Kurtaxe / Bildungsreisen

Liebe Gäste, seit Mai 2017 ist nach vielen Jahren durch die Gemeinde Zinnowitz eine neue Kurtaxensatzung in Kraft gesetzt worden.

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Preise

Der Preis für eine Übernachtung in St. Otto setzt sich aus drei Teilen zusammen: aus dem Zimmerpreis, aus den Tagessätzen (Servicepaket), aus eventuellen Zusatzleistungen.

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familie

Bienenksten 2

St. Otto, August 2021

 „Mit dem Wind“...

… endlich mal alles in Ordnung gebracht! Das zumindest muss sich der Landwirt gesagt haben, als er seine Maispflanzen in schier endlosen, kerzengeraden Reihen auf dem Feld eingepflanzt hat. Da tanzt keine aus der Reihe, und Bewegung bringt höchstens der ein oder andere Feldhase in  die Legionen der ordentlich ausgerichteten "Maisbäume". Gestern erst bin ich an so einem Feld vorbeigekommen.

Irgendwann war dann aber Schluss mit Mais und ein wogendes Roggenfeld brachte etwas Abwechslung in die landschaftliche Eintönigkeit. Auch hier herrschte erkennbar eine gewisse Grundordnung. Die Halme ließen sich willig vom Wind in dieselbe Richtung biegen. Sanft schwangen sie im Gleichklang wie die Dünung auf der Ostsee hin und zurück. Kein Halm überragte dabei die anderen. Gerade so, als hätte ein ordnungsliebender Friseur einen riesigen Rasierer angesetzt und dem ganzen Feld einen radikalen Bürstenschnitt verpasst. Obwohl: Die ein oder andere freche blaue Kornblume und immer mal wieder eine vorwitzige rote Mohnblüte durchbrachen nicht nur farblich die goldbraune Uniformität des Feldes, sie hielten sich auch nicht an die scheinbar verordnete Einheitsgröße. Drüber und drunter setzten sie ihre Farbakzente und boten gleichzeitig dem orientierungslosen Auge Halt. Schön so ein Feld, das scheinbar ordentlich, aber auf den zweiten Blick doch alles andere als eintönig daherkommt.

Aber da gab es auch noch ein drittes Feld, gleich neben dem Roggen und kurz vor dem Abzweig nach Sauzin. Ordnung war hier nicht einmal ansatzweise zu erkennen. Hier ballte sich in wirren Haufen Heu, das, wohl am Vortag abgemäht und inzwischen getrocknet, vom Wind durch die Luft gewirbelt wurde, wie die Haare der Urlauber auf der Zinnowitzer Seebrücke.

Was für ein Chaos! Das müssen zumindest die Maispflanzen bei diesem Anblick gedacht haben und auch die Ähren des Roggenfeldes waren sicher der Ansicht, dass bei aller Toleranz ein wenig mehr Ordnung doch wohl angebracht sei. Schließlich kann auch in der Natur nicht alles völlig aus dem Ruder laufen. Wo kämen wir denn da hin?!

Hier Ordnung, da Chaos – hier Gleichklang, dort Disharmonie. Wie wunderbar, dass uns die Natur so viele lebensnahe Impulse liefert! Wäre doch herrlich, wenn unser Leben so geordnet verlaufen würde, wie uns das die wohlgeordneten Maispflanzen vormachen. Stressfrei, gut sortiert, alles an seinem Platz. Zu langweilig, eintönig und dröge? Na gut, dann wenigstens ein Leben wie im Kornfeld. Harmonie mit kleinen Farbtupfern; bunten Highlights, die Abwechslung ins Leben bringen, ohne die harmonische Grundstimmung zu beeinträchtigen. Das wäre tatsächlich schön!

Und die Realität? Die ist in der Regel so ganz anders. So gleicht unser Leben nur selten einem wohlgeordneten Mais- oder einem harmonischen Kornfeld. Stattdessen bewegen wir uns mehrheitlich zwischen chaotischen, unsortierten, wirren Heuhaufen. Nie weiß man, welcher Halm einem als nächstes in die Quere kommt, durch welchen Haufen man sich gleich wieder wühlen muss oder welche Windbö das ganze Leben von einem Moment zum nächsten so richtig durcheinanderwirbelt.

Und während der Landwirt mit Sicherheit vor dem nächsten Gewitter das lose Heu in großen, gerollten Ballen zumindest in eine Art Grundordnung bringt, müssen wir mit den Heuhaufen unseres Lebens alleine klarkommen. Da gibt es niemanden, der für uns aufräumt, unser Leben in Ordnung bringt, uns gut verpackt vor Unheil bewahrt, bei Hitze bewässert oder Schädlinge von uns fernhält.

Ein Grund zu verzweifeln? Keineswegs! Wir haben zwar niemanden, der alles für uns regelt und passend macht, aber für uns als Christen ist das auch gar nicht prioritär. Im Gegenteil: Regeln haben wir von unserem „Chef“ durchaus bekommen, die uns das Leben mit- und füreinander um so Vieles leichter machen würden. Dazu gab es im Paket ganz ungefragt aber auch die Freiheit, mit diesen Regeln verantwortlich und gut umzugehen. Tun wir das, auch wenn es manchmal ein wenig mühsam ist! Und genießen wir dabei die Eigenverantwortung im Heuhaufen, das ungeordnete „Kollektiv“ und die Beweglichkeit in Gedanken und Taten, die uns als Menschen so besonders macht.

Und allen, die sich trotzdem nach einem geordneten oder auch verordneten Leben sehnen sei gesagt: Ordnung ist das halbe Leben, aber wer will schon auf die ganze wunderbare andere Hälfte verzichten?

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

Nistkasten2

St. Otto, Juli 2021

 „Mit dem Wind“...

… war alles besetzt! Nein, hier geht es heute nicht um die Strandkörbe am Hauptstrand von Zinnowitz, die besten Handtuch-Plätze ganz vorn an der Wasserlinie oder die hinteren Kirchenbänke im Sonntagsgottesdienst. Aber besetzt waren sie trotzdem alle, die Nistkästen im Garten unseres Ferienhauses. Letzte Woche war ich dort, um den Rasen zu mähen und danach gemütlich im Liegestuhl mit einer Tasse Kaffee und einem leckeren Stück Kuchen die Ruhe zu genießen.

Ruhe? Von Ruhe konnte keine Rede sein! Ahnungslos hatte ich meinen Liegestuhl genau zwischen drei unserer Nistkästen aufgestellt. Und da tobte das Leben oder besser gesagt die Meisen! Ein Flugverkehr wie am Frankfurter Airport zur Rushhour. Erstaunlich eigentlich, dass es zu keinen Kollisionen kam, so ganz ohne Fluglotsen und Leitsystem.

Eine Weile sah ich den Flugkünstlern von meinem Logenplatz aus gespannt zu und – da gab es einiges zu entdecken! Während im Kasten am Holzschuppen die Vogeleltern im Minutentakt ein- und ausflogen, ging es im Kasten auf der Veranda erheblich ruhiger zu. Und im Garagenkasten wurde scheinbar nur gechillt. Dort wechselte sich das Vogelpärchen höchstens alle 20 Minuten ab. Manchmal scheiterte die Landung im Kasten sogar daran, dass das andere Elternteil noch faul im Kasten saß – so zumindest mein erster Verdacht. Aber konnte das wirklich sein? Gibt es tatsächlich einfach richtige Rabeneltern, die ihren Nachwuchs auf Diät setzen nur, weil sie zu faul sind, für Futternachschub zu sorgen?

So richtig konnte ich mir das nicht vorstellen. Also hieß es ausharren auf der Liege, noch drei Tassen Kaffee trinken, das zweite Stück Kuchen und die restlichen Kekse verdrücken, beobachten und nachdenke. Und ob es jetzt am Zuckerschock oder meinem stark erhöhten Koffeinspiegel lag: Ich habe das Rätsel gelöst!

Das scheinbar oberfaule Vogelpärchen an der Garage hatte noch gar keinen Nachwuchs. Das kuschlige Nest war gebaut, die Eier gelegt und die Eltern teilten sich das Brutgeschäft. Bei den ebenfalls noch relativ entspannten Vogeleltern, die den Kasten an der Veranda bezogen hatten, war der Nachwuchs gerade geschlüpft und dementsprechend noch relativ bescheiden in seinen Ansprüchen, was die Menge der heranzuschaffenden Nahrung betraf. Die vermeintlichen Hektiker am Holzschuppen allerdings hatten im Nest mit Sicherheit einen Haufen halbwüchsiger Schreihälse mit riesigem Hunger.

These aufgestellt und überprüft! Nein, natürlich nicht, indem ich ans Häuschen geklopft und die Vogeleltern interviewt habe. Nachschauen verbot sich ebenfalls von selbst. Es reichte aber völlig aus, neben den Augen einen zweiten Sinn einzusetzen und mal ganz vorsichtig an den drei Kästen zu lauschen. Im Garagenkaste herrschte schläfrige Stille, während an der Veranda ein zaghaftes Rumoren aus dem Kasten drang. Am Holzschuppen war dagegen schon aus der Entfernung zu hören, dass der Nachwuchs nicht nur großen Hunger, sondern auch schon einen ganz schön frechen Schnabel hatte. Annahme bestätigt und Forschungsprojekt beendet, könnte man annehmen.

Der Nachmittag im Garten hat bei mir aber nachgewirkt. Nicht nur, dass mir die Menge an Kaffee und Kuchen schwer im Magen lag – vielmehr ist mir aufgefallen, wie schnell wir immer wieder mit Schubladen zur Hand sind, ohne nach dem Warum zu fragen. Natürlich haben wir nicht die Zeit, allem auf den Grund zu gehen. So viel Kaffee, Kuchen und Liegestuhlzeit steht uns nicht zur Verfügung. Aber vielleicht sollten wir dann Vorgänge, Menschen und Verhaltensweisen auch weniger vorschnell bewerten oder verurteilen.

Und eine zweite Einsicht verdanke ich der kleinen Vogelkunde in der Einflugschneise: Alles hat seine Zeit und seinen Ort. Auch wenn es manchmal schwerfällt sollten wir versuchen, öfter im Hier und Jetzt zu leben. Das brütende Vogelpärchen weiß ganz genau, dass der Stress bald beginnt und genießt die Ruhe vor dem Sturm. Die Jungeltern versorgen den Nachwuchs noch mit gebremstem Tempo und haben dadurch später ausreichend Kraft, die Horde der Halbstarken im Dauereinsatz zu verpflegen, denn da heißt es dann wirklich nur noch „Augen zu und durch“. Wir dagegen schaffen es viel zu oft nicht, zur Ruhe zu kommen, angesichts der vielen Dinge, die zukünftig unseren vollen Einsatz erfordern.

Machen Sie doch einfach regelmäßig mal den gemütlichen Brüter! Nicht nur, aber besonders im Urlaub in St. Otto.

Der Nachmittag im Garten hat sich für mich also richtig gelohnt, trotz verrenktem Magen. Zwei Einsichten und schließlich eine dankbare Erkenntnis: Bin ich froh, dass ich keine Kohlmeise bin! Zweimal Nachwuchs in einem Sommer großziehen und danach kommt dann schon wieder der nächste kalte und futterarme Winter! Ich möchte nicht tauschen und gelobe feierlich, dass ich mich nie mehr darüber beklage, wie anstrengend Rasenmähen ist.

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

Bienenksten 2

St. Otto, Juni 2021

 „Mit dem Wind“...

… mal über die Ostsee geweht und in Schweden durch Felder und Wälder gestreift. Auch dort stellen mit den ersten Blüten und wärmenden Sonnenstrahlen die Imker ihre Bienenvölker wieder in bunten Kästen in die Natur. Es schwirrt, summt und brummt, wenn man sich ihnen nähert. Und diese beruhigende Geräuschkulisse ist akustischer Ausdruck einer perfekten Organisationsstruktur. Bei uns würde man sagen: „Alles läuft wie am Schnürchen“. Jede Honigbiene kennt ihre Aufgabe, konzentriert sich ganz auf ihren Job und würde nie auf die Idee kommen, ihre Zuteilung zu diskutieren oder sich in die Bereiche der anderen Abteilungen einzumischen. Die Identifikation mit der eigenen Aufgabe ist absolut und deshalb funktioniert ein solcher Honigbienenstaat so reibungslos. Ähnliches gilt natürlich auch für viele andere staatenbildendn Insekten, wie etwa die Ameisen.

Und könnten oder sollten diese Bienen- oder Ameisenvölker nicht Vorbildcharakter für unsere menschlichen Organisationsformen, unser Zusammenleben, unsere Gemeinschaft haben? Gäbe es durch eine klare Aufgabenverteilung nicht erheblich weniger Probleme untereinander, dadurch eine größere Zufriedenheit des Einzelnen und somit ein erhebliches „Mehr“ an Lebensqualität? Würden nicht Reibungsverluste auf ein Minimum reduziert und so die Gesellschaft enorm profitieren? Und schließlich: Wäre dann nicht endlich Schluss, mit all dem Dilettantismus und Unvermögen, mit dem wir uns tagtäglich herumärgern müssen?

Totalitäre Systeme haben in der Vergangenheit genau diese Gleichschaltung, die Reduzierung des Individuums auf seine Tätigkeit und damit seinen Nutzen für die Gesamtheit, propagiert und umgesetzt. Sie tun das auch heute noch. Ganz schnell sind solche Systeme dann auch mit einer Kategorisierung zur Hand, unterscheiden zwischen Nützlingen und Volksschädlingen, zwischen wertigem und unwertem Leben, zwischen Menschen erster und zweiter Klasse oder solchen, die als Ausschuss betrachtet oder gar vernichtet werden müssen. Der Mensch, der ausschließlich effizient funktioniert und dabei all seine Kompetenzen nur einer Aufgabe widmet, dient dem Regime, dem Unternehmen, der Organisation vorbildlich - verliert dabei aber alles Menschliche. Ein solcher Mensch wird zur Maschine, zum nützlichen Roboter.

Viel zu viele Menschen werden bei uns auch heute noch auf die roboterhafte Erfüllung ihrer Aufgabe reduziert. Der Mensch dahinter wird übersehen, vergessen, gebrochen oder ignoriert.

Und doch werden Mitmenschen, die „fleißig wie eine Biene“ oder „emsig wie eine Ameise“ unterwegs sind, ihr Aufgabenpensum übererfüllen und weder rasten noch ruhen auch in unserer doch recht freiheitlichen Gesellschaft geschätzt. Der sprichwörtliche „Bienenfleiß“ ist ein positives Attribut - und eine gute Selbstorganisation mitunter die Voraussetzung dafür, dass dieser Fleiß seine positive Wirkung in Fülle entfalten kann.

„Selbstbestimmter Fleiß“, der nicht durch Druck von außen, sondern ausschließlich aus Interesse, aus Freude an einer Aufgabe, aus Liebe zum Menschen entsteht, ist eine Gabe für die jeder, der mit ihr gesegnet ist, nur dankbar sein kann. Denn: Nicht alle Menschen sind gleich und können oder dürfen anhand einheitlicher Maßstäbe und Vorgaben verglichen werden. Was der eine locker wuppt, fällt dem anderen unglaublich schwer. Und wo der eine längst schon an seine Grenzen gerät, da läuft der andere erst zu Hochform auf. Wir sind eben nicht alle High-Performer, Spitzensportler oder Topmanager. Menschsein bedeutet Vielfalt, bedeutet Unterschiedlichkeit und ja - auch Unzulänglichkeit.

Freuen wir uns also, dass wir Mensch sein dürfen, dass wir andere mit all ihren Besonderheiten akzeptieren können, ohne sie einseitig auf ihren vermeintlichen Mehrwert für die Gesellschaft durch die Erfüllung einer Funktion oder Aufgabe zu reduzieren.

Gott hat seine Schöpfung nicht auf Effizienz getrimmt, denn sonst würde die Erde von gut organsierten Bienen- und Ameisenvölkern beherrscht und nicht von einer so gnadenlos chaotischen Spezies, wie uns Menschen.

Und übrigens: Die aufsässige Biene Maja und der nur scheinbar faule und verfressene Willi aus der TV-Serie „Biene Maja“ sind nicht umsonst ein so beliebtes Gegenmodell zum gut organisierten Bienenstaat. So erfüllen sie zwar nicht die geforderten Standards ihrer Organisation, sind aber letztendlich in ihrer Individualität oder gerade aufgrund dieser unverzichtbar für das Zusammenleben der Artenvielfalt auf der heimischen Wiese.

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

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