit dieses Winzlings im Geäst der Eiche an das kleine gallische Dorf, dessen Eroberung den Römern einfach nicht gelingen wollte. Vielleicht, so eine meiner Hypothesen, wird es von der Eiche klammheimlich mit Zaubertrank versorgt? Vielleicht ist es aber auch so unscheinbar, dass der Wind sich lieber um imposantere Projekte, wie das Abdecken von Dächern, das Umknicken von Bäumen oder zumindest das Umreißen schlecht befestigter Baustellenabsperrungen kümmert. Warum sich an einem einsamen, kleinen Blatt abarbeiten, wenn größere, eindrucksvollere Aufgaben locken?

So kurz nach Silvester kommt mir auf meinem weiteren Weg ein Gedanke: Geht es uns mit all den guten Vorsätzen zum Jahresbeginn nicht ähnlich, wie unseren Laubbäumen mit ihren Blättern im Herbst? Stolz tragen wir sie vor uns her, wie der Baum sein prächtiges Blätterkleid im Sommer. Sie bieten Raum für neue Ideen, sind Startrampe für Pläne und hochfliegende Gedanken. Die Sektlaune der Silvesterfeier trägt dazu bei, immer neue, noch großartigere Ideen zu entwickeln und diese mit Böllerknall und Feuerwerk zu besiegeln.

Doch oft verlieren diese guten Vorsätze ihren Silvesterglanz viel schneller als geplant, beginnen zu welken und fallen – mal völlig unbemerkt, ein andermal mit schlechtem Gewissen – aus der Krone des Silvester-Mammutbaumes hinab in die Pfütze des Alltäglichen. Was bleibt, von all den guten Plänen, heroischen Vorsätzen und Zielen aus der Neujahrsnacht, ist nicht selten weniger als nichts.

Im Prinzip ist das auch nicht schlimm. Denn würden wir tatsächlich alle unsere guten Vorsätze binnen Jahresfrist umsetzen – was bliebe dann noch übrig für die nächste Silvesterfeier?

Aber so ein guter Vorsatz, der bleibt, der sich festklammert, der durchhält, der allen Stürmen und Verlockungen des Alltags trotzt: Das wäre doch ein Erfolg! Und hier kommt wieder das kleine Blatt ins Spiel. Im Sommer noch war es eines von unzähligen, versteckt in Dickicht der Baumkrone. Im Herbst, als die anderen Blätter erst einzeln und dann in großen, ungeordneten Haufen vom Baum fielen, da gehörte es einer kleinen Widerstandsgruppe an. Und seit dem letzten Wintersturm hält es allein aber eisern die Fahne hoch bzw. die Blattspitze in den Wind. Ich bin mir sicher, dass es durchhält. Bis zum Frühjahr, wenn neues, frisches Grün den Baum aus seiner tristen Zeit als blattloses Gerippe erlöst. Dann kann es beruhigt loslassen, mit einer lauen Frühlingsbrise sanft in Richtung Boden segeln und sich dort, von der warmen Frühlingssonne auf die strapazierte Haltemuskulatur massieren lassen.

Mit dem Durchhalten ist das so eine Sache. Es erfordert Kraft und Zuversicht, Ausdauer und einen festen Willen. Ja und manchmal auch Unterstützung, wenn die eigene Kraft nicht reicht, oder Zweifel auftauchen. Und schließlich ist da auch immer ein Quäntchen Glück dabei, damit scheinbar Unvorstellbares tatsächlich gelingt. Wenn wir uns auf das Wesentlich konzentrieren, uns nicht verzetteln oder uns zu viel abverlangen, dann schaffen wir oft mehr, als andere, ja als wir selbst uns zutrauen.

Wer möchte schon ein Blatt im Wind sein? Normalerweise. Aber dieses besondere Blatt, das ist für mich in diesem Jahr der Halt, wenn mein guter Vorsatz in schweres Wetter gerät, wenn Alltag, Inkonsequenz und nachlassendes Bemühen wie Winterstürme an ihm rütteln. Das Blatt und ich werden ihnen trotzen!

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rekto
r

 

Schwne


                                                               St. Otto, Dezember 2022

 „Mit dem Wind“...

… kam er nicht, der goldene Schwan. Eine Familie hat im letzten Sommer das riesige, luftgefüllte Tier mitgebracht. Mehr als einen Meter hoch ragte der Hals über den schwimmringartigen Körper des Schwans, den kleine, goldene Flossen im Wasser stabilisierten und ihn so vor dem Kentern bewahrten.

Beim Wettbewerb um das größte aufblasbare Gummitier der Insel hätte „Goldi“, so sein Spitzname, sicher den ersten Preis errungen. Auch in der Kategorie hässlichste Schwimmhilfe wäre ihm wahrscheinlich ein Platz auf dem Podium sicher gewesen. Aber beide Disziplinen waren den Besitzern völlig egal. Der Familie ging es gar nicht darum, besonders aufzufallen. Im Gegenteil. „Goldi“ erfüllte durch seine Größe nur einen Zweck: Er stellte für die 12jährige, schwerbehinderte Tochter der Familie die einzige Möglichkeit dar, das Wasser der Ostsee zu erobern und so gemeinsam mit ihrer Familie und den anderen Badegästen Strandurlaub und Badespaß zu genießen. Vom Rollstuhl trug Papa das Mädchen bis zum Schwan, der bereits im seichten Wasser wartete, seine Gummiflügel ausbreitete und – vielleicht war er sich seiner Bedeutung bewusst – stolz den Kopf in Richtung Sonne reckte. Und dann? Dann begann der Badespaß! Was auch sonst?

Die Tage vergingen und das Urlaubsende nahte. Am Abreisemorgen wurde ich zur Rezeption gerufen. Dort wartete die Familie, und dort hatte sich auch der goldene Schwan niedergelassen. „Dürfen wir den hierlassen?“, fragte mich die Mutter. „Er hat unserer Tochter viel Freude bereitet, aber zu Hause haben wir kein Meer und auch keinen See in der Nähe. Vielleicht freuen sich andere Familien über ihn.“ Ich schaute „Goldi“ tief in seine großen, freundlichen Augen und entdeckte dann erst den Aufkleber an seinem Hinterkopf. Mit einem wasserfesten Stift hatte die Familie auf die Klebefolie folgenden Satz geschrieben: ICH BIN FÜR ALLE!

Diesen anspruchsvollen Auftrag nahm unser goldener Schwan sehr ernst. Den ganzen Sommer über war er im Einsatz. Oft nahmen in Familien mit an den Strand. Einmal begleitete er sogar die jungen Erwachsenen der Exerzitiengruppe von „Surf an Soul“ bis nach Koserow und surfte am dortigen Strand durch die Wellen. Auch die Soldaten des Seelsorgekurses nahmen ihn mit an die Ostsee und leerten in der untergehenden Sonne das ein oder andere Bier auf sein Wohl. Ja und manchmal übernachtete der goldene Schwan auch an unserem Strandabschnitt, wenn müden Kinderarmen nach einem erlebnisreichen Strandtag die Kraft für den Rücktransport fehlte. Am nächsten Morgen begrüßte Goldi dann die neugierigen Möwen, schlaftrunkene Bernsteinsammler-Frühaufsteher oder – wenig später – die ersten Badegäste mit einem freundlichen: ICH BIN FÜR ALLE.

ICH BIN FÜR ALLE! Ist das nicht der Kern der Weihnachtsbotschaft? Genau das feiern wir doch an Weihnachten: Die Geburt Jesu, der für alle, ja für wirklich alle da war, da ist und immer da sein wird!

Wenn wir uns nur ein wenig an ihm orientieren, oder auch an unserem goldenen Schwan, wenn wir unsere Mitmenschen im Blick haben und vorurteilsfrei, unvoreingenommen und bedingungslos auf sie zugehen, dann ist Weihnachten. In unserem Tun, in unseren Herzen, auf der ganzen Welt!

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rekto
r

 

Sonnenaufgang2

                                               St. Otto, November 2022

 „Mit dem Wind“...

… unterwegs, am 9. Oktober. Von wegen „mit dem Wind“! Vorhergesagt war ein ordentlicher Südwind. Also bester Schiebewind auf meinem Weg zur Arbeit. Stattdessen blies er wieder einmal aus meiner „Lieblingswindrichtung“: Südost. Und saukalt!

Auf der kleinen Anhöhe hinter Wolgast hob ich kurz den Kopf, den ich zwischenzeitlich wie eine Schildkröte zwischen die Schulterblätter eingezogen hatte. Naseputzen! Und aus dem Augenwinkel sah ich den Vollmond, der rund und klar über der Peenewerft stand. Schön, da hatte ich wenigstens den Schuldigen für meinen gestörten Nachtschlaf ausgemacht: Vollmond! Na klar! Hätte ich mir ja denken können.

Und weiter ging es durch den eisigen Wind. Der Neeberger Weg lag vor mir, mit dem Blick über die Felder bis hinunter zum Achterwasser. Ein wolkenloser Himmel bereitet den Sonnenaufgang vor. Großer Auftritt! Und dann schob sie sich langsam über den Horizont, die Grand Dame des Tagesbeginns. Völlig unbeeindruckt von der Kälte. Sonne müsste man halt sein. Dann hätte man es immer schön kuschelig!

So ein Sonnenaufgang geht im Übrigen ratzfatz. Noch ehe ich Krummin erreicht hatte – also zugegeben, mein Tempo wurde durch den Wind (Sie erinnern sich?) ziemlich reduziert – stand der runde Feuerball schon ein ganzes Stück über dem Horizont und strahlte mich an.

Aber was machte eigentlich der Vollmond, der faule Kerl? Hatte der sich schon zum Morgennickerchen verabschiedet? Ich schaute mich um. Nein! Der Mond ließ sich heute mal richtig Zeit mit dem Untergehen. Und so befand ich mich plötzlich mitten zwischen zwei riesigen, leuchtenden Himmelskörpern. Der eine fahl mit deutlich erkennbaren Mondkratern und leichtem Hang zur Schläfrigkeit, die andere so strahlend hell und schön, dass man auch mit Sonnenbrille auf der verkühlten Nase besser nicht genauer hinsah, um nicht geblendet zu werden. Und dazwischen ich: schnaufend, frierend, strampelnd.

Ja und dann war sie plötzlich da, die Erkenntnis: Alpha und Omega, Anfang und Ende. Und dazwischen wir, die wir uns in unserem begrenzten irdischen Dasein abstrampeln. Nicht am Anfang steht das Licht, die Sonne, sondern am Ende unseres Lebens. Ihr gehen – oder radeln – wir entgegen. Ein gutes Gefühl, so ein schönes Ziel vor Augen zu haben. Aber auch das „Woher“ hat seine Schönheit, seinen ganz besonderen Glanz. Geborgen zwischen Monduntergang und Sonnenaufgang. Wie geht es uns als Christen gut!

Und während ich weiter mit dem eisigen Südostwind kämpfte, den Blick immer wieder zwischen Sonne und Mond oder auch Mond und Sonne schweifen ließ, da wurde es mir doch tatsächlich wärmer. Nicht an den Fingern oder der roten Nasenspitze, aber im Herzen. Gab es da nicht dieses wunderbare Spiritual von 1927: "He's got the whole world in His hands" oder auf der Deutsch: „Gott hält die ganze Welt in seiner Hand“? Genau so habe ich mich gefühlt, an diesem Oktobermorgen. Geborgen in Gottes Hand, zwischen Alpha und Omega, in allen Stürmen des Lebens!

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rekto
r

 

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