Kirchweg

St. Otto, Ostern 2019

„Mit dem Wind“...

... in den christlichsten Ort der Insel. Da ist Ostern doch genau der richtige Anlass!
Nun gut, mit den Christen in Vorpommern ist das so eine Sache. Einige gibt es tatsĂ€chlich noch, andere haben einfach vergessen, dass sie irgendwann einmal getauf wurden und wieder andere halten Ostern fĂŒr das Hochfest des Eierversteckens zu Ehren des großen Osterhasen.

Anders in Netzelkow. Wer hier wohnt hat einen ganz konkreten Bezug zur Kirche. Jeder der geschĂ€tzt 45 Einwohner! Unglaublich, denn eine solche 100%-Quote dĂŒrfte höchstens noch der Vatikan vorweisen können. Na ja, das bedeutet nicht gleich, dass der Anteil der getauften Christen hier höher ist als anderswo im Land. Aber trotzdem: Die Weichen sind gestellt, der Weg ist bereitet.

FĂ€hrt man, aus Neuendorf kommend, ĂŒber die wunderschöne Allee in das Dorf Netzelkow hinein, dann landet man unweigerlich direkt vor der Marienkirche. Vom Ortseingang bis zur Kirche benutzt man dazu die Kirchstraße. Nichts Besonderes: In vielen Ortschaften liegt die Kirche in der Kirchstraße, das Rathaus in der Rathausstraße und der Bahnhof in der Bahnhofstraße. In Netzelkow fĂŒhrt die Kirchstraße allerdings direkt auf die Marienkirche zu. GĂ€be es nicht das enge Tor in der Steinmauer, die die Kirche umgibt, – Eilige könnten direkt bis zum Altar vorfahren.

Aber auch wer den zivilisierteren und weniger unfalltrĂ€chtigen Zugang zur Kirche sucht kommt an der Kirchstraße nicht vorbei. Diese teilt sich direkt vor der Kirche. Rechts Kirchstraße, links Kirchstraße, im RĂŒcken die Kirchstraße und im Blick die Marienkirche. Es gibt in ganz Netzelkow nur eine Straße. Sie ahnen es sicher? Die Kirchstraße! Und das Schöne daran ist, dass Straßen immer in zwei Richtungen fĂŒhren. Es gibt stets einen Hin- und einen RĂŒckweg. Man kann also die Kirchstraße auch in die Gegenrichtung benutzen und nach dem Gottesdienst die Osterbotschaft hinaus, ĂŒber die Insel und im UrlaubsgepĂ€ck bis nach Hause tragen. Alles auf dem Kirchweg. Schön, oder?
Das hört sich jetzt nach Pfingsten an, werden die im Glauben geschulten Leser anmerken. Fast richtig, sage ich. Warten Sie den Beitrag im Juni ab, denn wie Pfingsten ohne Ostern undenkbar ist, so bleibt der Schlusspunkt dieser Betrachtung dem „Pfingstbeitrag“ vorbehalten.
Bis dahin wĂŒnsche ich Ihnen viele Mitfeiernde, die den Weg ĂŒber die (Kirch)-Straßen dieser Welt in Ihre Kirche finden, die mit Ihnen zusammen die Auferstehung unseres Herrn feiern und das Strahlen im Gesicht tragen, dass die Sonne seit einigen Tagen auch hier auf Usedom an den Himmel zaubert.

Gesegnete Ostern!

Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

Frhling 1 

St. Otto, April 2019

„Mit dem Wind“...

... werden in den Wochen vor Ostern die ersten Erholungssuchenden der Saison an die StrĂ€nde der Insel gespĂŒlt. Pioniere und tapfere Recken, die sich von letzten FrĂŒhlingsstĂŒrmen, wenig frĂŒhlingshaften Temperaturen und dem ein oder anderen Graupelschauer nicht abschrecken lassen. Gleich FrĂŒhblĂŒhern recken sie ihre roten Nasen in den noch kĂŒhlen Wind: Eltern mit kleinen Kindern, dick eingemummelte Senioren, Paare ohne schulpflichtige Kinder oder auch ruhesuchende Individualisten, die am Strand verwundert feststellen, dass sie zu dieser Jahreszeit in Herden auftreten.
Die Insel erwacht aus ihrem Winterschlummer und die Sonntasgöffnungszeit der SupermÀrkte deutet an, dass bei schönem Wetter am Wochenende auch die Stausaison nicht mehr fern ist.

Die Reaktionen der Insulaner auf dieses alljĂ€hrlich wiederkehrende PhĂ€nomen sind durchaus unterschiedlich. „Augen zu und durch“, lautet die Devise bei einigen. Andere betrachten die saisonalen Urlauberfluten wie die Ă€gyptischen Bauern das jĂ€hrliche Nilhochwasser: Muss man mit leben, will man ĂŒberleben! Denn was wĂ€re die Insel ohne die Finanzquelle Tourismus?

Oft sind solche abschĂ€tzig wirkenden Äußerungen aber nur coole, norddeutsche Maskerade. Stau, volle LĂ€den, Stress, LĂ€rm – natĂŒrlich gibt es zahlreiche gute GrĂŒnde, die Saison als Einheimischer nicht unbedingt zu lieben.
Aber ist es nicht schön, endlich mal wieder ein paar andere Gesichter zu sehen? Wirkt die Promenade, geschmĂŒckt mit vielen bunten Urlaubertupfern, nicht viel ansprechender, als im tristen, öden Grau der Wintermonate? Und wer genauer hinschaut, also hinter die Fassade, der spĂŒrt bei vielen Insulanern dieses Kribbeln, eine leichte NervositĂ€t – ja vielleicht doch so etwas wie Vorfreude? Fast wie die Erwartung, mit der wir jedes Jahr auf Weihnachten zusteuern. Auch da ist man immer wieder aufs Neue aufgeregt, gespannt, neugierig und weiß doch gleichzeitig, dass Weihnachten bei aller Vorfreude wieder eine Menge Stress und Arbeit mit sich bringen wird.

Und wie man sich um Weihnachten herum auf die SpezialitÀten freut, die nur zu dieser Jahreszeit richtig schmecken, so erfreut man sich hier klammheimlich an den ganz speziellen Urlaubern aus den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands. Alle mit ihren mentaltÀtsbedingten und regional geprÀgten Eigenarten und Persönlichkeitsmerkmalen. Es ist schon ein bunter Zoo, der sich alljÀhrlich auf der Insel tummelt!

Ja und schließlich gibt es da noch die Alten, die bei all dem bunten und manchmal auch hektischen Treiben ihre Ruhe nie verlieren. „Ob dat pladdert, de SĂŒnn schient oder snejt – de Dag de kummt un de Dag de geiht!“
Sicher können Sie diese alte Bauernweisheit, die sich auf den April bezieht, ĂŒbersetzen, und dann liegt die Entscheidung ganz bei Ihnen: Schneien Sie bei uns rein, verhageln Sie uns den Sommer oder tragen Sie die Sonne im Herzen und im GepĂ€ck nach Usedom? Wir sind gespannt!

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor 

 

lpumpen                                 

St. Otto, MĂ€rz 2019

„Mit dem Wind“...

... hört man auf dem Gnitz zwischen Neuendorf, LĂŒtow und Netzelkow immer mal wieder ein leises Quietschen. Einige der Erdölpumpen, die dort seit mehr als 50 Jahren in Betrieb sind, arbeiten auch heute noch. Und wo Kolben und Zylinder am Werk sind, wo Stahl und Eisen aneinander reiben, da bleiben GerĂ€usche nicht aus. „Pferdeköpfe“ heißen die nickenden Pumpen im Volksmund. GemĂ€chlich fördern die „Letzen ihrer Art“ nur noch eine sehr geringe Ölmenge aus ca. 2300m Tiefe an die ErdoberflĂ€che und wirtschaftlich ist der Abbau bestimmt auch nicht mehr. Aus diesem Grund ist es sicher nur eine Frage der Zeit, bis auch die letzten noch aktiven Pumpen, wie die meisten ihrer Artgenossen, stillgelegt werden und zukĂŒnftig ein eher unspektakulĂ€res Dasein als Industriedenkmal fristen dĂŒrfen.

„Gut so!“, wird man sagen, wenn man den Umweltaspekt im Blick hat. Erdöl ist wie Kohle ein Energielieferant, der bei der Nutzung jede Menge schĂ€dliche Emissionen in die Umwelt abgibt. Die intensive Ausbeutung irreversibler, fossiler Rohstoffe ist im 21. Jahrhundert nicht mehr zeitgemĂ€ĂŸ. Windkraft oder Photovoltaik erzeugen saubere Energie. Die ElektromobilitĂ€t ist, wenn auch noch holprig, auf dem Vormarsch. Also stilllegen, die Pumpen – und das besser heute als morgen!

Kann man da anderer Meinung sein? Wohl kaum. Umweltaspekte, Ineffizienz, Wartungsaufwand und Ertrag sprechen dagegen, solche Dinosaurier am Leben zu erhalten. Und doch wĂŒrde ich dieses leise Schaben und Quietschen, die Bewegung in der ansonsten eintönigen, fast statischen Landschaft am Achterwasser vermissen. Rational ist das nicht. Nostalgisch vielleicht? Sicher, aber nicht nur! Diese Erdölpumpen können auch beispielhaft fĂŒr die vielen Dinge, die wir ausrangieren, abbauen, ersetzen – sprichwörtlich „zum alten Eisen werfen“ stehen. Vielfach absolut berechtigt und doch zuweilen vorschnell oder unnötig.

Und nicht nur mit den GegenstĂ€nden, die uns umgeben, sind wir mitunter wenig nachsichtig. Es fĂ€llt auf, dass unsere Erwerbsgesellschaft mit Ă€lteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zunehmend ganz Ă€hnlich verfĂ€hrt. MĂŒhsam werden sie und ihre scheinbaren Marotten und Verschleißerscheinungen auf den letzten Metern bis zum Ruhestand ertragen. Ein Aufatmen geht durch den Betrieb, wenn endlich der Renteneintrittstermin feststeht, und die Dankbarkeit fĂŒr viele Dienst- und Arbeitsjahre bei der Verabschiedung gerĂ€t vielfach zur peinlichen PflichtĂŒbung.

Erst wenn sie eine Weile weg sind wird oft bemerkt, dass „die Alten“ da und dort fehlen. Ihre altmodische, vielleicht ineffiziente aber nachhaltige Arbeitsweise, ihre Erfahrung, die doch immer nur dem Fortschritt im Wege stand, ihre zugewandte und verstĂ€ndnisvolle Art – ihr leises „Quietschen“, mit dem sie all die Jahre ihre Arbeit zuverlĂ€ssig erledigt haben.

Wir neigen dazu, Menschen und auch Dinge oft erst posthum wirklich wertzuschĂ€tzen. Dann werden Gedenktafeln aufgehĂ€ngt, Straßennamen vergeben oder Museen bestĂŒckt. Ein wenig mehr von diesen „Nachschlagslorbeeren“ im Hier und Jetzt wĂŒrde uns allen guttun und den notwendigen Fortschritt mit Sicherheit nicht aufhalten.

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

Februar Achterwasser 1
 

St. Otto, Februar 2019

„Mit dem Wind“...

... verschlĂ€gt es im Laufe des Jahres eine bunte GĂ€steschar nach St. Otto. Im Februar bekommt man beim „Klick“ auf den Belegungsplan schon einen guten Überblick, was bzw. wer da in diesem Jahr auf einen zukommt. NatĂŒrlich sind wir in erster Linie eine Anlaufstelle fĂŒr christliche Gruppen, Gemeinden und Schulen. Ob Sommerfahrt, Seniorenreisen oder auch Einzelreisende und Familien mit konfessionellem Hintergrund – die Möglichkeit in St. Otto nicht nur einen schönen Urlaub zu verbringen, sondern den lieben Gott auch im Urlaub mit an Bord zu haben ist ein Plus, das viele an St. Otto schĂ€tzen. Ob im HandgepĂ€ck mitgebracht oder doch im Stress des Alltags und des Aufbruchs zu Hause vergessen: Wer mag, findet in St. Otto immer eine Möglichkeit und hoffentlich auch die Zeit, ihm zu begegnen, ihn mit-, wahr- und aufzunehmen.

Die Kirchenglocke, die zum gemeinsamen Mittagsgebet in den Speiseraum ruft. Die kleine Kapelle, die eine Geborgenheit schenkt, die man in vielen großen Kirchen nicht unbedingt sofort findet. Der Raum der Stille, zu dem man bis ganz unters Dach hinaufsteigen muss, um dann zwischen Himmel und Erde zu schweben. Und in der Mitte die Kirche, die immer offen steht. Denn der liebe Gott kennt keinen Feierabend oder GeschĂ€ftsschluss.

Es gibt viele Kirchen, die nur ab und an als Gottesdienstort genutzt werden und es gibt Kirchen, in denen man spĂŒrt, dass sie vom Gebet getragen werden, die Begegnung mit Gott dort kein Augenblick, kein Wimpernschlag ist, sondern eine feste, grundlegende und –gebende Verbindung darstellt. Dass St. Otto ein solcher Ort ist, das verdanken wir zu einem großen Teil unseren Franziskanerschwestern, die durch ihr Gebet und ihre pflegende Umsicht die Kirche tragen und prĂ€gen.

Da kommen aber auch noch „die Anderen“ nach St. Otto, die, die mit Kirche erst einmal gar nichts am Hut haben. Polizei und Bundeswehr, KrankenhĂ€user und Sportvereine, staatliche Schulen, Firmen, Musikensembles oder Wandervereine. Auch fĂŒr Veranstaltungen wie runde Geburtstage oder Jugendweihe-Feiern wird gern bei uns gebucht. Und da fragt man sich schon: Was wollen die eigentlich hier? Oder: Wollen wir die ĂŒberhaupt und wie passen die zu uns? Solche Fragen tauchen immer mal wieder in unserer Hausrunde auf und sind nicht unberechtigt. Schließlich geht es bei der Auswahl unserer GĂ€ste auch immer um das Miteinander hier auf dem GelĂ€nde.

Im Grunde steht dahinter doch die Frage nach Öffnung, die sich katholische Institutionen immer wieder stellen mĂŒssen. Bediene ich nur meine Glaubensschwestern und –brĂŒder, oder lasse ich auch Anders- und NichtglĂ€ubige teilhaben? Schotte ich mich ab oder gehe ich auf andere zu? FĂŒr Jesus war das nie eine Frage! Information, Kooperation, Partizipation, Inklusion, Kommunikation – alles Begriffe, die so nicht in den Evangelien vorkommen und doch drĂŒcken sie das aus, was Jesus gepredigt und gelebt hat. Insofern ist die Frage der Auswahl auch ganz einfach zu beantworten: Wer uns wĂ€hlt und die Hemmschwelle, eine „christliche Location“ zu buchen ĂŒberwindet, der ist uns selbstverstĂ€ndlich willkommen.

Über die katholischen MilitĂ€rseelsorger oder die RKW freuen wie uns genauso wie ĂŒber den muslimischen MĂ€dchenchor, der an Silvester hier war. Das PriesterjubilĂ€um kann ebenso bei uns gefeiert werden, wie die Jugendweihe. Damit das gut zusammengeht, dafĂŒr sind wir da, dafĂŒr mĂŒssen wir Sorge tragen – und das tun wir.

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

Achterwasser

St. Otto, im Januar 2019

„Mit dem Wind“...

... war er mal wieder unterwegs, der Moment. Es gibt ihn, den richtigen Moment am falschen Platz, und in der letzten Woche bin ich ihm mal wieder begegnet. Das passiert in der Regel ungeplant und leider viel zu selten. Dieses Mal war es am 3. Januar, morgens im Dunkeln auf den Rad. Böen mit WindstĂ€rke 10 – natĂŒrlich von vorn –, die Temperatur knapp ĂŒber dem Gefrierpunkt und dann war er plötzlich da: Der Hagelschauer! Auf freier Strecke! Der Moment!

WĂ€hrend an normalen Tagen die Gedanken auf dem Rad meist schneller unterwegs sind als die Pedale, dabei anstehende Aufgaben vorsortiert werden oder der gestrige Tag noch einmal Revue passiert, Probleme gewĂ€lzt oder bestenfalls weggestrampelt werden, lĂ€sst der Moment fĂŒr solcherlei NebensĂ€chlichkeiten keinen Raum. Der Hagel, der Sturm, die Dunkelheit – die Reduktion auf das „Hier und Jetzt“ erfolgt ganz automatisch. Die ersten Impulse „Mist!“, „Sch
 wo stelle ich mich bloß unter?!“ blitzen vielleicht noch auf. Aber dann sind da nur noch die Nadelstiche der Hagelkörner, die verschwimmende Sicht durch die ohnehin beschlagene Radbrille, das Kurshalten in der nĂ€chsten Bö und eben – der Moment. Allein mit sich und der tobenden, unwirtlichen Natur und doch geborgen im Selbst. Abgeschirmt von allen Gedanken, die sich im Alltag so schwer bĂ€ndigen, kontrollieren oder auch nur mal ausschalten lassen.

Ich brauche solche Momente. Immer mal wieder. Und ich bin der Natur dankbar dafĂŒr, dass sie gratis und ungefragt mit dem aushilft, was ich mit all meiner Planung und meinen Versuchen, Phasen der inneren Einkehr, des zu sich selbst und ganz bei sich Seins zu finden, nicht schaffe.

Manche vertreten die irrige Ansicht, dass Alkohol oder diverse Drogen ein probates Mittel seien. Zugedröhnt hat man aber definitiv keine Chance mehr, den Moment zu spĂŒren. Abgesehen davon, dass der sich spĂ€testens mit den Kopfschmerzen am nĂ€chsten Tag oder anderen Begleiterscheinungen solcher Exzesse verflĂŒchtigt.

Andere gehen zum Yoga, nehmen an Exerzitien teil, finden diese Momente im Gebet. St. Otto bietet dafĂŒr zahlreiche Zeiten und geprĂ€gte RĂ€ume. Und trotzdem. Ich brauche diese unkontrollierbaren NaturphĂ€nomene fĂŒr meine ganz persönlichen Momente. Zugegeben: Der Ort und die Ă€ußeren UmstĂ€nde könnten komfortabler sein. Aber jeder dieser Momente ist es Wert, die Komfortzone fĂŒr eine Weile zu verlassen!

Ich wĂŒnsche Ihnen Gelegenheiten fĂŒr solche Momente, die Kontemplation ihnen nachzuspĂŒren und die Kraft, und Lebensfreude, die sie schenken! Und vielleicht treffen wir uns irgendwann, morgens um kurz nach 7 im Sturm und bei strömendem Regen auf dem Weg zwischen Netzelkow und St. Otto. Dann gilt: Nicht ansprechen (man versteht ohnehin nichts), denn vielleicht ist das gerade wieder einer dieser ganz besonderen Momente 


Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

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            St. Otto, Weihnachten 2018

„Mit dem Wind“...

... hört sich ganz eindeutig an. Ist es aber nicht! Sicher, am Strand weht die steife Brise aus Nordost alles in eine Richtung und man ist froh, wenn der eigene Weg nicht zufĂ€llig in die Gegenrichtung fĂŒhrt. Aber schon in den DĂŒnen und erst recht in den HĂ€userschluchten einer Großstadt hat die Windrichtung oft wenig mit der Wettervorhersage zu tun. Windwirbel, Luftlöcher oder Wind, der sich zwischen GebĂ€uden fĂ€ngt und statt von hinten, wie versprochen, unerwartet von der Seite oder gar von vorn blĂ€st. Wir kennen das alle.

Das geht uns in der Vorweihnachtszeit oft nicht anders. Eigentlich ist die Richtung klar, das Ziel haben wir alle vor Augen und trotzdem wirbelt es uns mitunter krĂ€ftig durcheinander: Tanne oder Kiefer, Kartoffelsalat oder Braten, die Farbe des Geschenkpapiers oder ĂŒberhaupt Papier, dieses Jahr lila Kugeln an den Weihnachtsbaum oder doch wieder ausschließlich Strohsterne, Baum mit Ballen oder gefĂ€llt, die Krippe unter den Baum oder auf den Tisch davor, und, und, und
 .

Nun ist es ja prinzipiell schön, so viele Möglichkeiten zu haben, aber hat man die wirklich? Was fĂŒr den einen unabdingbar zu Weihnachten gehört, ist fĂŒr den anderen ein „No-Go“. „Falls wieder das umweltschĂ€dliche Lametta am Baum hĂ€ngt, dann kannst du gleich alleine feiern!“ „Josef muss links neben der Krippe stehen, das ist biblisch belegt!“ „Wenn du den ganzen Tag das Weihnachtsoratorium laufen lĂ€sst, kannst du mich fĂŒr die Weihnachtsvorbereitungen streichen! Das Gedudel hĂ€lt doch der stĂ€rkste Weihnachtsmann nicht aus!“ „Weihnachtsmann?? Welcher Weihnachtsmann!!“

Die Richtung? Weihnachten! Die Geburt Jesu! Ist doch klar! Aber da raschelt es, da wirbelt es, da rumpelt es und ehe man sichs versieht, ist der Kampf mit den scheinbaren Schwierigkeiten, den unterschiedlichen Ansichten, den ach so wichtigen NebensĂ€chlichkeiten in den Mittelpunkt des Weihnachtsgeschehens gerĂŒckt. Platz fĂŒr die Krippe? Aber nur, wenn der Josef links steht!

Im Übrigen ist das nicht nur an Weihnachten so. Wo zwei oder drei versammelt sind, gemeinsam leben, arbeiten oder auch beten, da sind Meinungsverschiedenheiten die Regel – und das ist zunĂ€chst einmal nicht schlecht. 

Das trifft natĂŒrlich auch auf uns hier in St. Otto zu. Jeden Tag mĂŒssen zahlreiche Entscheidungen getroffen werden. Da wird schon mal jemand vergessen, der eigentlich miteinbezogen werden sollte. Da prallen Meinungen und Ansichten aufeinander, wie immer, wenn sich Menschen engagieren. Einheitsbrei wollen wir nicht. Beliebigkeit statt Engagement kann sich niemand wĂŒnschen. Aber Augenmaß fĂŒr die wichtigen Dinge und die Bereitschaft, die Relevanz der eigenen Ansichten zu hinterfragen hilft manchmal, den Blick auf die wirklich wichtigen Dinge zu lenken. 

Eine frohe, gnadenreiche Weihnachtszeit mit dem guten Blick fĂŒr das Wesentliche und liebende GroßzĂŒgigkeit bei den kleinen NebensĂ€chlichkeiten, die oft viel zu großen Raum in unserem Leben einnehmen wĂŒnscht

Herzlichst                                                                         
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

         St. Otto im Advent 2018

„Mit dem Wind“...

... ist ein Licht erwacht. So ein Unsinn, sollte man denken. Der Wind pustet das Licht eher aus, wenn es sich um eine Kerze handelt oder sorgt dafĂŒr, dass das Windlicht gefĂ€hrlich schaukelnd das zarte FlĂ€mmchen schĂŒtzen muss. Aber trotzdem: Wenn der Wind nicht an dem ein oder anderen Tag den Nebel und die Wolken beiseite schieben wĂŒrde, dann hĂ€tte die Sonne in diesen Wochen ĂŒberhaupt keine Chance sich sehen zu lassen.

Wunderschön, so ein Sonnenaufgang an einem kalten, stĂŒrmischen Wintertag im Advent! WĂ€hrend die Sonne im Sommer lĂ€ngst unterwegs ist, bis das Klingeln des Weckers auch uns auf die Reise durch den Tag schickt, haben wir es im Dezember viel leichter, dieses Wettrennen fĂŒr uns zu entscheiden. Zugegeben – das warme Bett verlockt zum Liegenbleiben und die Aussicht, sich gleich auf den kalten, dunklen Weg zur Arbeit zu machen, motiviert auch nicht besonders. Aber spĂ€testens, wenn man auf dem Rad oder im Auto sitzend sieht, wie sich der Horizont rötlich fĂ€rbt und sich schließlich die Sonne scheinbar mĂŒhevoll, langsam aber trotzdem strahlend auf ihren Weg begibt, dann ist der Augenblick zum Innehalten, zum Staunen, zum Genießen gekommen. Ein Licht ist im Advent erwacht.

Wann sonst im Jahr nehmen wir uns die Zeit, die Sonne so intensiv und freudig zu begrĂŒĂŸen? In der Regel ist sie einfach da. Aber in der dunklen Jahreszeit hat sie ihren großen Auftritt, nicht dann, wenn sie am hellsten und krĂ€ftigsten leuchtet, sondern in einer Zeit, in der wir fĂŒr jeden Tag dankbar sind, der sich vom trĂŒben Winterwetter abhebt.

Vielleicht ist das genau so gewollt? Da rĂŒckt einer das Wesentliche in den Mittelpunkt, das AlltĂ€gliche gewinnt an Wert, an Bedeutung. Nicht umsonst warten wir im Dezember sehnsĂŒchtig darauf, dass die Tage wieder lĂ€nger werden, die Sonne sich nicht mehr ganz so rar macht. Mit zahlreichen Lichterketten, Strahlern, Kerzen und Lampen versuchen wir sie in der dunklen Jahreszeit zu ersetzen und merken - an das Original kommen wir nicht ansatzweise heran.

Manchmal reicht ein Sonnenstrahl am Morgen, um den ganzen Tag in ein anders Licht zu tauchen. Nehmen wir doch die dunkle Jahreszeit als Chance, genau diesen Sonnenstrahl viel öfter bewusst wahrzunehmen.

Besinnen auf das Wesentliche, Zeit nehmen, das Licht erkennen - Advent. Das klappt mit etwas gutem Willen und einer gehörigen Portion Ignoranz gegenĂŒber all dem Vorweihnachtstrubel in der Stadt wie hier auf Usedom. Nur wollen muss man schon. Und die Hektik dann und wann bewusst hinter sich lassen. Und das, ja das fĂ€llt dann auf der Insel, hier in St. Otto im Dezember, wohl tatsĂ€chlich leichter.

Herzlichst                                                                         
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

 

                                                                         St. Otto im November 2018

„Mit dem Wind“...

... und durch den Herbstnebel. In diesem Jahr haben wir die Terrassenmöbel tatsĂ€chlich erst Mitte Oktober in den Winterschlaf geschickt. Das schöne SpĂ€therbstwetter hat bis dahin immer wieder mutige GĂ€ste zum Verweilen vor unserem Speiseraum verlockt. Erstaunlich eigentlich, wie bunt die GĂ€steschar zu dieser Jahreszeit ist. Fast wie die Vielfalt der HerbstblĂ€tterfarben mischen sich unter die Schulklassen und Familien zahlreiche Senioren, die die ruhigere Zeit auf der Insel genießen, Sportvereine im Trainingslager oder auch die Bundeswehr, die Seminare und Schulungen bei uns abhĂ€lt. 

Doch jetzt ist er wohl endgĂŒltig vorbei, der goldene Teil des Herbstes. Die Zeitumstellung hat das Ihre dazu beigetragen, dass ab dem frĂŒhen Nachmittag eine Lichtquelle unerlĂ€sslich wird, entscheidet man sich nicht fĂŒr die Bettdecke und den eigentlich fĂ€lligen Winterschlaf. 

Das mit der Lichtquelle ist im Übrigen gar nicht so einfach. Kerze oder LED, hell oder dunkel, direkt oder indirekt, warm oder kalt, energiesparend oder gemĂŒtlich: So vielfĂ€ltig wie die Möglichkeiten Licht ins Dunkel zu bringen, so unterschiedlich die Meinungen darĂŒber, wie das am besten zu bewerkstelligen sei. Da sind wir Menschen ganz eigen. Niemand wĂŒrde zwar auf die Idee kommen, sein Fahrrad mit einer Laterne als Lichtquelle zu versehen oder das Candlelight-Dinner mit einer Flutlichtanlage auszuleuchten. Und dass der Zahnarzt bei seiner Behandlung möglichst nicht im Dunkeln tappen sollte, auch darin sind wir uns wohl einig. Aber schon bei der Ausleuchtung des Wohnzimmers, des Arbeitsplatzes, der Beleuchtung im Restaurant oder auch in der Kirche gehen die Meinungen weit auseinander. 

Neben sachlichen Argumenten spielt ganz einfach auch das persönliche Empfinden eine entscheidende Rolle. Wie viel Licht der Einzelne in einer bestimmten Situation fĂŒr angebracht oder wĂŒnschenswert hĂ€lt, ist keineswegs ausschließlich eine Frage des individuellen Sehvermögens. Deshalb lĂ€sst sich ĂŒber die „richtige“ Ausleuchtung auch so wunderbar streiten.

Fest steht allerdings: Wir Menschen brauchen Licht! Gerade im Winterhalbjahr, wenn die Sonne manchmal ĂŒber Tage hinter dicken NebelwĂ€nden verschollen scheint, sind wir dabei auf die verschiedenen kĂŒnstlichen Lichtquellen angewiesen. Wie schön, dass es die in so zahlreichen Variationen gibt!

Wie wichtig das Licht fĂŒr uns ist, zeigen nicht zuletzt unsere zahlreichen Lichterfeste in der dunklen Jahreszeit. Wenn der Heilige Martin Licht in das Leben anderer bringt, dann ist das eine ganz besondere Form von Helligkeit und WĂ€rme. Energieeffizienz in ihrer besten Ausformung.  

Lassen wir unser Licht leuchten und Licht-Quelle sein, fĂŒr andere, gemeinsam, nicht nur in der dunklen Jahreszeit.  

Herzlichst                                                                         
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

 

St. Otto im Oktober 2018

„Mit dem Wind“



 ziehen seit einigen Tagen auch wieder Regenwolken ĂŒber die Insel. Es gibt sie tatsĂ€chlich noch! Mal rĂŒcken sie mit dicken Tropfen an und dann wieder mit nachhaltigem Nieselregen. Aussuchen kann man sich das nicht. Und nass wird man in jedem Fall. 

Viele Bauern hĂ€tten sich den Regen fĂŒr ihr Getreide im FrĂŒhjahr und Sommer gewĂŒnscht, wĂ€hrend die Winzer eine Rekordernte erwarten. Erntedank fĂ€llt da, abhĂ€ngig vom Betrachter, sehr unterschiedlich aus. Dieser Sommer zeigt uns nachdrĂŒcklich, dass ertragreiche Landwirtschaft auch in unserer hochtechnisierten und auf Risikominimierung ausgerichteten Lebenswelt kein SelbstlĂ€ufer ist. Es gehört Mut dazu, sich jedes Jahr erneut auf die Unberechenbarkeit von Wind und Wetter, von Regen und Sonne einzulassen, die eigene Existenz und die der Familie darauf aufzubauen. 

Eine gute Ernte ist auch heute keine SelbstverstĂ€ndlichkeit. Sie steht am Ende von viel schweißtreibender Arbeit – wenn das Wetter passt, die SchĂ€dlinge nicht ĂŒberhandnehmen, die Maschinen funktionieren, genĂŒgend ArbeitskrĂ€fte zur VerfĂŒgung stehen, die eigene Gesundheit mitspielt und, und, und. Viele Faktoren liegen nicht in unserer Hand. Auch deshalb Erntedank.

Wir hier in St. Otto stehen nicht auf dem Feld und schweres GerĂ€t kommt höchstens beim jĂ€hrlichen Arbeitseinsatz des Freundeskreises auf unserem GelĂ€nde zum Einsatz. Wir halten keine dicken Kartoffeln, prĂ€chtigen KĂŒrbisse oder prallen Reben als Ergebnis unserer Arbeit in den HĂ€nden. Und trotzdem sind wir ziemlich urlaubsreif am Ende einer langen Saison. Erntedank?

Arbeiten „wo andere Urlaub machen“, kann ganz schön anstrengend sein. TĂ€glich alles daran zu setzen, damit der Urlaub fĂŒr unsere GĂ€ste eine wunderschöne, erholsame Zeit wird, kostet Kraft. Immer ein freundliches Wort, ein LĂ€cheln, parat zu haben, auch wenn man persönlich gerade am liebsten laut schimpfen wĂŒrde, ist manchmal nicht einfach.

Wenn Sie abreisen und sich an eine gute Zeit in St. Otto erinnern, vielleicht den einen oder anderen Energieschub in Ihren Alltag hinĂŒberretten können, dann hat sich unser Einsatz gelohnt. Wenn es Ihnen gelingt, wie die Maus „Frederick“ im Buch von Leo Lionni, bis zum nĂ€chsten Urlaub hin und wieder an ihren positiven Erinnerungen zu „knabbern“, freuen wir uns.

FĂŒr uns in St. Otto sind Ihre vielen positiven RĂŒckmeldungen, die netten Worte oder auch die freundlichen Blicke die „dicken Kartoffeln“, die Ernte, fĂŒr unsere geleistete Arbeit. Erntedank eben!

Herzlichst                                                                         
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

                                                                                                         St. Otto im September 2018

 â€žMit dem Wind“...

... ist man in der Regel besser unterwegs, als wenn eine krÀftige Brise von vorn blÀst.
Wer nicht aufpasst, den treibt der Wind aber auch schnell in eine ungeplante Richtung oder am Ziel vorbei.
In einem solchen Fall heißt es, umkehren, und der RĂŒckweg kann dann so richtig anstrengend werden.

Auch kann man sich auf den Wind nicht verlassen.
Er wechselt die Richtung, weht mal aus Osten, dann wieder aus Norden oder Westen
und fĂŒr manchen leidgeprĂŒften Radfahrer einfach immer nur entgegen der Fahrtrichtung.
Dann heißt es, ZĂ€hne zusammenbeißen und schwitzen, oder sich auf die elektrische Trethilfe verlassen,
der die Windrichtung ganz gleichgĂŒltig ist.

Vielleicht ist aber der Gegenwind, der uns am raschen Fortkommen hindert, gar nicht so störend, wie wir oft meinen. Zwar sorgt er dafĂŒr, dass wir an Tempo verlieren, zum Verschnaufen auch mal absteigen mĂŒssen
oder zu spÀt zu einer Verabredung kommen,
aber jeder kennt auch das GefĂŒhl, körperlich ordentlich gefordert aber wunderbar durchgepustet am Ziel anzukommen.
Mit RĂŒckenwind wĂ€re man sicher schneller, entspannter und vielleicht sogar pĂŒnktlich gewesen;
das GefĂŒhl, etwas geschafft zu haben, hĂ€tte sich aber nicht im gleichen Maße eingestellt.

Vom Gegenwind können wir lernen, dass WiderstĂ€nde nicht nur Ă€rgerliche Störfaktoren sein mĂŒssen.
Ein Leben auf der Überholspur des RĂŒckenwinds fĂŒhrt nicht selten dazu, dass wir manches verpassen
und vieles nicht intensiv genug wahrnehmen, denn – husch – ist man schon vorĂŒber und vorbei.

Wenn es mir gelingt, den Ärger ĂŒber den fiesen Gegenwind, der mich regelmĂ€ĂŸig ausbremst, zu vergessen
und mich stattdessen ĂŒber das langsame aber stetige VorankĂ€mpfen – Tritt um Tritt, Schritt fĂŒr Schritt – zu freuen,
es vielleicht sogar stolz zu genießen, dass ich mir jeden Meter hart erarbeite,
dann trĂ€gt auch der zunĂ€chst unliebsame Gegenwind dazu bei, meinen Tag zu einem erfĂŒllten zu machen.

 

Liebe Freunde von St. Otto,

seit dem 1. September bin ich als neuer Rektor des Hauses fĂŒr vieles verantwortlich.
Manche Aufgaben kenne ich schon, andere werden dazukommen.
Den wohligen RĂŒckenwind habe ich schon gespĂŒrt, denn der Empfang war sehr herzlich.
Aber auch auf den „positiven Gegenwind“ freue ich mich!

In regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden werde ich versuchen, Sie unter der Überschrift „Mit dem Wind“... an Gedanken, Neuigkeiten oder auch dem Alltag in und rund um St. Otto teilhaben zu lassen.
Schauen Sie also bei Interesse gern ab und an mal wieder auf unserer Homepage vorbei.

Kommen Sie gut in den Herbst und genießen Sie die letzten SpĂ€tsommertage auf der Insel oder anderswo!
Und wenn Ihnen im Alltag der Wind mal wieder krÀftig ins Gesicht blÀst:
Tief durchatmen, runterschalten und mutig voran!


Herzlichst                                                                         
Ihr
Markus Constantin
Rektor

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