Brckenhub 3

 

                                                                                              St. Otto, Oktober 2019

 „Mit dem Wind“...

 … spielt manchmal überhaupt keine Rolle. Zum Beispiel, wenn man im berüchtigten „Brückenstau“ auf dem Weg zur oder von der Insel steht. Jeder kennt ihn und versucht die 5-6 Öffnungszeiten der Peenebrück zwischen 5:45 Uhr und 23:45 Uhr im Blick zu haben, wenn er sich Usedom nähert oder sich auf den Heimweg macht. Das gilt für Urlauber wie auch für Einheimische. Zwar sollte man meinen, die Anwohner hätten die Zeiten verinnerlicht, würden per eingebauter innerer Uhr oder aufgrund besonderer Gene den Brückenhub ganz automatisch umgehen – aber weit gefehlt! Irgendwann erwischt es wirklich jeden, der die Brücke häufiger überquert. Manchmal völlig unverschuldet, weil der Voranfahrende während der letzten Kilometer vor der Brücke beim Blick auf die Vielfalt der Natur die Tachonadel aus dem Auge verloren und den Fuß neben das Gaspedal gestellt hat. Manchmal, weil das Kofferpacken doch wieder länger gedauert hat, das Handy verlegt wurde oder die Armbanduhr (ja es gibt tatsächlich noch Menschen, die so etwas tragen) leider noch immer auf Sommerzeit stand. Und dann sieht man schon aus der Ferne die geöffneten Brückenteile aufragen. Stillstand!

Ganz selten steht man als erster in der Schlange, wenn die Ampel urplötzlich auf rot springt und sich die Schranken vor der Brücke senken. Ärger darüber, dass man es gerade nicht mehr geschafft hat? Eine Möglichkeit. Oder Freude darüber, dass man das Schauspiel des Brückenhubs aus der ersten Reihe bestaunen kann? Die Reaktionen sind ganz unterschiedlich, situations- und mentalitäsbedingt. Fest steht nur, dass die Versuchung, über die sich langsam öffnende Brücke im „Evil-Knievel-Stile“ zu fliegen, besser unterdrückt werden sollte.

Ich gebe zu: Wenn ich unterwegs feststelle, dass es knapp werden könnte, mit dem Brückenhub, dann versuche ich meinen Fahrstil anzupassen – sprich dem drohenden Schicksal der Zwangspause durch eine Tempoverschärfung zu entgehen. Aber lohnt sich das? Für die Radarmessgeräte am Rand der Trasse sicher, aber sonst? Nein, kann ich nach diversen unfreiwilligen Stopps vor der Brücke eindeutig feststellen.

Die Poolposition ist fantastisch, wenn man direkt vor der Brücke steht, sieht wie die Technik arbeitet und den Booten, die durch die geöffnete Straße schippern, hinterherträumen kann. Neben dem Auto, die Arme auf die geöffnete Tür gestützt oder gemütlich zurückgelehnt mit einem Stück Schokolade auf der Zunge. Aber auch weiter hinten im Rückstau hat die Situation ihren Reiz. Es ist plötzlich vollkommen still, denn die meisten Autofahrer stellen vorschriftsmäßig tatsächlich den Motor ab. Viele steigen aus, man nickt sich zu, grüßt, kommt in ein kurzes Gespräch oder schweigt einfach gemeinsam im sicheren Wissen, dass es in spätestens 20 Minuten wieder losgeht. Denn länger dauert der Brückenhub nur selten.

Im letzten Stau ist mir aber noch ein anderer Gedanke gekommen: Durch die Öffnung der Brücke steht für einen kurzen Zeitraum alles Bewegen still. Für manche Menschen ein fast unerträglicher Zustand – und auch nur der erste, allerdings nicht ganz korrekte Eindruck. Während wir zum Stillstand, zur Zwangspause genötigt werden, bewegt sich etwas an einer ganz anderen Stelle: Die Brücke hebt und senkt sich – ganz ohne unser Zutun, ohne dass wir Einfluss nehmen können, ohne dass wir nach unseren Bedürfnissen gefragt werden. Vielleicht sollten wir auch in unserem Leben darauf vertrauen, dass ein gefühlter Stillstand, eine „Es-geht-nicht-weiter-Situation“ nur ein subjektiver Eindruck ist. Darauf vertrauen, dass Gott, der sicher weiß, weshalb wir hier auf dieser Erde gerade im gefühlten persönlichen Stau stehen, an einer ganz anderen Stelle arbeitet. Für uns, für unsere Mitmenschen, für seine Schöpfung – an unserem ganz persönlichen Brückenhub!

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

                       St. Otto, September 2019

 „Mit dem Wind“...

…, über den Wind und auch so über „dit und dat“ erzählt man sich an den Stammtischen der Küste zahlreiche Schauermärchen, Geschichten und Döntjes:

Im kleinen Dorf Zauselitz auf der schönen Insel Usedom liegt die Kneipe „Zum Freundlichen Otto“. Es ist nicht das einzige Lokal im Ort, aber der Besitzer, eben jener freundliche Otto, hat es geschafft, dass sich bei ihm der Stammtisch des Dorfes angesiedelt hat. Darauf ist er auch ordentlich stolz.

An vier Abenden in der Woche treffen sich die wichtigen Männer des Ortes nach getaner Arbeit auf ein oder mehrere Bier und vielleicht auch den ein oder anderen Schnaps im „Freundlichen Otto“. Hier kann man in vertrauter Runde plauschen. Man kennt die anderen, deren Ansichten, weiß alles über Familie, Haus und Hof und erinnert sich gern an die gemeinsame Schulzeit. Und auch wenn man sich ab und an in die Wolle kriegt: Pack schlägt sich und Pack verträgt sich auch wieder.

Am Stammtisch werden alle wichtigen Themen des Dorfes besprochen und hier wird auch nicht selten „große“ Politik gemacht. Frauen gibt es am Stammtisch keine. Nicht aus Prinzip, aber was bitte könnten die zu Themen wie Fußball, Angeln, Frauen oder Dorfpolitik Sinnvolles beitragen? Nichts! Und eben deshalb ist der Stammtisch eine richtige Männerrunde.

Auf den großen runden Tisch in der Ecke hat Otto ein Schild gestellt. STAMMTISCH steht da in dicken, roten Buchstaben und RESERVIERT. Auch an den drei Wochentagen, an denen sich die Stammtischrunde nicht trifft, steht das Schild dort. Und jeder fremde Gast, der sich dem leeren Tisch nähert, wird von Otto darauf hingewiesen, dass er sich an diesen besonderen Tisch nicht setzen darf. Das kommt nicht immer gut an. Besonders, wenn das Lokal im Sommer brechend voll und der einzig freie Tisch eben jener Stammtisch ist. Aber das Gemecker der Gäste ist Otto egal. Es könnte ja ein Stammtischler mal außer der Reihe kommen und für solche Fälle muss der Tisch frei bleiben. „So is dat nu mal!“ Schließlich verspricht der Stammtisch kontinuierliche, saisonunabhängige Einnahmen. Außerdem ist Otto so immer bestens informiert, wer, was, wo, mit wem – und überhaupt.

Damit die Stammtischler sich wohlfühlen, hat Otto ihnen auch eine separate Toilette eingerichtet. Das Schild an der Tür ist nicht zu übersehen. Schließlich sollen die Jungs beim Toilettengang nicht unnötig in der Schlange stehen. Manchmal, wenn es sehr voll war, hat Otto den Schlüssel schon mal an andere Gäste vergeben. Aber das hat sich nicht bewährt. Zu viele Sitzpinkler, die die Toilette blockiert haben.

Auch seinen Aushilfen schärft Otto immer ein, den Stammtisch ganz besonders im Blick zu haben und den Männern dort jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Das ist allerdings nicht schwer: Bier, Korn und wenn Hinnerk Harms mit am Tisch sitzt jede halbe Stunde einen Whisky aus der Flasche mit dem roten Etikett. Aber Service ist alles und die Stammtischler sollen sich ja wohlfühlen.

Manchmal werden auch fremde Gäste an den Stammtisch eingeladen. Meist sind das die Neuen im Dorf. Die will man kennenlernen. Ist ja nicht so, dass der Stammtisch in Zauselitz nicht weltoffen und ausgesprochen neugierig wäre. Meist bleibt es aber bei einer Einladung. Nur der neue Doktor durfte ein paar Mal wiederkommen. Aber als man festgestellt hatte, dass der auf Naturarznei abfährt, ungefragt Ernährungstipps gibt und nach einem Bier auf Orangensaft umsteigt, da war leider kein Stuhl mehr für ihn frei.

Die Welt in Zauselitz und in der Kneipe „Zum Freundlichen Otto“ ist noch in Ordnung. Morgen ist wieder Aaltag am Stammtisch, wie jeden Freitag. Eigentlich herrlich, so viel beschauliche Gemeinschaft und Berechenbarkeit…

Nach einem Jahr in St. Otto habe ich viele wundervolle Erfahrungen machen, zahlreiche tolle und bereichernde Begegnungen erleben dürfen. Jeder Tag brachte Neues und die Freundlichkeit, mit der mir so viele Mitarbeitende und Gäste begegnet sind, war und ist gut fürs Herz und Gemüt.

Gerade deshalb ist es mir allerdings wichtig, heute die Geschichte vom Stammtisch in Zauselitz zu erzählen. Neben vielen, vielen Menschen, die den Zusatz „Begegnungsstätte“ im Namen unseres Hauses ernst nehmen, offen sind für Neues, Begegnung suchen und finden habe ich in diesem Jahr doch auch einige „Stammtischgruppen“ erleben müssen. Oft ist es den Gruppen gar nicht bewusst, dass sie durch ihren festen Zusammenhalt andere ausgrenzen. Manchmal wird das ausgeprägte Gruppenselbstbewusstsein aber auch deutlich ausgelebt. Platzhirschgehabe, eine „Das-haben-wir-hier-schon-immer-so-gemacht-Mentalität“, das Feiern der eigenen Stärke durch die Abgrenzung vom Fremden und Andersartigen haben so rein gar nichts mit christlicher Gemeinschaft und dem Charakter einer Begegnungsstätte zu tun.

Ich freue mich über jeden Gast, der sich im Laufe des Jahres in St. Otto so wohlgefühlt hat, dass er wiederkommt. Stammgäste sind mir lieb und das Wiedersehn oft eine große Freude. Antiquierte Stammtische allerdings, die in meinen Augen nichts mit dem modernen, weltoffenen Glauben einer zukunftsorientierten katholischen Kirche gemein haben, werden wir in St. Otto in Zukunft ab- oder umbauen. Nicht reservieren, sondern integrieren. Nicht ausgrenzen, sondern grenzenlose Offenheit! Was spricht gegen die große, gemeinsame Tafel? Ist es nicht viel interessanter, mit anderen ins Gespräch zu kommen, als im eigenen Gelee festzukleben?

Helfen Sie durch Begegnungsfreude, Neugier und Integrationsbereitschaft mit, dass sich St. Otto nicht etwa zum Reservat für kleine Gruppen von Stammtischlern entwickelt, sondern offen ist und bleibt für Gott und die Welt!

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

    Unter Wasser 2                   

            St. Otto, August 2019

 „Mit dem Wind“...

… kräuselt sich die Oberfläche der Ostsee. Mal mehr und mal weniger. Aber was befindet sich eigentlich darunter? Sand, Algen, Muscheln, kleine und große Fische und nicht zu vergessen die Quallen. Dazu noch Öl, tief unter dem Meeresgrund, und jede Menge Schrott aus tausenden von Jahren Menschheitsgeschichte. Während der Schrott der vergangenen Jahrhunderte mühsam geborgen und in Museen ausgestellt wird, will den aktuellen keiner haben. Ist auch nicht wirklich schön, was da so herumdümpelt: Rostige Schiffswracks, Plastikmüll, Altöltonnen, Munition, verrottete Container oder zerrissene Fischernetze und, und, und. Es gibt so ziemlich nichts auf der Welt, was sich nicht auch auf dem Meeresboden finden lässt. Ist ja auch praktisch: Rein mit dem Müll ins Meer, Welle drüber und das Problem der Entsorgung ist scheinbar bestens gelöst.

Und selbst auf den zweiten Blick sieht alles noch gut aus. Fährt man mit der Tauchgondel an der Seebrücke von Zinnowitz nach unten, sieht man nämlich vor allem - nichts. Das ist zum einen schade, denn so eine Fahrt kostet Geld und als unbedarfter Tourist hofft man zumindest auf ein lustiges Fischetreiben rund um die abgesenkte Tauchgondel. Zum anderen kann man aber vielleicht ganz froh sein, dass durch das algenreiche, sand- und naturtrübe Ostseewasser gerade im Sommer und Herbst so wenig zu erkennen ist.

Um mehr Durchblick und Einsicht in den Bereich unter der Meeresoberfläche zu bekommen, braucht man schon eine Tauchausrüstung, eine lichtstarke Lampe oder gleich einen verkabelten Tauchrobotter mit eingebauter Kamera. Und auch dann erhält man nur einen ersten Eindruck. Was da im Sand und Schlamm versunken lauert oder vielleicht unsichtbar im Wasser aufgelöst ist – optisch und ohne weitere Analysen lässt sich dazu wenig sagen. Fest steht, es macht Arbeit und kostet viel Zeit, der Sache auf den Grund zu gehen.

Vielleicht doch lieber an der Oberfläche bleiben? Die unterschiedlichen Farbschattierungen des Meeres bewundern, dem sanften Plätschern der Wellen lauschen und den treibenden Seevögeln beim Chillen zuschauen? Manchmal – gerade auch im Urlaub – bestimmt richtig, denn das Meer ist wunderschön! Die ganzen Medienberichte vergessen und einfach entspannen, genießen und mal nicht darüber nachdenken, was unter der schönen Oberfläche alles lauern könnte.

Geht uns mit unseren Mitmenschen übrigens oft genauso. Da gibt es die Fassade. Das, was die Menschen nach außen dringen lassen. Und in der Regel sind wir ganz zufrieden mit dem, was uns da angeboten wird: Schön, glatt, scheinbar stimmig und völlig unproblematisch. Die Oberfläche eben. Das mag für flüchtige Begegnungen völlig ausreichen. Eine Urlaubsbekanntschaft, die Kollegin aus der Filiale oder auch den netten Bäcker, bei dem man jeden Samstag seine Brötchen kauft. Ein freundliches „Wie geht´s?“, oder ein lustiges Gespräch von Sandburg zu Sandburg machen einen netten zu einem richtig guten Tag.

Will man allerdings jemanden näher kennenlernen, ihn vielleicht sogar verstehen, dann kommt man an der Oberfläche nicht weiter. Allein das Verb „kennenlernen“ deutet die Grundproblematik an. Es ist ein Lernprozess und der dauert. Man kann die Tauchgondel verwenden oder auch den Schnorchel, die gute Lampe oder auch das U-Boot. Sorgfältig und achtsam muss man sein, um niemanden zu verletzen. Und Grenzen akzeptieren ist notwendig – die des anderen und auch die eigenen. Ein höchst komplexer Forschungsauftrag also, der uns, sobald wir ihn annehmen, eine große Verantwortung überträgt. Vielleicht begnügen wir uns deshalb so oft mit der Fassade? Haben wir einfach Angst davor, was eventuell unter der Oberfläche des anderen schlummern könnte? Vermuten wir verborgene Munitionsdepots, rostige Uraltwracks und Altöltonnen? Die mag es geben. Aber durch unsere Angst verpassen wir vielleicht unzählige wundervolle, schillernde Fischschwäme, bunte Korallen und skurrille Meeresbewohner. Wollen wir das? Ich nicht! Und deshalb habe ich mir für diesen Sommer mehr Mut verordnet, den Menschen auf den Grund zu gehen. Und Sie?

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

 Sturm Text

                        St. Otto, Juli 2019

 „Mit dem Wind“...

… ab in die Ostsee! Der eine vorsichtig, nur mit den Füßen, während sich die andere auch schon bei 13°C Wassertemperatur mit dem Kopf voran in die Wellen stürzt. Und da ist tatsächlich etwas dran. Ohne Wind und Wellen ist das Wasser viiieeel kälter! Wissenschaftlich betrachtet wahrscheinlich nicht ganz korrekt, aber wen interessiert schon die Ansicht der Naturwissenschaftler, wenn das eigene Empfinden etwas ganz anderes sagt? Probieren Sie es ruhig mal aus. Bei kühler Witterung und stürmischer Brandung fällt es viel leichter, in die ohnehin nie besonders kuschlige Ostsee zu springen, als bei Sonnenschein, Windstille und (fast) tropischen Temperaturen am Strand.

Aber warum ist das eigentlich so? Nun, zunächst muss man nicht über jeden Zentimeter selbst entscheiden, den das kühle Wasser über Bauchnabelhöhe – denn ab da wird es richtig kalt – nach oben kriecht. „Schwapp“, macht die nächste Welle und das restliche Stück bis zum Hals ist ganz ohne große Überwindung und eigenes Zutun geschafft. Höchstens noch Zeit für einen spitzen Schrei bis die nächste Welle über dem Kopf zusammenschlägt.

Das ging doch viel schneller als geplant! Und ist noch nicht vorbei!! Welle auf Welle rollt heran und sorgt dafür, dass das zwischenzeitliche Luftschnappen zunehmend in den Fokus gerät. Aber da ist noch das Problem mit der Badehose, die im Freibad immer da saß, wo sie hingehört. Wo hängt die denn plötzlich? Festhalten, luftholen, hochziehen, wieder nach Luft schnappen. Oder das Bikinioberteil?! Vielleicht gibt es einen Grund, warum die meisten Damen heute einen Badeanzug tragen? Und wo ist eigentlich der Strand? Autsch! Weshalb habe ich plötzlich diese Zehe im Auge? Oh, Entschuldigung, ich wollte Ihnen meinen Ellenbogen nicht in den Magen drücken – das kam nur durch die große Welle!

Ganz schön was los im Wasser, wenn die Wellen mal nicht nur wiegen, sondern ordentlich brausen. Da wird auch der entspannte Badegast schnell einmal zum Einzelkämpfer, der sich vorkommt wie Jona, bevor der Wal ihn verschluckte. Den Wal gibt es in der Ostsee zum Glück nicht, aber dafür die, die am Strand zurückgeblieben sind, eingemummelt in eine Decke und mit interessiertem Blick für das Schauspiel, das sich ihnen da gerade gratis bietet.

„Na, war das Wasser so kalt, wie es aussieht?“, wird der aus der Brandung torkelnde tapfere Recke freundlich angesprochen. „Kalt – wieso kalt? Ich hatte ganz andere Probleme und ich habe überlebt!“, könnte die Antwort lauten. Abgekämpft, erschöpft, ein bisschen stolz – und vielleicht auch glücklich. Der Sommer-Sonne-Badewannenwetter-Urlauber wird diese Erfahrung nie machen. Und das ist eigentlich schade.

Sicher gibt es Wetterlagen, gibt es persönliche Umstände oder Krankheiten bei denen der „Sprung ins kalte Wasser“, die Auseinandersetzung mit dem Element „Meer“ in Bestform vermieden werden sollte. Viel zu oft aber lehnen wir uns in unserer Komfortzone zurück, kuscheln wir uns in die warme Decke, warten wir auf schöneres Wetter oder bessere Zeiten und verpassen dabei etwas ganz Wichtiges: das Leben!

Als bekennender Warmduscher wünsche ich Ihnen den Mut zum Experiment – und einen herrlichen Sommer.

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

Briefkasten

St. Otto, Juni 2019

„Mit dem Wind“...

… geht die mobile Datenübertragung auf Usedom auch nicht schneller. Wäre manchmal nicht schlecht, wenn die sommerlich überlasteten Handynetze, der darbende Breitbandausbau oder die wackelige WLAN-Verbindung durch eine kräftige Windböe einen ordentlichen Push erhalten würden. Manch einem geht das alles viel zu langsam, was die digitale Kommunikation von und mit der Insel betrifft. Im Geschäftsbetrieb kann man das ja verstehen, aber im Urlaub? Vielleicht bauen die Telekom und ihre Mitbewerber ja ganz bewusst auf Entschleunigung? Und ganz abgeschnitten sind wir ja sogar im Hinterland der Insel nicht…

Die Kirchstraße, Sie erinnern sich an den Beitrag zu Ostern?, führt in die weite Welt hinaus. Und an diesem Hotspot im Ortsteil Netzelkow finden sich tatsächlich noch zwei weitere wesentliche Kommunikationsträger nach draußen. Der Briefkasten trägt die Patina seiner langen Tätigkeit mit Würde und noch funktioniert die tägliche Leerung. Ich weiß nicht, wie oft er tatsächlich eine Postsendung beherbergt, aber theoretisch kann er Montag bis Samstag starten, der Brief nach München, nach Sydney, nach Jukagir in Sibirien und in die ganze restliche Welt.

Zu noch mehr Unabhängigkeit verhilft dem Mitteilungsbedürftigen der kleine graue Kasten mit der dicken Schicht aus Moos und Flechten, der in einem guten nachbarschaftlichen Verhältnis zu unserem Postkasten steht. Hier laufen die Kabel für Telekommunikation und Internet des Dorfes zusammen. Und von hier erreichen Sie sogar innerhalb weniger Sekunden die ganze Welt. Vorausgesetzt, es liegt keine Störung vor und Sie haben sich rechtzeitig einen der raren Anschlüsse gesichert! Die sind nämlich inzwischen aufgebraucht.

Straße, Brief, Telefon, Internet - vier Wege hinaus in die Welt. Nicht immer barrierefrei, nicht immer ganz unproblematisch, nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik und trotzdem: Vier Möglichkeiten, Mitmenschen zu kontaktieren, sich auszutauschen und mitzuteilen, Informationen zu empfangen oder zu senden. Und da sind wir dann direkt beim Pfingstfest. Was hätten die Apostel abgefeiert, wenn ihnen diese Kommunikationsmöglichkeiten zur Verfügung gestanden hätten! Johannes als Webmaster betreut den Internetauftritt, Jakobus organisiert die Telefonhotline, Paulus schickt seine Briefe ganz einfach als Postwurfsendung und Petrus macht sich mit einem LKW voll mit Flyern und Infomaterial auf den Weg.

Erstaunlich eigentlich, dass sich das Christentum ohne all diese modernen Hilfsmittel verbreitet hat. Für uns, die wir ständig nach neuen Kommunikationsmöglichkeiten suchen, die wir oft verzweifeln, weil das, was technisch möglich wäre, mal gerade nicht funktioniert oder zur Verfügung steht, völlig unverständlich. Ein Wunder? Nun gut, es hat etwas gedauert mit der Verbreitung des Christentums. In manchen Ecken der Erde ist es nach gut 2000 Jahren noch immer nicht so recht angekommen. Ist ja auch eine ziemlich komplexe Botschaft, die da hinter den beiden Grundlagen der Gottes- und der Nächstenliebe steht. Vielleicht reicht dafür ein Flyer nicht aus, ein Brief oder ein Infopaket? Ja wahrscheinlich sprengt die Botschaft sogar jede Datenbank! Ich bin sicher: Das Christentum wächst nur durch die Menschen, die es leben, prägen und gestalten. Lassen Sie uns also Multiplikatoren sein, mal altmodisch im Gespräch, mal unter Zuhilfenahme der modernen Medien, aber immer authentisch und überzeugend!

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

PS: Wer jetzt immer noch über das Tempo und die mangelhafte Medienpräsenz im Urlaub auf Usedom schimpft, dem sei gesagt: Die Ortung per GPS und GLOSSNAS funktioniert auf der Insel bestens. Wer Sie da möglicherweise bei aktivierter Handyortung immer im Blick hat, das wollen Sie, das wollen wir gar nicht wissen! Der aber, auf den es für uns als Christen ankommt, der schafft das mit dem Blick übrigens auch ohne Technik!

  Beine

 St. Otto, Mai 2019

 „Mit dem Wind“...

… oder gegen den Wind. Das hängt an der Küste, wie auch im Binnenland meist von der Richtung ab, in die man sich fortbewegen will oder muss. Zugegeben, an der Küste und besonders am Strand spürt man den Wind von vorn oder hinten deutlicher, was zum einen an der Windstärke, zum anderen aber auch an der doch relativ ebenen Landschaft liegt.

Kann ich einfach die Richtung wechseln, wenn mir der Wind zu stark ins Gesicht bläst? Klar, kann ich das machen, aber dann werde ich mein Ziel in den seltensten Fällen erreichen. Einmal um die Erde, immer mit dem Wind im Rücken: Hört sich toll an, funktioniert so aber aus vielerlei Gründen nicht. Wie wäre es aber, wenn ich mich einfach nur umdrehe, rückwärts gegen den Wind ankämpfe und die rote Nase sich im Windschatten erholen kann? Nun gut, schnell bin ich dann nicht unterwegs und von Zeit zu Zeit lohnt sich ein Blick über die Schulter, um nicht im Wasser zu landen oder rückwärts in den nächsten Strandkorb zu fallen. Mühsam, aber eine Möglichkeit. Kleine Kinder und ältere Menschen wählen oft diesen Weg. Die einen spielerisch unbekümmert, die anderen lebensklug und erfahren.

Oft haben wir in unserem Alltag keine Möglichkeit, einen anderen Weg, eine andere Richtung einzuschlagen. Ziele werden von anderen gesetzt, das Leben schreibt die Richtung vor, persönliches oder gesellschaftliches Eingebundensein legen den Weg fest und definieren das Ziel. Und nicht selten versucht man uns auch vorzuschreiben, wie dieser Weg gemeistert werden soll: Nase in den Gegenwind, die tränenden Augen zusammenkneifen und immer voran, weil man das so macht. „Das haben alle anderen immer schon so gemacht!“ „Augen zu und durch!“ „Du weißt aber schon, was du jetzt zu tun hast!“ Wer kennt diese Sprüche nicht – und wie wenig hilfreich sind sie in der Regel!

Rückwärts, auf einem Bein, im Seitgalopp oder auch – gut trainiert – auf den Händen. Im Trippelschritt, im Sprint, in Schlangenlinien oder mit vielen Pausen. Es gibt unzählige Möglichkeiten, sich in die richtige Richtung zu bewegen. Und ich weigere mich zu akzeptieren, dass es nur den einen Weg zum Ziel geben soll. Wie wäre das Leben langweilig, einseitig und uninspiriert!

Lassen Sie uns gemeinsam durchs Leben hüpfen, hopsen, krabbeln oder auf Händen laufen! Jeder wie und so gut er kann und am besten zusammen mit anderen. Denn im Windschatten eines Mitstreiters bezwingen wir jeden Gegenwind.

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

Kirchweg

St. Otto, Ostern 2019

„Mit dem Wind“...

... in den christlichsten Ort der Insel. Da ist Ostern doch genau der richtige Anlass!
Nun gut, mit den Christen in Vorpommern ist das so eine Sache. Einige gibt es tatsächlich noch, andere haben einfach vergessen, dass sie irgendwann einmal getauf wurden und wieder andere halten Ostern für das Hochfest des Eierversteckens zu Ehren des großen Osterhasen.

Anders in Netzelkow. Wer hier wohnt hat einen ganz konkreten Bezug zur Kirche. Jeder der geschätzt 45 Einwohner! Unglaublich, denn eine solche 100%-Quote dürfte höchstens noch der Vatikan vorweisen können. Na ja, das bedeutet nicht gleich, dass der Anteil der getauften Christen hier höher ist als anderswo im Land. Aber trotzdem: Die Weichen sind gestellt, der Weg ist bereitet.

Fährt man, aus Neuendorf kommend, über die wunderschöne Allee in das Dorf Netzelkow hinein, dann landet man unweigerlich direkt vor der Marienkirche. Vom Ortseingang bis zur Kirche benutzt man dazu die Kirchstraße. Nichts Besonderes: In vielen Ortschaften liegt die Kirche in der Kirchstraße, das Rathaus in der Rathausstraße und der Bahnhof in der Bahnhofstraße. In Netzelkow führt die Kirchstraße allerdings direkt auf die Marienkirche zu. Gäbe es nicht das enge Tor in der Steinmauer, die die Kirche umgibt, – Eilige könnten direkt bis zum Altar vorfahren.

Aber auch wer den zivilisierteren und weniger unfallträchtigen Zugang zur Kirche sucht kommt an der Kirchstraße nicht vorbei. Diese teilt sich direkt vor der Kirche. Rechts Kirchstraße, links Kirchstraße, im Rücken die Kirchstraße und im Blick die Marienkirche. Es gibt in ganz Netzelkow nur eine Straße. Sie ahnen es sicher? Die Kirchstraße! Und das Schöne daran ist, dass Straßen immer in zwei Richtungen führen. Es gibt stets einen Hin- und einen Rückweg. Man kann also die Kirchstraße auch in die Gegenrichtung benutzen und nach dem Gottesdienst die Osterbotschaft hinaus, über die Insel und im Urlaubsgepäck bis nach Hause tragen. Alles auf dem Kirchweg. Schön, oder?
Das hört sich jetzt nach Pfingsten an, werden die im Glauben geschulten Leser anmerken. Fast richtig, sage ich. Warten Sie den Beitrag im Juni ab, denn wie Pfingsten ohne Ostern undenkbar ist, so bleibt der Schlusspunkt dieser Betrachtung dem „Pfingstbeitrag“ vorbehalten.
Bis dahin wünsche ich Ihnen viele Mitfeiernde, die den Weg über die (Kirch)-Straßen dieser Welt in Ihre Kirche finden, die mit Ihnen zusammen die Auferstehung unseres Herrn feiern und das Strahlen im Gesicht tragen, dass die Sonne seit einigen Tagen auch hier auf Usedom an den Himmel zaubert.

Gesegnete Ostern!

Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

Frhling 1 

St. Otto, April 2019

„Mit dem Wind“...

... werden in den Wochen vor Ostern die ersten Erholungssuchenden der Saison an die Strände der Insel gespült. Pioniere und tapfere Recken, die sich von letzten Frühlingsstürmen, wenig frühlingshaften Temperaturen und dem ein oder anderen Graupelschauer nicht abschrecken lassen. Gleich Frühblühern recken sie ihre roten Nasen in den noch kühlen Wind: Eltern mit kleinen Kindern, dick eingemummelte Senioren, Paare ohne schulpflichtige Kinder oder auch ruhesuchende Individualisten, die am Strand verwundert feststellen, dass sie zu dieser Jahreszeit in Herden auftreten.
Die Insel erwacht aus ihrem Winterschlummer und die Sonntasgöffnungszeit der Supermärkte deutet an, dass bei schönem Wetter am Wochenende auch die Stausaison nicht mehr fern ist.

Die Reaktionen der Insulaner auf dieses alljährlich wiederkehrende Phänomen sind durchaus unterschiedlich. „Augen zu und durch“, lautet die Devise bei einigen. Andere betrachten die saisonalen Urlauberfluten wie die ägyptischen Bauern das jährliche Nilhochwasser: Muss man mit leben, will man überleben! Denn was wäre die Insel ohne die Finanzquelle Tourismus?

Oft sind solche abschätzig wirkenden Äußerungen aber nur coole, norddeutsche Maskerade. Stau, volle Läden, Stress, Lärm – natürlich gibt es zahlreiche gute Gründe, die Saison als Einheimischer nicht unbedingt zu lieben.
Aber ist es nicht schön, endlich mal wieder ein paar andere Gesichter zu sehen? Wirkt die Promenade, geschmückt mit vielen bunten Urlaubertupfern, nicht viel ansprechender, als im tristen, öden Grau der Wintermonate? Und wer genauer hinschaut, also hinter die Fassade, der spürt bei vielen Insulanern dieses Kribbeln, eine leichte Nervosität – ja vielleicht doch so etwas wie Vorfreude? Fast wie die Erwartung, mit der wir jedes Jahr auf Weihnachten zusteuern. Auch da ist man immer wieder aufs Neue aufgeregt, gespannt, neugierig und weiß doch gleichzeitig, dass Weihnachten bei aller Vorfreude wieder eine Menge Stress und Arbeit mit sich bringen wird.

Und wie man sich um Weihnachten herum auf die Spezialitäten freut, die nur zu dieser Jahreszeit richtig schmecken, so erfreut man sich hier klammheimlich an den ganz speziellen Urlaubern aus den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands. Alle mit ihren mentaltätsbedingten und regional geprägten Eigenarten und Persönlichkeitsmerkmalen. Es ist schon ein bunter Zoo, der sich alljährlich auf der Insel tummelt!

Ja und schließlich gibt es da noch die Alten, die bei all dem bunten und manchmal auch hektischen Treiben ihre Ruhe nie verlieren. „Ob dat pladdert, de Sünn schient oder snejt – de Dag de kummt un de Dag de geiht!“
Sicher können Sie diese alte Bauernweisheit, die sich auf den April bezieht, übersetzen, und dann liegt die Entscheidung ganz bei Ihnen: Schneien Sie bei uns rein, verhageln Sie uns den Sommer oder tragen Sie die Sonne im Herzen und im Gepäck nach Usedom? Wir sind gespannt!

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor 

 

lpumpen                                 

St. Otto, März 2019

„Mit dem Wind“...

... hört man auf dem Gnitz zwischen Neuendorf, Lütow und Netzelkow immer mal wieder ein leises Quietschen. Einige der Erdölpumpen, die dort seit mehr als 50 Jahren in Betrieb sind, arbeiten auch heute noch. Und wo Kolben und Zylinder am Werk sind, wo Stahl und Eisen aneinander reiben, da bleiben Geräusche nicht aus. „Pferdeköpfe“ heißen die nickenden Pumpen im Volksmund. Gemächlich fördern die „Letzen ihrer Art“ nur noch eine sehr geringe Ölmenge aus ca. 2300m Tiefe an die Erdoberfläche und wirtschaftlich ist der Abbau bestimmt auch nicht mehr. Aus diesem Grund ist es sicher nur eine Frage der Zeit, bis auch die letzten noch aktiven Pumpen, wie die meisten ihrer Artgenossen, stillgelegt werden und zukünftig ein eher unspektakuläres Dasein als Industriedenkmal fristen dürfen.

„Gut so!“, wird man sagen, wenn man den Umweltaspekt im Blick hat. Erdöl ist wie Kohle ein Energielieferant, der bei der Nutzung jede Menge schädliche Emissionen in die Umwelt abgibt. Die intensive Ausbeutung irreversibler, fossiler Rohstoffe ist im 21. Jahrhundert nicht mehr zeitgemäß. Windkraft oder Photovoltaik erzeugen saubere Energie. Die Elektromobilität ist, wenn auch noch holprig, auf dem Vormarsch. Also stilllegen, die Pumpen – und das besser heute als morgen!

Kann man da anderer Meinung sein? Wohl kaum. Umweltaspekte, Ineffizienz, Wartungsaufwand und Ertrag sprechen dagegen, solche Dinosaurier am Leben zu erhalten. Und doch würde ich dieses leise Schaben und Quietschen, die Bewegung in der ansonsten eintönigen, fast statischen Landschaft am Achterwasser vermissen. Rational ist das nicht. Nostalgisch vielleicht? Sicher, aber nicht nur! Diese Erdölpumpen können auch beispielhaft für die vielen Dinge, die wir ausrangieren, abbauen, ersetzen – sprichwörtlich „zum alten Eisen werfen“ stehen. Vielfach absolut berechtigt und doch zuweilen vorschnell oder unnötig.

Und nicht nur mit den Gegenständen, die uns umgeben, sind wir mitunter wenig nachsichtig. Es fällt auf, dass unsere Erwerbsgesellschaft mit älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zunehmend ganz ähnlich verfährt. Mühsam werden sie und ihre scheinbaren Marotten und Verschleißerscheinungen auf den letzten Metern bis zum Ruhestand ertragen. Ein Aufatmen geht durch den Betrieb, wenn endlich der Renteneintrittstermin feststeht, und die Dankbarkeit für viele Dienst- und Arbeitsjahre bei der Verabschiedung gerät vielfach zur peinlichen Pflichtübung.

Erst wenn sie eine Weile weg sind wird oft bemerkt, dass „die Alten“ da und dort fehlen. Ihre altmodische, vielleicht ineffiziente aber nachhaltige Arbeitsweise, ihre Erfahrung, die doch immer nur dem Fortschritt im Wege stand, ihre zugewandte und verständnisvolle Art – ihr leises „Quietschen“, mit dem sie all die Jahre ihre Arbeit zuverlässig erledigt haben.

Wir neigen dazu, Menschen und auch Dinge oft erst posthum wirklich wertzuschätzen. Dann werden Gedenktafeln aufgehängt, Straßennamen vergeben oder Museen bestückt. Ein wenig mehr von diesen „Nachschlagslorbeeren“ im Hier und Jetzt würde uns allen guttun und den notwendigen Fortschritt mit Sicherheit nicht aufhalten.

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

Februar Achterwasser 1
 

St. Otto, Februar 2019

„Mit dem Wind“...

... verschlägt es im Laufe des Jahres eine bunte Gästeschar nach St. Otto. Im Februar bekommt man beim „Klick“ auf den Belegungsplan schon einen guten Überblick, was bzw. wer da in diesem Jahr auf einen zukommt. Natürlich sind wir in erster Linie eine Anlaufstelle für christliche Gruppen, Gemeinden und Schulen. Ob Sommerfahrt, Seniorenreisen oder auch Einzelreisende und Familien mit konfessionellem Hintergrund – die Möglichkeit in St. Otto nicht nur einen schönen Urlaub zu verbringen, sondern den lieben Gott auch im Urlaub mit an Bord zu haben ist ein Plus, das viele an St. Otto schätzen. Ob im Handgepäck mitgebracht oder doch im Stress des Alltags und des Aufbruchs zu Hause vergessen: Wer mag, findet in St. Otto immer eine Möglichkeit und hoffentlich auch die Zeit, ihm zu begegnen, ihn mit-, wahr- und aufzunehmen.

Die Kirchenglocke, die zum gemeinsamen Mittagsgebet in den Speiseraum ruft. Die kleine Kapelle, die eine Geborgenheit schenkt, die man in vielen großen Kirchen nicht unbedingt sofort findet. Der Raum der Stille, zu dem man bis ganz unters Dach hinaufsteigen muss, um dann zwischen Himmel und Erde zu schweben. Und in der Mitte die Kirche, die immer offen steht. Denn der liebe Gott kennt keinen Feierabend oder Geschäftsschluss.

Es gibt viele Kirchen, die nur ab und an als Gottesdienstort genutzt werden und es gibt Kirchen, in denen man spürt, dass sie vom Gebet getragen werden, die Begegnung mit Gott dort kein Augenblick, kein Wimpernschlag ist, sondern eine feste, grundlegende und –gebende Verbindung darstellt. Dass St. Otto ein solcher Ort ist, das verdanken wir zu einem großen Teil unseren Franziskanerschwestern, die durch ihr Gebet und ihre pflegende Umsicht die Kirche tragen und prägen.

Da kommen aber auch noch „die Anderen“ nach St. Otto, die, die mit Kirche erst einmal gar nichts am Hut haben. Polizei und Bundeswehr, Krankenhäuser und Sportvereine, staatliche Schulen, Firmen, Musikensembles oder Wandervereine. Auch für Veranstaltungen wie runde Geburtstage oder Jugendweihe-Feiern wird gern bei uns gebucht. Und da fragt man sich schon: Was wollen die eigentlich hier? Oder: Wollen wir die überhaupt und wie passen die zu uns? Solche Fragen tauchen immer mal wieder in unserer Hausrunde auf und sind nicht unberechtigt. Schließlich geht es bei der Auswahl unserer Gäste auch immer um das Miteinander hier auf dem Gelände.

Im Grunde steht dahinter doch die Frage nach Öffnung, die sich katholische Institutionen immer wieder stellen müssen. Bediene ich nur meine Glaubensschwestern und –brüder, oder lasse ich auch Anders- und Nichtgläubige teilhaben? Schotte ich mich ab oder gehe ich auf andere zu? Für Jesus war das nie eine Frage! Information, Kooperation, Partizipation, Inklusion, Kommunikation – alles Begriffe, die so nicht in den Evangelien vorkommen und doch drücken sie das aus, was Jesus gepredigt und gelebt hat. Insofern ist die Frage der Auswahl auch ganz einfach zu beantworten: Wer uns wählt und die Hemmschwelle, eine „christliche Location“ zu buchen überwindet, der ist uns selbstverständlich willkommen.

Über die katholischen Militärseelsorger oder die RKW freuen wie uns genauso wie über den muslimischen Mädchenchor, der an Silvester hier war. Das Priesterjubiläum kann ebenso bei uns gefeiert werden, wie die Jugendweihe. Damit das gut zusammengeht, dafür sind wir da, dafür müssen wir Sorge tragen – und das tun wir.

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

Achterwasser

St. Otto, im Januar 2019

„Mit dem Wind“...

... war er mal wieder unterwegs, der Moment. Es gibt ihn, den richtigen Moment am falschen Platz, und in der letzten Woche bin ich ihm mal wieder begegnet. Das passiert in der Regel ungeplant und leider viel zu selten. Dieses Mal war es am 3. Januar, morgens im Dunkeln auf den Rad. Böen mit Windstärke 10 – natürlich von vorn –, die Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt und dann war er plötzlich da: Der Hagelschauer! Auf freier Strecke! Der Moment!

Während an normalen Tagen die Gedanken auf dem Rad meist schneller unterwegs sind als die Pedale, dabei anstehende Aufgaben vorsortiert werden oder der gestrige Tag noch einmal Revue passiert, Probleme gewälzt oder bestenfalls weggestrampelt werden, lässt der Moment für solcherlei Nebensächlichkeiten keinen Raum. Der Hagel, der Sturm, die Dunkelheit – die Reduktion auf das „Hier und Jetzt“ erfolgt ganz automatisch. Die ersten Impulse „Mist!“, „Sch… wo stelle ich mich bloß unter?!“ blitzen vielleicht noch auf. Aber dann sind da nur noch die Nadelstiche der Hagelkörner, die verschwimmende Sicht durch die ohnehin beschlagene Radbrille, das Kurshalten in der nächsten Bö und eben – der Moment. Allein mit sich und der tobenden, unwirtlichen Natur und doch geborgen im Selbst. Abgeschirmt von allen Gedanken, die sich im Alltag so schwer bändigen, kontrollieren oder auch nur mal ausschalten lassen.

Ich brauche solche Momente. Immer mal wieder. Und ich bin der Natur dankbar dafür, dass sie gratis und ungefragt mit dem aushilft, was ich mit all meiner Planung und meinen Versuchen, Phasen der inneren Einkehr, des zu sich selbst und ganz bei sich Seins zu finden, nicht schaffe.

Manche vertreten die irrige Ansicht, dass Alkohol oder diverse Drogen ein probates Mittel seien. Zugedröhnt hat man aber definitiv keine Chance mehr, den Moment zu spüren. Abgesehen davon, dass der sich spätestens mit den Kopfschmerzen am nächsten Tag oder anderen Begleiterscheinungen solcher Exzesse verflüchtigt.

Andere gehen zum Yoga, nehmen an Exerzitien teil, finden diese Momente im Gebet. St. Otto bietet dafür zahlreiche Zeiten und geprägte Räume. Und trotzdem. Ich brauche diese unkontrollierbaren Naturphänomene für meine ganz persönlichen Momente. Zugegeben: Der Ort und die äußeren Umstände könnten komfortabler sein. Aber jeder dieser Momente ist es Wert, die Komfortzone für eine Weile zu verlassen!

Ich wünsche Ihnen Gelegenheiten für solche Momente, die Kontemplation ihnen nachzuspüren und die Kraft, und Lebensfreude, die sie schenken! Und vielleicht treffen wir uns irgendwann, morgens um kurz nach 7 im Sturm und bei strömendem Regen auf dem Weg zwischen Netzelkow und St. Otto. Dann gilt: Nicht ansprechen (man versteht ohnehin nichts), denn vielleicht ist das gerade wieder einer dieser ganz besonderen Momente

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

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            St. Otto, Weihnachten 2018

„Mit dem Wind“...

... hört sich ganz eindeutig an. Ist es aber nicht! Sicher, am Strand weht die steife Brise aus Nordost alles in eine Richtung und man ist froh, wenn der eigene Weg nicht zufällig in die Gegenrichtung führt. Aber schon in den Dünen und erst recht in den Häuserschluchten einer Großstadt hat die Windrichtung oft wenig mit der Wettervorhersage zu tun. Windwirbel, Luftlöcher oder Wind, der sich zwischen Gebäuden fängt und statt von hinten, wie versprochen, unerwartet von der Seite oder gar von vorn bläst. Wir kennen das alle.

Das geht uns in der Vorweihnachtszeit oft nicht anders. Eigentlich ist die Richtung klar, das Ziel haben wir alle vor Augen und trotzdem wirbelt es uns mitunter kräftig durcheinander: Tanne oder Kiefer, Kartoffelsalat oder Braten, die Farbe des Geschenkpapiers oder überhaupt Papier, dieses Jahr lila Kugeln an den Weihnachtsbaum oder doch wieder ausschließlich Strohsterne, Baum mit Ballen oder gefällt, die Krippe unter den Baum oder auf den Tisch davor, und, und, und… .

Nun ist es ja prinzipiell schön, so viele Möglichkeiten zu haben, aber hat man die wirklich? Was für den einen unabdingbar zu Weihnachten gehört, ist für den anderen ein „No-Go“. „Falls wieder das umweltschädliche Lametta am Baum hängt, dann kannst du gleich alleine feiern!“ „Josef muss links neben der Krippe stehen, das ist biblisch belegt!“ „Wenn du den ganzen Tag das Weihnachtsoratorium laufen lässt, kannst du mich für die Weihnachtsvorbereitungen streichen! Das Gedudel hält doch der stärkste Weihnachtsmann nicht aus!“ „Weihnachtsmann?? Welcher Weihnachtsmann!!“

Die Richtung? Weihnachten! Die Geburt Jesu! Ist doch klar! Aber da raschelt es, da wirbelt es, da rumpelt es und ehe man sichs versieht, ist der Kampf mit den scheinbaren Schwierigkeiten, den unterschiedlichen Ansichten, den ach so wichtigen Nebensächlichkeiten in den Mittelpunkt des Weihnachtsgeschehens gerückt. Platz für die Krippe? Aber nur, wenn der Josef links steht!

Im Übrigen ist das nicht nur an Weihnachten so. Wo zwei oder drei versammelt sind, gemeinsam leben, arbeiten oder auch beten, da sind Meinungsverschiedenheiten die Regel – und das ist zunächst einmal nicht schlecht. 

Das trifft natürlich auch auf uns hier in St. Otto zu. Jeden Tag müssen zahlreiche Entscheidungen getroffen werden. Da wird schon mal jemand vergessen, der eigentlich miteinbezogen werden sollte. Da prallen Meinungen und Ansichten aufeinander, wie immer, wenn sich Menschen engagieren. Einheitsbrei wollen wir nicht. Beliebigkeit statt Engagement kann sich niemand wünschen. Aber Augenmaß für die wichtigen Dinge und die Bereitschaft, die Relevanz der eigenen Ansichten zu hinterfragen hilft manchmal, den Blick auf die wirklich wichtigen Dinge zu lenken. 

Eine frohe, gnadenreiche Weihnachtszeit mit dem guten Blick für das Wesentliche und liebende Großzügigkeit bei den kleinen Nebensächlichkeiten, die oft viel zu großen Raum in unserem Leben einnehmen wünscht

Herzlichst                                                                         
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

         St. Otto im Advent 2018

„Mit dem Wind“...

... ist ein Licht erwacht. So ein Unsinn, sollte man denken. Der Wind pustet das Licht eher aus, wenn es sich um eine Kerze handelt oder sorgt dafür, dass das Windlicht gefährlich schaukelnd das zarte Flämmchen schützen muss. Aber trotzdem: Wenn der Wind nicht an dem ein oder anderen Tag den Nebel und die Wolken beiseite schieben würde, dann hätte die Sonne in diesen Wochen überhaupt keine Chance sich sehen zu lassen.

Wunderschön, so ein Sonnenaufgang an einem kalten, stürmischen Wintertag im Advent! Während die Sonne im Sommer längst unterwegs ist, bis das Klingeln des Weckers auch uns auf die Reise durch den Tag schickt, haben wir es im Dezember viel leichter, dieses Wettrennen für uns zu entscheiden. Zugegeben – das warme Bett verlockt zum Liegenbleiben und die Aussicht, sich gleich auf den kalten, dunklen Weg zur Arbeit zu machen, motiviert auch nicht besonders. Aber spätestens, wenn man auf dem Rad oder im Auto sitzend sieht, wie sich der Horizont rötlich färbt und sich schließlich die Sonne scheinbar mühevoll, langsam aber trotzdem strahlend auf ihren Weg begibt, dann ist der Augenblick zum Innehalten, zum Staunen, zum Genießen gekommen. Ein Licht ist im Advent erwacht.

Wann sonst im Jahr nehmen wir uns die Zeit, die Sonne so intensiv und freudig zu begrüßen? In der Regel ist sie einfach da. Aber in der dunklen Jahreszeit hat sie ihren großen Auftritt, nicht dann, wenn sie am hellsten und kräftigsten leuchtet, sondern in einer Zeit, in der wir für jeden Tag dankbar sind, der sich vom trüben Winterwetter abhebt.

Vielleicht ist das genau so gewollt? Da rückt einer das Wesentliche in den Mittelpunkt, das Alltägliche gewinnt an Wert, an Bedeutung. Nicht umsonst warten wir im Dezember sehnsüchtig darauf, dass die Tage wieder länger werden, die Sonne sich nicht mehr ganz so rar macht. Mit zahlreichen Lichterketten, Strahlern, Kerzen und Lampen versuchen wir sie in der dunklen Jahreszeit zu ersetzen und merken - an das Original kommen wir nicht ansatzweise heran.

Manchmal reicht ein Sonnenstrahl am Morgen, um den ganzen Tag in ein anders Licht zu tauchen. Nehmen wir doch die dunkle Jahreszeit als Chance, genau diesen Sonnenstrahl viel öfter bewusst wahrzunehmen.

Besinnen auf das Wesentliche, Zeit nehmen, das Licht erkennen - Advent. Das klappt mit etwas gutem Willen und einer gehörigen Portion Ignoranz gegenüber all dem Vorweihnachtstrubel in der Stadt wie hier auf Usedom. Nur wollen muss man schon. Und die Hektik dann und wann bewusst hinter sich lassen. Und das, ja das fällt dann auf der Insel, hier in St. Otto im Dezember, wohl tatsächlich leichter.

Herzlichst                                                                         
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

 

                                                                         St. Otto im November 2018

„Mit dem Wind“...

... und durch den Herbstnebel. In diesem Jahr haben wir die Terrassenmöbel tatsächlich erst Mitte Oktober in den Winterschlaf geschickt. Das schöne Spätherbstwetter hat bis dahin immer wieder mutige Gäste zum Verweilen vor unserem Speiseraum verlockt. Erstaunlich eigentlich, wie bunt die Gästeschar zu dieser Jahreszeit ist. Fast wie die Vielfalt der Herbstblätterfarben mischen sich unter die Schulklassen und Familien zahlreiche Senioren, die die ruhigere Zeit auf der Insel genießen, Sportvereine im Trainingslager oder auch die Bundeswehr, die Seminare und Schulungen bei uns abhält. 

Doch jetzt ist er wohl endgültig vorbei, der goldene Teil des Herbstes. Die Zeitumstellung hat das Ihre dazu beigetragen, dass ab dem frühen Nachmittag eine Lichtquelle unerlässlich wird, entscheidet man sich nicht für die Bettdecke und den eigentlich fälligen Winterschlaf. 

Das mit der Lichtquelle ist im Übrigen gar nicht so einfach. Kerze oder LED, hell oder dunkel, direkt oder indirekt, warm oder kalt, energiesparend oder gemütlich: So vielfältig wie die Möglichkeiten Licht ins Dunkel zu bringen, so unterschiedlich die Meinungen darüber, wie das am besten zu bewerkstelligen sei. Da sind wir Menschen ganz eigen. Niemand würde zwar auf die Idee kommen, sein Fahrrad mit einer Laterne als Lichtquelle zu versehen oder das Candlelight-Dinner mit einer Flutlichtanlage auszuleuchten. Und dass der Zahnarzt bei seiner Behandlung möglichst nicht im Dunkeln tappen sollte, auch darin sind wir uns wohl einig. Aber schon bei der Ausleuchtung des Wohnzimmers, des Arbeitsplatzes, der Beleuchtung im Restaurant oder auch in der Kirche gehen die Meinungen weit auseinander. 

Neben sachlichen Argumenten spielt ganz einfach auch das persönliche Empfinden eine entscheidende Rolle. Wie viel Licht der Einzelne in einer bestimmten Situation für angebracht oder wünschenswert hält, ist keineswegs ausschließlich eine Frage des individuellen Sehvermögens. Deshalb lässt sich über die „richtige“ Ausleuchtung auch so wunderbar streiten.

Fest steht allerdings: Wir Menschen brauchen Licht! Gerade im Winterhalbjahr, wenn die Sonne manchmal über Tage hinter dicken Nebelwänden verschollen scheint, sind wir dabei auf die verschiedenen künstlichen Lichtquellen angewiesen. Wie schön, dass es die in so zahlreichen Variationen gibt!

Wie wichtig das Licht für uns ist, zeigen nicht zuletzt unsere zahlreichen Lichterfeste in der dunklen Jahreszeit. Wenn der Heilige Martin Licht in das Leben anderer bringt, dann ist das eine ganz besondere Form von Helligkeit und Wärme. Energieeffizienz in ihrer besten Ausformung.  

Lassen wir unser Licht leuchten und Licht-Quelle sein, für andere, gemeinsam, nicht nur in der dunklen Jahreszeit.  

Herzlichst                                                                         
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

 

St. Otto im Oktober 2018

„Mit dem Wind“…

… ziehen seit einigen Tagen auch wieder Regenwolken über die Insel. Es gibt sie tatsächlich noch! Mal rücken sie mit dicken Tropfen an und dann wieder mit nachhaltigem Nieselregen. Aussuchen kann man sich das nicht. Und nass wird man in jedem Fall. 

Viele Bauern hätten sich den Regen für ihr Getreide im Frühjahr und Sommer gewünscht, während die Winzer eine Rekordernte erwarten. Erntedank fällt da, abhängig vom Betrachter, sehr unterschiedlich aus. Dieser Sommer zeigt uns nachdrücklich, dass ertragreiche Landwirtschaft auch in unserer hochtechnisierten und auf Risikominimierung ausgerichteten Lebenswelt kein Selbstläufer ist. Es gehört Mut dazu, sich jedes Jahr erneut auf die Unberechenbarkeit von Wind und Wetter, von Regen und Sonne einzulassen, die eigene Existenz und die der Familie darauf aufzubauen. 

Eine gute Ernte ist auch heute keine Selbstverständlichkeit. Sie steht am Ende von viel schweißtreibender Arbeit – wenn das Wetter passt, die Schädlinge nicht überhandnehmen, die Maschinen funktionieren, genügend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, die eigene Gesundheit mitspielt und, und, und. Viele Faktoren liegen nicht in unserer Hand. Auch deshalb Erntedank.

Wir hier in St. Otto stehen nicht auf dem Feld und schweres Gerät kommt höchstens beim jährlichen Arbeitseinsatz des Freundeskreises auf unserem Gelände zum Einsatz. Wir halten keine dicken Kartoffeln, prächtigen Kürbisse oder prallen Reben als Ergebnis unserer Arbeit in den Händen. Und trotzdem sind wir ziemlich urlaubsreif am Ende einer langen Saison. Erntedank?

Arbeiten „wo andere Urlaub machen“, kann ganz schön anstrengend sein. Täglich alles daran zu setzen, damit der Urlaub für unsere Gäste eine wunderschöne, erholsame Zeit wird, kostet Kraft. Immer ein freundliches Wort, ein Lächeln, parat zu haben, auch wenn man persönlich gerade am liebsten laut schimpfen würde, ist manchmal nicht einfach.

Wenn Sie abreisen und sich an eine gute Zeit in St. Otto erinnern, vielleicht den einen oder anderen Energieschub in Ihren Alltag hinüberretten können, dann hat sich unser Einsatz gelohnt. Wenn es Ihnen gelingt, wie die Maus „Frederick“ im Buch von Leo Lionni, bis zum nächsten Urlaub hin und wieder an ihren positiven Erinnerungen zu „knabbern“, freuen wir uns.

Für uns in St. Otto sind Ihre vielen positiven Rückmeldungen, die netten Worte oder auch die freundlichen Blicke die „dicken Kartoffeln“, die Ernte, für unsere geleistete Arbeit. Erntedank eben!

Herzlichst                                                                         
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

                                                                                                         St. Otto im September 2018

 „Mit dem Wind“...

... ist man in der Regel besser unterwegs, als wenn eine kräftige Brise von vorn bläst.
Wer nicht aufpasst, den treibt der Wind aber auch schnell in eine ungeplante Richtung oder am Ziel vorbei.
In einem solchen Fall heißt es, umkehren, und der Rückweg kann dann so richtig anstrengend werden.

Auch kann man sich auf den Wind nicht verlassen.
Er wechselt die Richtung, weht mal aus Osten, dann wieder aus Norden oder Westen
und für manchen leidgeprüften Radfahrer einfach immer nur entgegen der Fahrtrichtung.
Dann heißt es, Zähne zusammenbeißen und schwitzen, oder sich auf die elektrische Trethilfe verlassen,
der die Windrichtung ganz gleichgültig ist.

Vielleicht ist aber der Gegenwind, der uns am raschen Fortkommen hindert, gar nicht so störend, wie wir oft meinen. Zwar sorgt er dafür, dass wir an Tempo verlieren, zum Verschnaufen auch mal absteigen müssen
oder zu spät zu einer Verabredung kommen,
aber jeder kennt auch das Gefühl, körperlich ordentlich gefordert aber wunderbar durchgepustet am Ziel anzukommen.
Mit Rückenwind wäre man sicher schneller, entspannter und vielleicht sogar pünktlich gewesen;
das Gefühl, etwas geschafft zu haben, hätte sich aber nicht im gleichen Maße eingestellt.

Vom Gegenwind können wir lernen, dass Widerstände nicht nur ärgerliche Störfaktoren sein müssen.
Ein Leben auf der Überholspur des Rückenwinds führt nicht selten dazu, dass wir manches verpassen
und vieles nicht intensiv genug wahrnehmen, denn – husch – ist man schon vorüber und vorbei.

Wenn es mir gelingt, den Ärger über den fiesen Gegenwind, der mich regelmäßig ausbremst, zu vergessen
und mich stattdessen über das langsame aber stetige Vorankämpfen – Tritt um Tritt, Schritt für Schritt – zu freuen,
es vielleicht sogar stolz zu genießen, dass ich mir jeden Meter hart erarbeite,
dann trägt auch der zunächst unliebsame Gegenwind dazu bei, meinen Tag zu einem erfüllten zu machen.

 

Liebe Freunde von St. Otto,

seit dem 1. September bin ich als neuer Rektor des Hauses für vieles verantwortlich.
Manche Aufgaben kenne ich schon, andere werden dazukommen.
Den wohligen Rückenwind habe ich schon gespürt, denn der Empfang war sehr herzlich.
Aber auch auf den „positiven Gegenwind“ freue ich mich!

In regelmäßigen Abständen werde ich versuchen, Sie unter der Überschrift „Mit dem Wind“... an Gedanken, Neuigkeiten oder auch dem Alltag in und rund um St. Otto teilhaben zu lassen.
Schauen Sie also bei Interesse gern ab und an mal wieder auf unserer Homepage vorbei.

Kommen Sie gut in den Herbst und genießen Sie die letzten Spätsommertage auf der Insel oder anderswo!
Und wenn Ihnen im Alltag der Wind mal wieder kräftig ins Gesicht bläst:
Tief durchatmen, runterschalten und mutig voran!


Herzlichst                                                                         
Ihr
Markus Constantin
Rektor

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